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Seit 65 Jahren gut bei Stimme

Diamantener Chorsänger in Wittstock Seit 65 Jahren gut bei Stimme

Heinz Godehard ist 84 – und erster Tenor im Städtischen Männerchor 1836 Wittstock. Für seine langjährige Mitgliedschaft bekam er jetzt eine Urkunde und einen Pokal von seinen Sangesbrüdern überreicht. Manchmal ist er traurig.

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Heinz Godehard, erster Tenor im Städtischen Männerchor 1836 Wittstock.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Gleich mitsingen? Eigentlich wollten sich die beiden Freunde das Ganze erst mal anschauen. Aber dann waren sie doch überrascht, dass sie so herzlich begrüßt und direkt zum Singen eingeladen wurden. Sie stimmten also mit ein, schließlich hatten sie zuvor schon im dreistimmigen Schulchor Erfahrungen gesammelt. „Der Chorleiter und die rund 20 Sänger waren begeistert von unseren jugendlichen Stimmen“, sagt Heinz Godehard. Das war im Juni 1950. Er war gerade 19, sein Freund 20 Jahre alt. „Sie luden uns ein, zur nächsten Übungsstunde wiederzukommen.“

Wie viele bis jetzt dazugekommen sind, hat er nicht gezählt. Sicher ist nur: Es war der Beginn einer Leidenschaft, die anhält. Der Freund von damals sei längst verstorben, doch Heinz Godehard singt nach wie vor als Erster Tenor im Städtischen Männerchor 1836 Wittstock. Damit ist er dort der älteste aktive Sänger. Für seine 65-jährige Mitgliedschaft bekam er jüngst von seinen Chorkollegen einen Pokal und eine Urkunde überreicht.

Pokal und Urkunde für 65 Jahre Chormitgliedschaft

Pokal und Urkunde für 65 Jahre Chormitgliedschaft.

Quelle: Björn Wagener

Heinz Godehard ist 84 Jahre alt. Bei den Proben sei er „eigentlich immer“ da gewesen. Ähnlich gewissenhaft hat er sich auf das Gespräch mit der MAZ vorbereitet und seine Erinnerungen in einem Schulheft aus DDR-Zeiten auf fünf Seiten handschriftlich zusammengetragen. Es leistet ihm als Gedankenstütze gute Dienste. Als er sich der letzten Seite zuwendet, ist er für einen Moment plötzlich den Tränen nahe. Denn dort hat er die Namen derer zusammengetragen, mit denen er einst gemeinsam sang, die inzwischen aber verstorben sind.

Das Keyboardspiel und Notenkenntnisse hat er sich selbst beigebracht, aber eigentlich spricht er lieber über den Chor als über sich. „In den Jahren bis 1945 bestanden zunächst zwei Männergesangsvereine in Wittstock – der Verein der Gesang-Freunde und der Lithurgische Männergesangverein“, sagt Godehard. Beide hätten sich dann zu einem Chor vereint. Während des Krieges ruhte die Vereinsarbeit.

Der Städtische Männerchor 1836 Wittstock

23 Sänger gehören dem Städtischen Männerchor 1836 Wittstock aktuell an.

Vorsitzender ist Peter-Michael Kipcke.

Die musikalische Leitung hat Kantor Uwe Metlitzky inne.

Jährlich absolvieren die Sänger rund sechs Auftritte bei Veranstaltungen in der Region.

Gesucht werden jederzeit neue Sänger. Die Proben finden jeweils dienstags ab 19.30 Uhr im Wittstocker Torbogenhaus statt. Wer mitsingen möchte, ist willkommen. Allerdings sollten Interessenten wissen, dass der Chor den vierstimmigen Männergesang praktiziert. „Das ist relativ anspruchsvoll“, sagt Peter-Michael Kipcke.

Danach sei zunächst ein gemischter Chor entstanden, doch nur für wenige Monate. Die Männer wollten wohl beim Singen lieber unter sich bleiben. Jedenfalls formierten sie sich in jener Zeit neu und probten fortan unter dem ersten Nachkriegs-Chorleiter Otto Herguth. In jenen Tagen stieß auch Heinz Godehard zu dem Chor. „Wir begannen jede Übungsstunde mit dem Sängergruß ’Grüß Gott mit hellem Klang’ und später mit ’Lied hoch’“, erinnert sich der Wittstocker Senior. Erst Anfang der 1970er Jahre nannte sich der Chor „Städtischer Männerchor“ und später schließlich „Städtischer Männerchor 1836 Wittstock“. Das Repertoire habe sich mit den Jahren ständig erweitert und verändert. Es umfasse neben Werken von Mozart oder Beethoven unter anderem russische Volkslieder oder Schlager wie „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens.

Heinz Godehard mag allerdings Opern und Operetten am liebsten. Der Chor, dem aktuell 23 Sänger angehören, trat bislang unzählige Male auf Festen und verschiedensten anderen Gelegenheiten auf. Die musikalische Leitung hat Uwe Metlitzky inne, und Peter-Michael Kipcke ist der Vorsitzende des Chores. „Heinz Godehard ist ein gestandener Sänger und für uns unverzichtbar“, sagt der Vorsitzende.

Sowohl Peter-Michael Kipcke als auch Heinz Godehard liegt besonders der Nachwuchs am Herzen. „Wir benötigen dringend junge Leute, die mit Liebe und Interesse bei der Sache sind und viel Spaß am mehrstimmigen Männergesang haben.“ Diesen Satz hat Godehard in seinen Aufzeichnungen extra angestrichen. Wenn junge Leute einfach mal bei einer Chorprobe aufauchten, würden sie ganz bestimmt herzlich begrüßt und zum Singen eingeladen. Vielleicht ist es dann der Beginn einer Leidenschaft – so wie damals, vor 65 Jahren.

Von Björn Wagener

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