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Sielmann-Stiftung öffnet Bombodrom weiter

Ehemalige Schießplatzfläche Sielmann-Stiftung öffnet Bombodrom weiter

Die Sielmann-Stiftung öffnet die ehemalige Schießplatzfläche Bombodrom ein Stück mehr für Touristen. Zurzeit dürfen Besucher lediglich mit dem Kremser in die Heide. Eine Freigabe für Radler und Wanderer ab 2016 ist im Gespräch - aber noch lange nicht entschieden.

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Projektleiter Lothar Lankow kennt die Besonderheiten der Heide.

Quelle: Christian Schmettow

Neuglienicke. Zwischen Pfalzheim und Schweinrich gibt es mehr zusammenhängende Heidefläche als in der Lüneburger Heide. Der Projektleiter Lothar Lankow von der Sielmann-Stiftung macht klar, welch ein Schatz für den Tourismus sich auf dem ehemaligen Bombodrom-Gelände der Roten Armee entwickelt hat. Einziger Schönheitsfehler: Wenn man vom Weg abweicht, kann man in die Luft fliegen.

Illegale Motocross-Fahrer spielen mit dem Leben

Vor allem im nördlichen Teil liegen russische Clusterbomben im Boden, tennisballgroße grüne Aluminiumkugeln gefüllt mit Stahlkugeln und Sprengstoff. „Die sieht man nicht, bevor man drauftritt“, warnt der Feuerwerker. Illegale Motocross-Fahrer auf dem Bombodrom-Gelände sind nach wie vor eines der größten Probleme der Sielmann-Stiftung. Man erwischt sie nicht, doch die Motorradfahrer spielen auf dem munitionsverseuchten Gelände mit ihrem Leben.

Sicher ist es dagegen inzwischen auf zwölf Kilometern sandiger Wege im Süden der Kyritz-Ruppiner Heide. Herkules und Tequila fallen in einen munteren Trab, als sie die offene Landschaft erreichen. Die beiden polnischen schweren Warmblüter ziehen den mehr als eine Tonne schweren Kremser mit Leichtigkeit durch den Sand. Die Heide ist noch braun, doch dazwischen blüht leuchtend gelb der Ginster.

Ab Oktober dürfen Touristen auf das Gelände

Auf einer Pressefahrt stellte die Sielmann-Stiftung gestern die künftigen Möglichkeiten für den Heide-Tourismus vor. Mit einer Ausnahmegenehmigung dürfen nicht nur Fuhrunternehmen künftig ohne Feuerwerker zwischen Neuglienicke, Pfalzheim und Rossow mit zahlenden Gästen unterwegs sein (die MAZ berichtete). Auch zu Fuß wollen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und die Sielmann-Stiftung ab Oktober Touristen auf das Gelände lassen – allerdings nur mit geführten Touren.

Fahrradfahrer und individuelle Wanderer dürfen möglicherweise ab 2016 unbegleitet aufs ehemalige Bombodrom. Grenzpfähle zeigen ihnen dann, bis wo es sicher ist.

Feuerwehr und Rettungswagen dürfen nicht aufs Gelände

Der Vorstand der Sielmann-Stiftung, Michael Beier, dämpft aber die Erwartungen: Sicher sei die Freigabe für Wanderer und Radfahrer bisher noch nicht. Nicht nur durch Munition droht Wanderern Gefahr auf dem riesigen Gelände. Sie können sich ohne Führer auch grandios verlaufen. Wer sich dann am Sonntag beim Pilzesuchen in einem Erdloch ein Bein bricht und mit viel Glück nicht nur ein Handy dabei hat, sondern auch noch Empfang, auf den warten Stunden, die er lange nicht vergessen wird: Feuerwehr und Rettungsdienst dürfen das Gelände nach wie vor nicht befahren oder betreten. Also muss erst ein Feuerwerker aus Potsdam gerufen werden.

Bis der eintrifft, kreist erst der Kolkrabe über dem Verletzten, dann der Schreiadler, und vielleicht schaue auch noch der Wolf vorbei, alle mit dem Gedanken: „Sieht gut aus. Könnte Aas werden“, sagt Jürgen Strache, der Kutscher vom Kremserhof Zermützel. Und wenn der Tourist endlich gefunden und gerettet sei – womöglich per Hubschrauber, dann komme vier Wochen später eine Rechnung, die er sein Lebtag nicht vergisst. Verglichen damit seien ein trockener Platz auf seinem Kremser (23 Euro für zwei Stunden inklusive Picknick) gut angelegtes Geld.

Offiziell fährt Jürgen Strache seit drei Jahren Touristen „meist über 60“ durch die Heide. Für die Bürgerinitiative Freie Heide war er aber schon viel früher mit der Kutsche auf dem Bombodrom-Gelände. Beim ersten Mal galt es, möglichst lautlos und von der Bundeswehr unbemerkt eine Protest-Säule auf den Schießplatz zu transportieren. Bei der ersten offiziellen Fahrt habe der damalige Kommandant Wolfgang Engel dann in Kampfmontur noch Straches Beifahrer angeherrscht, dass der auf dem Militärgelände nicht fotografieren dürfe. Beim zweiten Mal habe Engel dem Kremser schon salutiert.

So ändern sich die Zeiten. Fürs Fotografieren soll es in Zukunft sogar einen Aussichtsturm geben.

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