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Silvesterauftakt mit Kammersymphonie Berlin

Rheinsberg Silvesterauftakt mit Kammersymphonie Berlin

Seit fast 20 Jahren eröffnet die Kammersymphonie Berlin am Silvestertag mit einem Nachmittagskonzert die Feierlichkeiten zum Jahreswechsel: im stets ausverkauften Schlosstheater.Dieses Mal brillierten die Streicher um den charismatischen Dirigenten Jürgen Bruns mit Mozart und Janacek sowie einer Uraufführung.

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Jürgen Bruns dirigiert mit einem Höchstmaß an Emotion.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Silvester feiern, ohne sich vorher im Konzert in beschwingte Stimmung versetzen zu lassen? Für viele Rheinsberger undenkbar. Auch das diesjährige Silvesterauftaktkonzert im Rheinsberger Schlosstheater war wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. In schöner Tradition spielt hier seit mehr als 15 Jahren die Kammersymphonie Berlin um den dynamischen Dirigenten Jürgen Bruns. „Bald sind es Jahrzehnte, dass wir hier am Silvestertag spielen dürfen“, eröffnet der das Konzert und verspricht „einen bunten Strauß Musik“ – der mit dem Titel „Charme und Schmäh“ überschrieben ist. Was wäre passender, als in solchem Fall mit Mozart, dem Salzburger Wunderkind, zu eröffnen: jeder im Saal kennt „Eine kleine Nachtmusik.“

Das Schlosstheater war ausverkauft

Das Schlosstheater war ausverkauft.

Quelle: Regine Buddeke

Schon hier eröffnet sich die ganze Bandbreite des Streicher-Ensembles, das am Silvestertag aus zwölf Musikern besteht. Ob Zufall oder nicht – es ist eine schöne Allegorie auf die verstrichenen zwölf Monate. Mal schwärmerisch-zärtlich, mal getragen-elegisch, mal hüpfend-kokett, mal wild-furios erfüllen die Noten den Saal. Jede scheint direkt aus dem Taktstock des Mannes zu strömen, der das Dirigat inne hat – so sehr geht Jürgen Bruns mit der Musik mit: die Hände schweben, der Körper ist in alle Richtungen gespannt, die Haare fliegen, manchmal hüpft er gar in die Höhe. Er lockt und wirbt, drängt und treibt – mal mit feinster Nuance, mal feurig-leidenschaftlich. Mal lächelnd, mal beschwörend, mal mit gerunzelter Stirn. Jede Emotion spiegelt sich – eine Freude ihm zuzusehen. Und eine Freude zu hören, wie die Musiker darauf eingehen.

Viel Fingerspitzengefühl

Viel Fingerspitzengefühl: Jürgen Bruns.

Quelle: Regine Buddeke

Nach Mozart kommt ein wenig bekannter und selten gespielter Komponist: Leos Janacek. Das hat seinen Grund, erklärt Bruns. Der Komponist – für ihn einer der ganz Großen – sei sehr eigenwillig und habe sich oft selbst im Weg gestanden. Ein Bassklarinettist habe sich einst bei ihm beklagt, dass eines seiner Stücke Noten enthalte, die sein Instrument gar nicht hergebe. Was er denn tun solle? „Die Noten spielen“, habe Janacek geantwortet. Prompt beschwert sich der Solobratschist über dasselbe Problem – dann erklingt die Streicher-Suite. „Sie haben es gehört – wir haben die meisten Noten gefunden“, scherzt Bruns nach dem rauschenden Applaus für die bravouröse Ensemble-Leistung. Die Kammersymphonie Berlin, die sich 1991 aus Musikern von vier namhaften Berliner Orchestern gründete, hat es sich auf die Fahnen geschrieben, hochkarätige, aber selten gespielte Werke aufzuführen – darunter auch immer wieder Uraufführungen.

Jeder der Musiker war hochkonzentriert

Jeder der Musiker war hochkonzentriert.

Quelle: Regine Buddeke

Solch eine gibt es auch am Sonntag auf die Ohren: den „Orient Express“ des zeitgenössischen Komponisten Marko Muni Mihevc. „Ein 15-Minuten-Stück, beginnend wie der legendäre Zug in Paris – es endet im Balkan. Den zweiten Teil der Reise gibt es dann nächstes Jahr“, verspricht Bruns. Wer den ersten gehört hat, wird sich den zweiten nicht entgehen lassen wollen. Das Stück ist grandios – es beginnt mit einem französischen Walzer im Montmartre, dann heißt es Vorsicht an der Bahnsteigkante und der Zug setzt sich langsam stampfend und ächzend wie eine Dampflok in Bewegung, nimmt Fahrt auf – man hört das immer raschere Schwellenrattern, das die Musiker virtuos wiedergeben. Die Geigen steigern sich in Raserei wie beim Hummelflug – man sieht, wie die Landschaften im rasenden Wechsel dahinrauschen. Dann ein Motiv von „Mein Hut, der hat drei Ecken“ – man ist in Venedig. Bruns hat es zuvor erklärt – das beliebte Kinderlied wurde einst beim Venezianischen Karneval an jeder Ecke gepfiffen. Danach glaubt man gezupfte Mandolinen zu hören – auf zur romantischen Fahrt in der Gondel, bevor der Orient-Express wieder gen Osten rattert und am Balkan endet – mit feurigem Tanz. Das Publikum ist aus dem Häuschen. Und wird es noch mehr, als der „bunte Strauß Musik“ mit Strauß ins Finale geht: zuerst „Wiener Blut“ des Sohnes – dann die Damen-Souvenir-Polka des Vaters Johann Strauß. Die Silvesterparty kann kommen.

Von Regine Buddeke

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