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Sieversdorfer Filmtiere im Frost

Winter manchmal unwillkommen Sieversdorfer Filmtiere im Frost

Der Winter ist für die Filmtierschule in Sieversdorf und für ihre Bewohner eine eher ruhige Zeit. Filmproduzenten halten sich zurück und auch die Live-Shows beginnen erst wieder um Ostern herum. Frost und Schnee sind für einige der Tiere jetzt sowieso Herausforderung genug.

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Viel mehr als Eis und Schnee interessieren Hyänenmännchen „Massai“ die Leckerbissen von Gerhard Harsch.

Quelle: Alexander Beckmann

Sieversdorf. Mit weit über zwei Metern Stehhöhe und schwarz-gelben Streifen im Pelz kann man sich Gelassenheit leisten – auch wenn’s hundekalt ist. Tiger „Amba“ zieht ganz in Ruhe seine Runden durch das verschneite Gehege in der Tierfilmschule Sieversdorf bei Neustadt. Ihm als echtem Sibirier macht so ein bisschen Frost nichts aus.

Tiger „Ambra“ interessieren die frostigen Temperaturen nicht

Tiger „Ambra“ interessieren die frostigen Temperaturen nicht.

Quelle: Alexander Beckmann

Aber nicht jeder in Sieversdorf ist so hart im Nehmen. Seit 2001 stellen Gerhard Harsch und seine Familie mit ihrem Unternehmen Tiere für Film, Fernsehen und Werbung zur Verfügung. Längst kennen sie die Bedürfnisse ihrer Schützlinge ganz genau, auch wenn echte Exoten darunter sind. „Die Tiere kommen alle gut über den Winter“, versichert Gerhard Harsch. Doch beim Wie gebe es ganz gewaltige Unterschiede.

Und die eine oder andere Überraschung. Beispielsweise von typischen Afrikanern wie Löwe und Hyäne. Die beiden Arten sind in Sieversdorf ebenfalls vertreten. Ganz so frostsicher wie „Amba“ mögen sie nicht sein, aber im Grunde können auch sie jetzt den ganzen Tag im Freien verbringen. Ab und an ein geschütztes Plätzchen reicht ihnen aus.

Frisch geschlüpft mit Starpotenzial

Frisch geschlüpft mit Starpotenzial: der asiatische Otter.

Quelle: Alexander Beckmann

Für Gerhard Harsch liegt die Erklärung auf der Hand: „Vor 10 000 Jahren hatten wir in Europa eine fette Eiszeit. Und da haben Löwen und Hyänen hier nachweislich noch Wisente und Mammuts gejagt.“ Erst die folgenden Veränderungen von Klima und Landschaft hätten die Arten nach Süden abgedrängt. „Man weiß auch, dass Hyänen und Löwen ein richtig dickes Unterfell entwickeln können. In Afrika machen sie das aber nicht.“

Ähnliches gelte für viele Großkatzen. „Fleischfresser sind gegen Kälte relativ unempfindlich“, weiß Harsch. „Bloß ihr Futterbedarf ist deutlich höher.“ Rund ein Drittel mehr Fleisch als im Sommer darf es schon mal sein.

Bei den Katzen kommen bloß die Geparde nicht so mit der Kälte zurecht und beschränken sich derzeit auf wenige Stunden Auslauf pro Tag. Die High-Speed-Jäger waren nie in Europa heimisch. „120 Kilometer pro Stunde bei Glatteis kann man sich auch kaum vorstellen“, sagt Harsch halb im Scherz.

Erdmännchen sind echte Frostbeulen und dürfen derzeit drinnen bleiben

Erdmännchen sind echte Frostbeulen und dürfen derzeit drinnen bleiben.

