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Ostprignitz-Ruppin Risiko am Steuer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Risiko am Steuer
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02:15 28.06.2015
Volker Büttner aus Wuthenow meisterte die beiden Tests mit Bravour. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Volker Büttner ist ganz gezielt gekommen. Er hat von der Aufklärungsaktion der Polizei für Senioren in der Zeitung gelesen. Er fand die Idee spannend, selbst zu testen, wie fit er als Autofahrer eigentlich noch ist. Zuerst soll er auf einem Blatt Papier 20 Felder mit Zahlen mit einem Stift verbinden. So schnell er kann. Büttner braucht kaum mehr als eine halbe Minute – eine Spitzenzeit. Zweite Aufgabe: Der Pensionär soll aufzeichnen, wie die Uhrzeiger zu einer vorgegebenen Uhrzeit stehen würden. Wohin weist der kleine Zeiger, wohin der große, wenn es halb zwei ist? Eine Frage von Sekunden. So schnell hat den Test an diesem Vormittag noch keiner bestanden. Volker Büttner ist zufrieden: „Na bitte, da kann ich ja weiterfahren.“

Nicht alle Senioren, die sich noch regelmäßig ans Steuer ihres Autos setzen, sind noch so fit wie der Wuthenower. „Viele wollen einfach nicht wahrhaben, dass es nicht mehr so gut geht wie früher“, sagt Frank Zierke vom Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) in Neuruppin. Der ADAC hatte den Präventionstag „Generation 65plus“ am Donnerstag gemeinsam mit der Polizei organisiert. Landesweit gab es Verkehrskontrollen und Aufklärungsveranstaltungen speziell für ältere Autofahrer.

Der Stand der Polizei auf dem Neuruppiner Schulplatz ist den gesamten Vormittag über gut besucht. Immer wieder kommen Männer und Frauen vorbei, um kurz zu schauen, was das Ganze denn soll. Das Interesse ist groß, gerade bei Senioren. Peter Setzkorn ist eigentlich nur gekommen, um sein Fahrrad als zusätzlichen Diebstahlschutz mit einem Code versehen zu lassen. „Na vielleicht auch mal den Test machen?“, fragt Polizeihauptkommissar Holger Mende am Ende noch kurz. „Warum nicht?“, sagt Peter Setzkorn und legt los. Die Aufgaben meistert er sicher. „Ich war früher Kraftfahrer“, sagt der 65-jährige. Erfahrung am Steuer hat er also viel. Aber er ist sich durchaus bewusst, dass im Alter einiges schwieriger wird. „Es kommen ja auch immer wieder neue Vorschriften hinzu“, sagt er. Regelmäßig geht er zum Arzt und lässt prüfen, ob noch alle Sinne beieinander sind. Er will so lange Autofahren, wie er kann. „Aber wenn es nicht mehr geht, dann eben nicht.“

So fit und so einsichtig ist nicht jeder. Manche Männer haben schon Mühe mit dem einfachen Zahlenverbinden. „Das braucht ganz schön viel Konzentration“, sagt Holger Mende. Auch wenn es darum geht, die korrekte Zeigerstellung einer Uhr aufzuzeichnen. Auf dem lauten Schulplatz mit Zuschauern im Rücken kommt mancher schnell an seine Grenzen. Auch beim Autofahren kommen Reize von allen Seiten und trotzdem ist die ganze Zeit über höchste Konzentration nötig.

Laut Polizeistatistik nimmt die Zahl der Unfälle, die von älteren Autofahrern verursacht werden, seit Jahren zu. Im Bereich der Polizeidirektion Nord stieg sie von 2010 bis 2014 um mehr als 22 Prozent. Im vergangenen Jahr haben in den drei Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel Autofahrer die 65 Jahre oder älter waren insgesamt 1603 Unfälle verursacht.

Das heißt nicht unbedingt, dass die Rentner am Steuer zunehmend überfordert sind. Schließlich steigt durch den demografischen Wandel auch die Zahl der älteren Leute, die Auto fahren. Ganz natürlich steigt damit die Zahl der Unfälle.

Seniorenverbände kritisieren die Zahlen der Polizeistatistik oft als diffamierend. Sie fürchten, dass ältere Menschen zu Unrecht als schlechtere Autofahrer angeprangert werden. Ein Argument: Viele gleichen altersbedingten Schwierigkeiten mit ihrer großen Erfahrung aus.

Der ADAC lehnt verbindliche Fahrtüchtigkeitsprüfungen für Senioren deshalb auch ab, wie sie immer mal wieder diskutiert werden. Trotzdem bringt das Alter oft Einschränkungen mit sich, sagt Frank Zierke. Es gehe weniger darum, ob ältere Autofahrer vielleicht schneller verwirrt sind oder schlechter sehen als jüngere. „Aber viele Menschen haben mit zunehmendem Alter Probleme mit den Gelenken“, sagt ADAC-Mann Zierke. Da klappt der Schulterblick zum Beispiel nicht mehr, weil Rentner ihren Kopf kaum noch so weit zur Seite drehen können.

Dass viele Senioren das Gefühl haben, sicher unterwegs zu sein, und in keinen Unfall verwickelt werden, lässt Zierke nur bedingt als Argument gelten. „Das sagt nichts darüber aus, wie viele brenzlige Situationen sie vielleicht selbst verursachen“, sagt er. Vielleicht bekommen die Autofahrer gar nicht mit, dass sie andere in Gefahr bringen.

Die Rentner, die sich am Donnerstag auf dem Schulplatz informiert haben, waren sich bewusst, dass sie irgendwann Probleme bekommen könnten. Und genau darum ging es bei der Aufklärungskampagne zu allererste: Das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass jeder Fehler machen kann. Wann allerdings der Punkt erreicht ist, besser aufs Auto zu verzichten, muss trotzdem immer noch jeder für sich selbst entscheiden.

Von Reyk Grunow

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