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Ostprignitz-Ruppin Senioren fühlen Kandidaten auf den Zahn
Lokales Ostprignitz-Ruppin Senioren fühlen Kandidaten auf den Zahn
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00:19 18.06.2017
„Ich werde demnächst 80“, verriet Christa Brunnemann (4.v.r.) den Zuhörern. Dann dirigierte sie ihren Chor, der zur Eröffnung drei Lieder sang. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Wusterhausen

Etwas mehr als ein Vierteljahr muss noch vergehen, dann wird ein neuer Bundestag gewählt. Wer es von den Parteien im Wahlkreis 56 nach Berlin schafft, hat die Interessen seiner Wähler aus den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin sowie aus Teilen des Havellandes zu vertreten. Drei der Bewerber sind darin schon erfahren. Kirsten Tackmann (Linke), Dagmar Ziegler (SPD) und Sebastian Steineke (CDU) besetzen bereits Plätze im höchsten deutschen Parlament. Martin Wandrey (Bündnis 90/Grüne) und Andreas Hoffmann (FDP) treten erstmals an. Vier der fünf Genannten – SPD-Frau Dagmar Ziegler ließ sich entschuldigen – weilten am Mittwochnachmittag in Wusterhausen. Die Veranstalter vom Kreisseniorenbeirat hatten den AfD-Kandidaten Michael Nehls nicht eingeladen.

Die Treffen innerhalb der Brandenburgischen Seniorenwoche sind an der Dosse ebenso Tradition wie die entspannte Atmosphäre und Gastfreundschaft in der Begegnungsstätte von Pro Seniorenpflege. Dazu passte die musikalische Einleitung durch den Chor um Christa Brunnemann, Durchschnittsalter 75 Jahre und kein bisschen leise.

Die Politikerrunde bildeten v.l.: Kirsten Tackmann (Linke), Roman Blank (parteilos), Martin Wandrey (Bündnis 90/Grüne), Andreas Hoffmann (FDP), OPR-Landrat Ralf Reinhardt (SPD) und Sebastian Steineke (CDU). Quelle: Wolfgang Hörmann

Danach bekam es die Politikerrunde – OPR-Landrat Ralf Reinhardt und Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank vergrößerten den Kreis – mit einem politikinteressierten Publikum zu tun. Es diskutierte mehr als anderthalb Stunden lang über eine viel zu späte Rentenangleichung von Deutschland West und Deutschland Ost, versteckte Inflation, die gesundheitliche Versorgung auf dem flachen Land und Vergütungen nach dem Hartz-IV-Gesetz, das die Linke Kirsten Tackmann nicht zum ersten Mal als „Armut per Gesetz“ bezeichnete. In diesem Zusammenhang überraschte die Mitteilung von Landrat Reinhardt, dass es in seinem Verantwortungsbereich noch nie so wenig Leistungsbezieher wie aktuell gegeben habe.

Lebhaft gestritten wurde darüber, ab wann man von „Armut“ sprechen könne. Deutlich wurde: Menschen jenseits der 70 legen die Latte da erheblich höher als die Generationen danach.

Meinungen über eine „Landarztquote“ gingen auseinander

Einig war man sich schnell darüber, dass der gesundheitlichen Grundversorgung in der ländlichen Region bei den neu gewählten Bundestagsabgeordneten größte Aufmerksamkeit verdiene. Ob bei den Studierenden eine verpflichtende „Landarztquote“ hilfreich sein könnte, da wiederum gingen die Meinungen auseinander.

Einleuchtend war auch die Forderung von Sebastian Steineke nach pfiffigeren Konzepten im öffentlichen Personennahverkehr. Sie würden einer fortschreitenden Entvölkerung in den Prignitz-Kreisen, aber auch um Rhinow, Nennhausen, Friesack und Nauen entgegen wirken. „Wer mit dem Zug verlässlich in die Hauptstadt kommt, und vom Heimatbahnhof nach Hause, der kann sich auch vorstellen, hier zu wohnen“, war sich der CDU-Mann sicher. Man hörte kein Wort des Widerspruchs.

Klares Bekenntnis zum Leben in der ländlichen Region

Deutlich wurde am Mittwoch, dass die „alten Polithasen“ am Tisch im Strodehner Andreas Hoffmann, der ein klares Bekenntnis zum Leben in der ländlichen Region abgab, und dem erfrischend auftretenden Medizinstudenten Martin Wandrey aus Friesack ebenbürtige Kontrahenten als Nachbarn hatten. Besonders Wandrey trat selbstsicher und wortgewandt in Erscheinung. „Für den Bundestag wird es wahrscheinlich für mich nicht reichen“, gab sich der 24-jährige Sprecher der Bündnisgrünen Brandenburg realistisch. Der Diskussionsrunde aber hat sein Auftritt gutgetan.

Von Wolfgang Hörmann

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