Quelle: Alexander Beckmann

Das gegenteilige Extrem zur den aktiven Katzen repräsentieren die Reptilien und Amphibien. Von denen ist in der Filmtierschule aktuell fast gar nichts zu sehen. Einheimische Arten wie Laubfrosch, Ringelnatter und europäische Sumpfschildkröte genießen im Keller ihren Winterschlaf. Nur ein paar Exoten wie die südamerikanische Köhlerschildkröte demonstrieren deutlich mehr Winterfestigkeit – in dem Fall aber eher unabsichtlich: Das Tier kennt den Winter gar nicht und macht einfach so weiter wie sonst. Drinnen natürlich, im Terrarium bei bis zu 28 Grad. Fürs Showgeschäft ist das richtig praktisch: Mit europäischen Arten wäre um die Jahreszeit schlicht nichts anzufangen. Und dann müsste beispielsweise die Berliner Schaubühne jetzt auf den regelmäßigen Auftritt des gepanzerten Reptils bei ihren Aufführungen von „Der geteilte Himmel“ verzichten.

Weitgehend abgetaucht sind dieser Tage die sonst so quirligen Waschbären, obwohl sie an Kälte durchaus angepasst sind. Sie halten keinen echten Winterschlaf, sondern Winterruhe, erklärt Astrid Harsch. „Die haben sich im Herbst dick und rund gefressen. Wenn’s richtig kalt ist, dann kommen sie tagelang nicht aus ihrem Unterschlupf.“ Wird’s zwischendurch etwas milder, werden die Waschbären wieder munter und füllen sich die Mägen aufs Neue. Sicher ist sicher.

Von so viel winterlicher Gelassenheit können die Erdmännchen nicht mal träumen. Ruhe ist sowieso nicht ihr Metier. Dafür frieren sie als klassische Savannenbewohner umso schneller. „Das sind die Mega-Frostbeulen“, sagt Gerhard Harsch. Ehefrau Astrid ergänzt: „Die lassen wir erst bei 18, 20 Grad wieder raus, wenn sie sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen können.“ Bis dahin tut’s ersatzweise auch ein schön heißes Heizungsrohr im Gehege.

Die  südamerikanische Köhlerschildkröte kennt den Winter nicht und macht deshalb einfach weiter wie sonst

Die südamerikanische Köhlerschildkröte kennt den Winter nicht und macht deshalb einfach weiter wie sonst.

Quelle: Alexander Beckmann

Dank dichten Fells nicht ganz so durchgefroren, aber trotzdem zur falschen Zeit am falschen Ort fühlen sich noch andere Bewohner der Filmtierschule. „Die asiatischen Fischotter kapieren gar nicht, was Winter ist“, schätzt Gerhard Harsch ein. „Die kennen gar keine Jahreszeiten. Die haben jetzt sogar Junge.“ Während die Eltern auch bei Frost noch zeitweise draußen herumwuseln, brauchen es die fünf Kleinen drinnen unbedingt schön warm. Ende November geboren, haben sie zwar gerade erst die Augen geöffnet, aber mit Plüschfell und extremem Knuddelfaktor schon jetzt das Zeug zu echten Filmstars.

Das muss noch warten. Der Winter ist für die Filmtierschule und ihre Bewohner eine eher ruhige Zeit. Filmproduzenten halten sich zurück und auch die Live-Shows in Sieversdorf und im Filmpark beginnen erst wieder um Ostern herum.

Astrid und Gerhard Harsch haben mal Zeit, sich um Dinge zu kümmern, für die sonst die Muße fehlt. Für sie ist zum Beispiel das Volksbegehren gegen Massentierhaltung so eine Sache. „Für die Haltung von Zootieren gibt’s die schärfsten Richtlinien, aber bei anderen Tieren nicht. Das ist doch verrückt“, findet Gerhard Harsch. Er und seine Frau hoffen auf ein Umdenken und versuchen derweil, es den eigenen Schützlingen so artgerecht wie möglich zu machen.

Kontakt: Mehr Informationen zur Filmtierschule gibt es im Internet unter www.filmtierschule-harsch.de.

Von Alexander Beckmann

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