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Seltener Vogel attackiert Ornithologen

Nachtschwalbe greift Vogelkundler in Groß Haßlow an Seltener Vogel attackiert Ornithologen

Sonnabendnachmittag. Brütende Hitze liegt über der Region. Eigentlich will der Ornithologe Jürgen Kaatz aus Dranse (Ostprignitz-Ruppin) im Wald bei Groß Haßlow nur Waldlaubsänger für Forschungszwecke fangen. Das klappt auch recht gut. Bis plötzlich ein unerwarteter Gast zwischen den Bäumen auftaucht - und den Vogelbeobachter attackiert.

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Wenn sich der Ziegenmelker in seinem Revier bedrängt fühlt, kann er ganz schön bissig werden.

Quelle: Jürgen Kaatz

Groß Haßlow. "Nur einen Bruchteil von einer Sekunde hörte ich einen Vogelruf, den ich sonst vor allem von unseren nächtlichen Langzeitforschungen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog-Ost kenne", berichtet Jürgen Kaatz. Die Vogelkundler untersuchen dort seit zehn Jahren das Verhalten von Brut-, Zug- und Rastvögeln in einem riesigen Windparkareal und dessen Umgebung. Ganz speziell interessiert sie dabei die seltene Nachtschwalbe.

Diesen Ruf, diese Art hatte Jürgen Kaatz im Wald bei Groß Haßlow nicht vermutet, kommt doch die Nachtschwalbe eigentlich nur auf den großen Truppenübungsplätzen vor. Der Ornithologe wollte sicher gehen, dass er sich nicht getäuscht hatte - und dafür gibt es eine ganz spezielle Nachweismethode, die eigentlich nur bei Dunkelheit funktioniert. Aber einen Versuch war es wert: "Wie ein geölter Blitz schoss ein großer Vogel die Waldschneise entlang - direkt auf mich zu." So heftig, wie die Reaktion des Vogels war, befand sich Kaatz offenbar innerhalb eines Brutreviers. Der Vogelkundler hatte die Grenze überschritten.

Noch stand das Netz, in dem er die Waldlaubsänger fangen wollte. Im selben Areal flog nun die Nachtschwalbe herum. Also änderte Kaatz kurzerhand die Fanganlage und nach wenigen Minuten zappelte die Nachtschwalbe in den Maschen des neun mal vier Meter großen Netzes. Es war das Männchen, das sein Revier verteidigte. Kaatz gibt zu, dass er trotz seiner 35-jährigen Erfahrung als Mitarbeiter der Vogelwarte Hiddensee ziemlich aufgeregt war. "Nie zuvor hatte ich eine ausgewachsene Nachtschwalbe in meinen Händen. Bislang konnte ich nur fünf Mal Nestjunge beringen."

Über die Lebensweise der seltenen Nachtschwalben, auch Ziegenmelker genannt, sei extrem wenig bekannt, sagt der Ornithologe. Früher nahm man an, der urtümlich anmutende Vogel mit dem riesigen Rachen würde nachts den Ziegen die Euter leer saugen. "Alles Humbug", so Kaatz. Der Vogel ernähre sich ausschließlich von Großinsekten, die nachts umher fliegen.

Der Ziegenmelker

  • Der europäische Ziegenmelker ist neben dem Rothals-Ziegenmelker der einzige in Europa vorkommende Vertreter der Nachtschwalben.
  • Sie bewohnen trockene, offene Landschaften und ernähren sich von Nachtfluginsekten. In Europa besiedeln sie bevorzugt Heiden, aber auch Moore und Kiefernwälder.
  • In Deutschland steht der Ziegenmelker auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

"Sie sind nachtaktiv, perfekt getarnt, und wir wissen, dass sie sehr brutplatztreu sind und dass sie extrem empfindlich auf Windkraftanlagen reagieren. Deren Betriebsgeräusche stören die Kommunikation der Vögel untereinander und sie verlassen diese Reviere", so Kaatz. Das sei das Ergebnis einer frisch veröffentlichten Studie seines Teams. Das könne dazu führen, dass die Betreiber von Windkraftanlagen aufwändige Ausgleichsmaßnahmen leisten müssen, um solche ungestörten Lebensräume neu zu schaffen. "In einer Zeit, in der zunehmend auch Waldgebiete zum Aufbau von Windparks genutzt werden sollen, kann der Nachweis von Nachtschwalben zu einem spürbaren Kostenfaktor werden", sagt der Vogelexperte. Er weiß von einem Gebiet im Süden Brandenburgs, in dem für wenige Brutpaare eine Waldfläche von neun Hektar Größe für Nachtschwalben artgerecht gestaltet werden musste.

"Dass nun gerade bei Groß Haßlow der Nachweis der Art geglückt ist und sogar ein Brutvogel beringt werden konnte, freut mich natürlich sehr", sagt der Ornithologe. Ab sofort will er auch außerhalb des einstigen Truppenübungsplatzes nach dieser Art fahnden.

Von Uta Köhn

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