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Siegfried „sigpix“ Kerber ist Youtuber – mit 78

Wittstock Siegfried „sigpix“ Kerber ist Youtuber – mit 78

Siegfried Kerber aus Wittstock ist 78 und Youtuber mit Leib und Seele. Rund 30 Filme hat er bisher produziert. Überall, wo etwas los ist, ist er mit seiner Kamera nicht weit, um Einblicke zu geben und zu dokumentieren.

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Siegfried Kerber an seinem Bildschirm, auf dem seine Filme besonders gut zur Geltung kommen.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Sie hat wohl bald ausgedient. Die HD-Kamera von Sony ist zwar noch gut in Schuss, kann Siegfried Kerber aber nicht mehr recht begeistern. „Ich werde demnächst auf die neue 4K-Technik umrüsten“, sagt er. Das heißt: noch mehr Pixel, noch mehr Bild-Details. Siegfried Kerber geht mit der Zeit. Er hält seine Kameratechnik jung – und sie ihn. Der Wittstocker ist 78 Jahre alt, aber nur Spazierengehen oder auf Parkbänken sitzen, ist nichts für ihn. Lieber ist er Youtuber – und das mit Leib und Seele. Unter dem Namen sigpix hat er inzwischen rund 30 Filme für seinen Internetkanal produziert. Diverse Veranstaltungen, Stadtfeste, Tour de Prignitz, überall, wo etwas los ist, ist auch Siegfried Kerber nicht weit. „Ich muss nicht so nah herangehen wie ein Fotograf, kann oft von weitem alles heranzoomen und habe immer den Finger an der Wippe“, sagt er und meint damit den Schalter an der Kamera, um das Geschehen ganz einfach „zu sich zu holen“. Das habe den Vorteil, dass Menschen sich ganz natürlich geben und nicht verstellen, weil sie gar nicht merken, dass sie gefilmt werden.

Siegfried Kerber

Siegfried Kerber

Quelle: Björn Wagener

Obwohl Siegfried Kerber auch nichts dagegen hat, wenn seine Protagonisten ein wenig mit der Linse kokettieren, so halte er sich doch meist etwas im Hintergrund. „Ich schaue mir alles genau an, wie ein Luchs. Dann geht’s los, und ich halte drauf. Man entwickelt natürlich ein Auge dafür.“

Zu Hause beginnt die Arbeit

Doch das Filmen ist nur die halbe Miete. Wenn er von seinen Ausflügen nach Hause kommt, beginnt erst die eigentliche Arbeit. Sein Schlafzimmer ist gleichzeitig auch sein Studio. Denn das Material muss ja noch in Form gebracht werden. Geduldig erklärt der Senior am Laptop die Arbeitsschritte, wie einzelne Clips geschnitten werden und sich schließlich zu einem fließenden Film zusammenfügen. „So sieht es aus, wenn ein Film geboren wird“, kommentiert der Senior sein Tun. Auch muss das Material mit Ton unterlegt werden. Doch Vorsicht: Einfach die Musik, die auf den Veranstaltungen gespielt wird, für die Filme zu benutzen, sei aus lizenzrechtlichen Gründen nicht möglich. Deshalb bedient sich Siegried Kerber aus dem Fundus, den Youtube kostenfrei zur Verfügung stellt. Nur wenn keine Musik spielt, lässt er auch mal den Originalton zu.

Nach dem Filmen beginnt die eigentliche Arbeit

Nach dem Filmen beginnt die eigentliche Arbeit: Schneiden, Musik auswählen und und und.

Quelle: Björn Wagener

„Man muss sich möglichst breit aufstellen, um wahrgenommen zu werden“, erklärt der Youtuber. Deshalb habe er sich auch verlinkt und erlaube es anderen Nutzern, sein Material auf deren Seiten „einzubetten“. So interessierten sich inzwischen auch Tourismusvereine und Kommunen für seine Aufnahmen. Als die Gemeinde Heiligengrabe jüngst zur Siegesfeier kurz nach der Tour de Prignitz lud, gehörte auch Siegfried Kerber zu den Unterstützern, denen Bürgermeister Holger Kippenhahn dankte.

Schon immer Interesse an Fotografie

Für Fotografie interessierte sich Siegfried Kerber schon immer. Lange Zeit griff er nur für den Hausgebrauch zur Kamera. Das änderte sich 2011. Da entstand sein erster öffentlicher Film. Und der war mit mehr als 3000 Klicks auch sein bisher erfolgreichster. „Bei einem historischen Spektakel in Wittstock saßen die Schützen mit ihren Gewehren in drei Reihen auf dem Marktplatz. Der Stadtkommandant rief: Wo ist der Bürgermeister? Dann begannen sie zu schießen, und ich stand mittendrin und filmte alles, denn es gab keine Absperrung“, erinnert sich der Youtuber an diesen besonderen Moment.

Er sei der Auslöser gewesen, sich näher mit der Filmproduktion und Veröffentlichung im Internet zu beschäftigen. Dass es nicht immer so aufregend zugeht und manche seiner Filme deshalb auch nur 40 oder 50 Klicks erreichen, stört Kerber nicht. Denn er wolle keinen Sensationen nachjagen. Vielmehr gehe es ihm um die Dokumentation von regionalen Höhepunkten. „Das ist einfach mein Ding. Und dabei bleibe ich. Wenn man sich für etwas entschieden hat, dann muss man es auch durchziehen.“ Manchmal müssen es gar nicht die großen, öffentlichen Feste sein. Einmal habe er die Hochzeit eines Paares aus der Nachbarschaft gefilmt und den beiden dann das Werk geschenkt. „Sie haben sich sehr darüber gefreut“, berichtet der Senior, dessen Filmbearbeitungskenntnisse ihm auch schon Nachfragen von Urlaubsfilmern eingebracht hätten, die ihr Material gern bearbeitet haben wollten.

Siegfried Kerber malt auch gern

Den modernen bewegten Bildern setzt Siegfried Kerber aber ebenso gern auch ganz traditionelle entgegen. Bleistiftzeichnungen von Wittstocker Stadtansichten und Seefahrer-Motive mag er am liebsten. „Ich bin früher zur See gefahren“, erzählt er. Unzählige Pinsel und Stifte stehen jederzeit bereit, um das nächste Projekt anzugehen. „Dafür brauche ich etwa ein Wochenende“, sagt der Wittstocker und deutet auf eine der vielen akkuraten Zeichnungen. Wann er wieder einmal zu seinen Mal-Utensilien greift? Am 24. und 25. Juni jedenfalls nicht. Da wird auf der Plattenburg ein mittelalterliches Spektakel gefeiert – und Siegfried Kerber ist natürlich mit der Kamera dabei.

Von Björn Wagener

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