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Bizarre Posse um Chefposten spitzt sich zu

Sitzung im Amt Temnitz eskaliert Bizarre Posse um Chefposten spitzt sich zu

Der Streit um die Temnitz-Amtsdirektorin Susanne Dorn wird immer heftiger. Jetzt ist eine Sitzung lautstark geplatzt, in der eigentlich über die erneute Ausschreibung eines Chefpostens entscheiden werden sollte. Stattdessen überhäuften sich Bürger und Lokalpolitiker stundenlang mit Vorwürfen.

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Amtsdirektorin Susanne Dorn sagt zu den Vorwürfen von Thomas Voigt, dem Vorsitzenden des Amtsausschuss, nichts mehr, weil deshalb die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Quelle: Reyk Grunow

Werder. Die Diskussion um die künftige Verwaltungsspitze im Amt Temnitz nimmt immer bizarrere Formen an. Am Mittwochabend musste die Sitzung des Amtsausschusses in Werder aufgelöst werden. Im Streit mit Thomas Voigt, dem Vorsitzenden des Amtsausschusses, lehnten fünf der neun anwesenden Mitglieder die komplette Tagesordnung der Sitzung ab.

Mehr als 100 Bürger aus dem gesamten Amtsbereich waren nach Werder gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Dabei konnte der am heftigsten umstritten Punkt ohnehin nicht beraten werden, weil die Kommunalaufsicht Bedenken hat. Die Gemüter kochten hoch: Die Sitzung wurde zu einem stundenlangen Streit zwischen Bürgern und Ausschussmitgliedern.

Hauptstreitpunkt: Soll Amtsdirektorin Susanne Dorn weitere acht Jahre die Verwaltung im Amt Temnitz leiten? Oder sucht das Amt einen neuen Verwaltungschef? Ende Januar hatte der Amtsausschuss sehr knapp gegen die Verlängerung der Stelle und für eine Ausschreibung gestimmt. Susanne Dorn empfindet das offenbar als Ohrfeige nach sieben Jahren als Leiterin der Verwaltung. Sie erklärte daraufhin, bei einer erneuten Ausschreibung der Stelle nicht noch einmal zu kandidieren. Der Amtsausschussvorsitzende Thomas Voigt hatte zuvor harte Vorwürfe gegen Susanne Dorn erhoben.

Mehrere Bürgermeister werfen Voigt das Missachten von Absprachen vor und wollen ihn als Vorsitzenden des Amtsausschusses abwählen. Voigt weigerte sich jedoch, diesen Antrag am Mittwoch auf die Tagesordnung zu setzen. Temnitzquells Bürgermeister Johannes Oblaski und Walslebens Bürgermeister Burkhard Gammelin hatte dafür kein Verständnis und verlangten aufgebracht und lautstark eine Erklärung. Mehrfach versuchte Thomas Voigt Oblaski zur Ordnung zu rufen. Doch der ließ sich nicht stoppen. Schließlich gab Thomas Voigt nach: Bei der nächsten Sitzung des Amtsausschusses werde der Punkt auf der Tagesordnung stehen, sagte er zu.

Dass es diesmal nicht gekappt haben, sei auch Schuld der Amtsdirektorin. Die habe ihm zur Unterschrift eine Tagesordnung ohne diesen Punkt vorgelegt. Das wollte Susanne Dorn so nicht stehen lassen. Das Amt habe eine Tagesordnung mit und eine ohne den Punkt aufgestellt, räumte sie ein. Aber nur, weil Thomas Voigt schon vorher erklärt habe, er werde die mit dem Abwahlantrag gegen sich auf keinen Fall unterschreiben. Nur so viel sagte Thomas Voigt dazu: „Für mich ist erstmal wichtig, die Ausschreibung auf den Weg zu bringen.“

Gemeint war die Ausschreibung der Stelle des Amtsdirektors oder der Amtsdirektorin. Die stand am Mittwoch tatsächlich auf der Tagesordnung – aber auf der für den nichtöffentlichen Teil der Sitzung. Das hatte die Kommunalaufsicht vorab moniert: Der Amtsausschuss muss darüber öffentlich abstimmen – ein Formfehler. Weil der aber so kurzfristig nicht zu ändern war, hätte der Amtsausschuss am Mittwoch gar nicht beschließen dürfen.

Wenn bei all den Beschimpfungen und Bezichtigungen eines klar wurde, dann das: Das Amt Temnitz ist tief gespalten. Während etliche Bürger Susanne Dorn als Chefin der Verwaltung behalten wollen, wird sie von anderen mit Beschuldigungen überhäuft. Von mangelhafter Personalführung war die Rede und von angeblich manipulierten Protokollen. Nur Susanne Dorn blieb ruhig. Eckhard Hennig, früher Amtsleiter im Walsleben, warf ihr „Vorteilsnahme“ vor, weil sie früher mit Mitgliedern des Ausschusses über die Wahl gesprochen haben soll.

Enno Rosenthal aus Darritz-Wahlendorf platzte der Kragen: „Wenn man die Diskussion verfolgt, muss man sich ein bisschen schämen.“ Warum hat der Amtsausschuss Susanne Dorns Stelle nicht verlängert?, wollte er wissen: Was werfen ihr die Kritiker vor? Eine klare Antwort bekam er nicht. Rosenthal wollte auch wissen, was am Gerücht dran sei, dass Rheinbergs früherer Bürgermeister Jan-Pieter Rau als Amtsdirektor „installiert werden soll“. Nichts, versicherte Voigt.

„Ich kommt wir vor, wie in einer Gerichtsverhandlung, wo über eine Person geurteilt wird“, echauffierter sich der CDU-Kreistagsabgeordnete Erich Kuhne aus Dabergotz und griff den Amtsausschuss an: „Ich frage mich, ob Sie überhaupt noch wissen, worum es hier geht. Man sollte Sie alle in einen Raum sperren, bis Sie sich einigen.“ Auch der Landratskandidat Sven Deter (CDU) war nach Werder gekommen. Er hörte sich das Ganze eine Weile an und ging dann lange vor dem Schluss. Nach rund zwei Stunden zog Voigt die Reißleine und beendete die Sitzung. Der gesamte Amtsausschuss muss wiederholt werden. Wann, das ist noch offen.

Von Reyk Grunow

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