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Sewekow will sich vor Betrügern schützen

Polizei gibt Tipps Sewekow will sich vor Betrügern schützen

Enkeltrick, Zetteltrick, Rempeltrick: Eine Stunde lang erfuhren Senioren, wie sie sich vor Betrügern und kriminellen Machenschaften schützen können. Die Polizistin Astrid Schölzel gab in Sewekow Tipps und brachte auch Herrn Blaschke mit. Der ist zu gutmütig – und das kostet ihn Tausende Euro.

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Die Polizistin Astrid Schölzel mit „Herrn Blaschke“ in Sewekow.

Quelle: Björn Wagener

Sewekow. Herr Blaschke ist ein netter älterer Herr, nur leider zu gutmütig. Das kostet ihn Tausende Euro. Alles weg, einfach so, nur weil er helfen wollte. Denn er fiel auf den Enkeltrick herein. Der ist nicht neu, aber bei Gaunern nach wie vor beliebt, weil lukrativ: Ein angeblicher Verwandter, meist der vermeintliche Enkel, ruft an („Rate mal, wer hier ist?“), schildert eine Notlage und will Geld, viel Geld, mehrere Tausend Euro, die er dann von einem „Freund“ abholen lässt, weil er selbst angeblich keine Zeit hat. Wie leicht diese Falle zuschnappen kann, zeigte Polizistin Astrid Schölzel am Mittwochnachmittag in Sewekow sehr lebensnah – mit Herrn Blaschke. So heißt eine Handpuppe im Seniorenstil, die auf diese Masche hereinfällt.

Damit das Ganoven im wahren Leben künftig nicht mehr gelingt, ist Astrid Schölzel im Landkreis unterwegs. Und mit Herrn Blaschke im Schlepptau geraten Präventionsrunden wie jene in Sewekow zeitweise fast zu kleinen Theaterstücken, bei denen aber niemals der ernste Hintergrund verloren geht. Denn es kann überall und jederzeit passieren: Zetteltrick, Rempeltrick, Glas-Wasser-Trick, Bankentrick, Enkeltrick, Handwerkertrick, ja sogar Beerdigungen wissen Gauner für sich zu nutzen. Astrid Schölzel ließ die Senioren in ein wahres Füllhorn krimineller Kreativität blicken.

Ganoven haben viele Tricks auf Lager

Eher simpel kommt der Rempeltrick daher: Das Opfer wird angerempelt und mitunter mit einem Eis oder ähnlichem beschmutzt. Während der Fremde dann bemüht ist, die Kleidung seines Opfers zu säubern, wird das Portemonnaie gestohlen. Beim Zetteltrick gibt der Gauner an der Haustür vor, dem Nachbarn, der gerade leider nicht zu Hause ist, eine Mitteilung schreiben zu wollen und bittet um Zettel und Stift sowie um Hilfe beim Schreiben, weil er nicht so gut Deutsch spricht. Während das Opfer also einen belanglosen Text aufschreibt, sucht ein Komplize nach Geld und Wertgegenständen in der Wohnung. „Die Diebe wissen genau, wie Schränke eingeräumt sind und wo etwas zu holen ist“, sagt Astrid Schölzel. Der Glas-Wasser-Trick funktioniert ähnlich. Beim Nachbar-Trick stellt sich ein vermeintlich neu zugezogener Nachbar vor, der seinem Opfer eine auf den ersten Blick glaubwürdig klingende Geschichte auftischt, die ein finanzielles Problem durchblicken lässt, etwa die kaputte Waschmaschine, deren Reparatur nicht bezahlt werden könne. Das Opfer legt dann das Geld aus. Schließlich hilft man sich unter Nachbarn.

Handtaschendiebstahl war in Sewekow ebenfalls ein Thema

Handtaschendiebstahl war in Sewekow ebenfalls ein Thema. Die Polizistin Astrid Schölzel zeigte den Gästen, wie eine Tasche getragen werden sollte.

