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Ostprignitz-Ruppin Singend am Ruppiner See
Lokales Ostprignitz-Ruppin Singend am Ruppiner See
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02:16 09.11.2015
Der Kurs „Citronenfalter“ hat sich beim Singen mit Tanz und Bewegung beschäftigt. Quelle: Peter Geisler
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Gnewikow

So schön kann Obst klingen: „Mango, Mango, Mango, Mango, Mango, Kiwi-Kiwi, Ananas, Banane, Ananas!“ Der Kurs für altersgerechte Stimmbildung legt Musik und Seele in jedes besungene Früchtchen. Die Augen der Grundschulkinder strahlen.

Am Donnerstag endete in Gnewikow die elfte Berlin-Brandenburgische Kinderchorwerkstatt. Schulchöre aus Potsdam-Mittelmark und aus dem Barnim waren ebenso vertreten wie aus dem Land Berlin. Nur aus dem Heimatkreis Ostprignitz-Ruppin, in dem das Jugenddorf Gnewikow liegt, hatte sich keine Schule beworben.

Mango, Kiwi, Ananas und Banane dienen hier der Stimmbildung. Quelle: Geisler

Wenn 150 Kinder- und Lehrerstimmen zu einem Klangkörper werden, dann ist das ein gewaltiges Gemeinschaftserlebnis. Davon ist am Donnerstag in Gnewikow viel zu spüren. „Das ist vielleicht nicht bühnenreif, aber wir zeigen, was wir gelernt haben“, sagt Hans-Peter Schurz zur Schlusspräsentation.

Der 73 Jahre alte Chorleiter, Dirigent und Hochschullehrer aus Neuruppin hat 2007 die Kinderchorwerkstatt ins Leben gerufen. Schurz war 2006 mit seinem Märkischen Jugendchor bei einem Wettbewerb in Kiel. Dort waren auch Kinderchöre – aber kein einziger aus dem Land Brandenburg. „Ich fuhr betrübt nach Hause“, erinert sich der Chorleiter. Im Landesmusikrat stellte er die Frage, ob die Schulchöre in der Krise seien.

Die Antwort war die Kinderchorwerkstatt. Die erste fand noch im alten Olympischen Dorf in Elstal statt, seitdem treffen sich die jungen Sänger und (in der Mehrzahl) Sängerinnen im Jugenddorf Gnewikow. Das gehört der DKB-Stiftung, Hauptsponsor der Chorwerkstatt neben dem brandenburgischen Bildungsministerium. Für die Teilnehmer kosten die drei Tage mit Unterkunft, Verpflegung und Unterricht dank der Sponsoren insgesamt nur 35 Euro – dafür wird aber auch hart gearbeitet. Um 7.30 Uhr ist Frühstück, eine gute Stunde später beginnt der Unterricht und das gemeinsame Singen in fünf verschiedenen Kursen. Die sind gemäß dem ABC eingeteilt in „Ameisen“, „Bienen“, „Citronenfalter“, „Dachse“, ..

Neben Stimmbildung gibt es Musik und Tanz oder internationale Folklore. Schurz selbst unterrichtet Kanon, Quodlibet und A-capella, für Rock und Pop ist der ehemalige Fehrbelliner Grundschulleiter Detlev Kikel zuständig. Der fröhliche Rentner mit Gitarre steht sonst selbst mit der Band „Fireball“ auf der Bühne. „Wild and free“, singt sein Kurs, und in den Refrain dürfen alle 150 Kinder mit einstimmen.

Singen lernen kann man nicht in drei Tagen. Aber die Schüler gehen mit Inspiration und einem großen Motivationsschub nach Hause. Juliana Bendandi leitet den Chor an der evangelischen Schule in Berlin-Neukölln. Ihre Schülerinnen waren zum ersten Mal dabei uns verlassen Gnewikow nun voller Enthusiasmus: Sie wollen nun unbedingt „Give it up“ singen und zwei drei weitere Lieder, die sie am Ruppiner See gelernt haben. Die Chorleiterin stellt das vor Probleme, denn eigentlich stehen Proben für ein Musical an und das Weihnachtsprogramm – die Schüler singen zur Adventszeit in Krankenhäusern. Doch wenn sie mit den neuen Liedern bis Januar wartet, ist die Begeisterung vielleicht verraucht. Es wird beides gehen müssen: „Give it up“ und „Oh, Du Fröhliche“.

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Deutschen Musikrates, Ulrike Liedtke, setzt sich derzeit für mehr musikalische Bildung bei brandenburgischen Kindern ein. vor kurzem verteilte sie 630 Glockenspiele an 42 kleine Kindertagestätten im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (die MAZ berichtete).

Von Christian Schmettow

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