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Sexualtäter scheitert mit seiner Berufung

Neuruppin Sexualtäter scheitert mit seiner Berufung

Ein 32-jähriger Perleberger ist vom Landgericht Neuruppin zu einer erneuten Haftstrafe verurteilt worden, weil er nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis Auflagen nicht eingehalten hat. Er nahm erneut Kontakt zu minderjährigen Mädchen aus sozial schwachem Umfeld auf.

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Justitia hat gesprochen.

Quelle: DPA

Neuruppin. Maik B. kann es nicht lassen: Immer wieder sucht der inzwischen 32-jährige Perleberger die Nähe zu minderjährigen Mädchen aus schwierigen Verhältnissen. Dabei sind ihm derartige Kontakte untersagt. B. weiß das – und er kennt auch den Grund: Er war 2007 wegen vier Fällen von schwerem sexuellen Missbrauchs an zwei Mädchen nicht allein zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Vielmehr sollte er nach seiner Entlassung im Januar 2011 fünf Jahre lang keinen Kontakt zu Mädchen unter 14 Jahren unterhalten.

Die Oma als einzige Konstante

Diese Auflage hat B. mehrfach missachtet. Das Amtsgericht Perleberg hatte ihn deshalb in zwei Verfahren, bei denen es zudem ebenfalls um Körperverletzung und Beleidigung ging, zu Haftstrafen von zwei Jahren und drei Monaten sowie zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Dagegen legte B. Berufung ein. Der Perleberger hoffte vor dem Landgericht Neuruppin auf ein milderes Urteil: Er will sich um seine Großmutter kümmern, die Krebs und wohl nicht mehr lange zu leben hat. „Sie ist meine einzige Bezugsperson. Ich würde mich gern um ihren Haushalt und die Friedhofsangelegenheiten kümmern“, sagte B. Dafür würde er alle Auflagen des Gerichts in Kauf nehmen.

Die Großmutter ist die einzige, mit der B. über Jahre eine stabile Beziehung hat, die auch bis heute hält. Denn B. kommt selbst aus schwierigen Verhältnissen. Seinen Vater hat er nur einmal getroffen, da war er zwölf. Aufgewachsen ist B. bei seiner alkoholkranken Mutter. Für sie brach er in fremde Keller und in Gartenlauben ein und stahl Alkohol, um ihre Zuneigung zu erfahren, sagte Gutachter Jens Köhler. Sei B. ohne Alkohol nach Hause gekommen, habe es Schläge gesetzt. Mal mit einem Gürtel, mal mit einem Glasfiberstab, mal mit einem Stuhl. „Die Mutter ist eine egozentrische und lieblose Frau“, so Köhler. So lange die Mutter mit ihren zwei Söhnen, der Bruder von B. ist zwei Jahre jünger, im Haus der Großeltern auf einem Dorf gelebt haben, schien eine normale Zukunft für B. möglich. Die Mutter habe zwar nie Urlaub mit den Kindern gemacht oder Ausflüge unternommen. Aber die Brüder fühlten sich auf dem Lande wohl. Selbst in der Schule gab es kaum Probleme. Zwar wechselte B. in der zweiten Klasse in eine Förderschule, doch dort war er in seiner Klasse der Beste und durfte zu Schulwettbewerben nach Schwerin, Hannover und Dortmund fahren.

Für die Mutter regelmäßig Alkohol gestohlen

Diese Entwicklung brach jäh ab, als die Mutter mit ihren Söhnen das Haus der Großmutter verlässt und sich als eine Art Mietnomadin durchschlägt. Da war B. 14 Jahre. Es folgen Kellereinbrüche, Diebstähle von Alkohol, Fahrrädern und Zigaretten. Deshalb muss B. auch seine Lehre als Maler und Lackierer abbrechen: Er muss eine Haftstrafe antreten. Als er volljährig wird, zieht B. zu seinem Bruder nach Perleberg. Das bezeichnet er selbst als Katas­trophe. Alkohol und andere Drogen bestimmen nun das Leben von B. Hinzu kommt seine Suche nach Nähe und Beziehung, die er fatalerweise bei jungen Mädchen sucht.

Die vierte kleine Strafkammer unter Richter Jörn Kalbow verurteilt B. am Mittwoch zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Richter Kalbow spricht davon, dass eine „empfindliche Strafe“ angebracht sei, weil B. „trotz einschlägiger Verurteilung“ in drei Fällen wieder Kontakt zu minderjährigen Mädchen aufgenommen habe und damit eine Gefahr darstelle. In einem Fall hatte B. sogar ein neunjähriges Mädchen bei sich übernachten lassen. Zwar kam es sowohl dabei als auch bei den zwei anderen von B. eingeräumten Kontakten zu keinerlei sexuellen Übergriffen, dennoch stellen sie einen Verstoß gegen die Auflagen des Gerichts dar.

B. muss auch weiterhin im Gefängnis bleiben, in dem er seit einem Jahr sitzt. Die Fluchtgefahr sei erheblich, so das Gericht. Zudem gibt es im April ein weiteres Verfahren. Dabei geht es erneut um die Missachtung des Kontaktverbotes zu jungen Mädchen.

Von Andreas Vogel

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