Quelle: Björn Wagener

Beim Bankentrick geben sich Gauner als Bankmitarbeiter aus und behaupten, dass am Automaten Falschgeld ausgegeben worden sei, das nun zurückgeholt werden müsse. Schließlich wolle man ja verhindern, dass das zuvor ausgespähte Opfer womöglich Ärger bekommt, wenn es mit diesem Geld irgendwo bezahlt und sich dadurch strafbar macht. Beim Handwerkertrick geben sich Diebe als solche aus, um in die Wohnung zu gelangen und dort zu stehlen. Oder es werden Bauleistungen versprochen, die aber in sehr schlechter Qualität ausgeführt und am Ende viel teurer werden als zuvor ausgemacht worden war. Als „besonders schlimm“ bezeichnete Astrid Schölzel eine Beerdigungsmasche. Die Gauner informieren sich zunächst in Anzeigen, wo Bestattungen stattfinden und wie die Angehörigen heißen und wo sie wohnen. Während diese dann der Bestattung beiwohnen, wird in ihr Haus eingebrochen. Das ist für Diebe vor allem deshalb erfolgversprechend, weil oftmals Beileidskarten mit beigelegtem Geld zu finden sind, mitunter bereits im Postkasten. Besonders dreiste Täter rissen Angehörigen bei Beerdigungen auch schon teuren Schmuck vom Hals.

Die meisten Täter brechen über die Terrassentür ein

Eine Seniorin aus der Runde wollte wissen, ob ein Haustürschlüssel nach dem Abschließen innen abgezogen werden sollte oder nicht. „Eine schwierige Frage“, so die Polizistin. Denn Einbrüche ereigneten sich inzwischen meist am Tage, und die Täter kämen oft über die Hofseite und durch Terrassentüren (75 Prozent), weil die sich leichter aufhebeln lassen. In Einfamilienhäuser werde zudem am häufigsten eingebrochen (65 Prozent), im Gegensatz zu Mehrfamilienhäusern (35 Prozent).

Astrid Schölzel rät, Fremden an der Haustür immer misstrauisch zu begegnen, auch wenn das gerade älteren Menschen schwer falle, weil sie noch zur Hilfsbereitschaft erzogen worden seien und nicht gelernt hätten, Nein zu sagen. Wer keine Kette an der Tür hat, könne auch einfach einen Holzkeil unter die Tür schieben, um zu verhindern, dass sie aufgedrückt wird. Weitere goldene Regeln: Brieftaschen nicht in die Gesäßtasche oder in Handtaschen stecken und diese dann nicht auf dem Rücken tragen oder unbedarft über Stuhllehnen hängen.

Tipps der Polizei

Wer Gaunern auf den Leim gegangen ist oder verdächtige Beobachtungen gemacht hat, sollte nicht zögern, den Polizei-Notruf 110 zu wählen, betonte Astrid Schölzel in Sewekow.

Wem die EC-Karte gestohlen wurde, der sollte hingegen rasch  11 61 16 wählen. Dort melde sich zwar ein Automat, der vom Anrufer die Angabe von Namen, Adresse und Konto-Nummer verlange, jedoch müssten diese Angaben tatsächlich gemacht werden, um die Karte zu sperren.

In Geld- oder Versicherungsangelegenheiten sollte die Initiative zu neuen Geschäftsabschlüssen immer vom Betroffenen selbst ausgehen. Deshalb sollten auch niemals Unterschriften bei Haustürgeschäften geleistet werden.

Die Polizistin Astrid Schölzel ist speziell für die Verbrechensprävention im Einsatz. Handpuppen verwendet sie vor allem, um Situationen lebensnah darzustellen und damit die größtmögliche Aufmerksamkeit der Zuhörer zu gewinnen.

In Sachen Kaffeefahrten, bei denen den Reisenden Waren zu überhöhten Preisen verkauft werden, sei demnächst mit einem Gesetz zu rechnen, das diese Abzockfahrten verbietet.

Von Björn Wagener

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