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So digital sind unsere Rathäuser

Neuruppin/ Pritzwalk So digital sind unsere Rathäuser

Eine große Vielzahl der Deutschen wünscht sich mehr digitale Verwaltungsvorgänge. Was ist online auf Bürgerämtern in der Region bereits möglich und wo wird aufgerüstet? MAZ hat nachgefragt. Kurz zusammengefasst: Schon so einiges können Bürgerinnen und Bürger online erledigen.

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Das Rathaus Neuruppin bietet Bürgerinnen und Bürgern bereits Online-Dienstleistungen und -Formulare.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Urkunden, Gewerbeanmeldungen, neue Adresse mitteilen: alles Dinge, die Bürger im Rathaus erledigen. Viele würden sich den ein oder anderen Gang gerne sparen oder aber erleichtern, fand das Beratungsunternehmen PwC in einer bundesweiten Studie heraus. 91 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bereit wären, Verwaltungsvorgänge zukünftig online zu erledigen. Wie digital sind Rathäuser und Bürgerämter in unserer Region bereits, und in welchem Umfang werden Online-Angebote schon genutzt? MAZ hat nachgefragt:

„Auf der Website der Stadt Neuruppin werden zum einen landeseinheitliche Formulare angeboten wie der Antrag auf Wohngeld“, sagt Rathaussprecherin Michael Ott. „Ergänzend dazu haben wir eigene Formulare entwickelt, den Antrag auf Kitaplatz oder Kulturförderung und auch die Hundesteueranmeldung und -abmeldung.“ Die Dokumente werden am Bildschirm ausgefüllt, ausgedruckt und per Post geschickt.

Urkunden per Onlinedienst des Standesamtes

Überhaupt nicht das Haus verlassen müssen Neuruppiner, wenn sie Urkunden anfordern wollen, aus dem Geburten-, Ehe- oder Sterberegister. Über den Onlinedienst des Standesamtes beantragen sie die gebührenpflichtigen Dokumente. Drei bis vier Urkunden werden pro Tag auf diese Weise bestellt. Und auch, wer ein Gewerbe an-, um- oder abmelden möchte, kann dies komplett online erledigen, erklärt Michaela Ott: „Maximal zehn Mal pro Monat wird das genutzt. Leider kommt es des Öfteren zu fehlerhaften Meldungen, so dass in diesen Fällen eine zusätzliche Bearbeitung notwendig ist.“

Um den Neuruppinern noch mehr Wege abzunehmen, ist geplant, dass Kita-Plätze künftig über das Kita-Portal vom Landkreis angemeldet werden können.

Online-Dienste bedeuten für Bürger weniger Wartezeit

Auf der Internetseite des Rathauses Kyritz ist das jetzt schon möglich. Im Formular-Bereich findet sich neben Kita-Anträgen zum Herunterladen eine Verlinkung zum Eltern-Portal von Ostprignitz-Ruppin. Darüber hinaus können Einwohner vom Bauantrag bis Parkausweis vieles am Rechner zu Hause bearbeiten. „Die Formulare werden zunehmend heruntergeladen und vorausgefüllt bei uns abgegeben“, sagt Doreen Wolf von der Stadtverwaltung. „Die Online-Dienste bedeuten für Bürger weniger Wartezeit und tragen für uns zur Optimierung der Arbeitsprozesse bei.“

Komplett im Internet abgewickelt werden können auf kyritz.de auch Urkundenanforderungen oder Gewerbemeldungen und sogar Voranmeldungen für Eheschließungen. „Gewerbean-, um- oder abmeldungen werden online aber kaum genutzt. 2017 waren es gerade mal sieben Prozent“, resultiert Wolf. Liegt vielleicht daran, dass Erlaubnisse nicht im Netz beantragt werden können. Dafür ist ein Besuch auf dem Amt erforderlich, so wie bei vielen anderen Anliegen, wie etwa im Meldewesen, auch, sagt Neuruppins Sprecherin Michaela Ott: „Da die Adressänderung des Personalausweises durch die Meldebehörde vorgenommen werden muss, ist das persönliche Erscheinen unentbehrlich.“

In manchen Fällen persönliches Erscheinen notwendig

In diesem Punkt stimmt Nicole Drescher, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Perleberg voll und ganz zu:„Es ist notwendig, den Chip eines Personalausweises mit einem Änderungsterminal umzuprogrammieren und das Adressetikett anschließend zu siegeln.“ Auch eine Wohnortänderung im Reisepass muss im Amt erfolgen. Über ihre Stadtwebsite macht jedoch auch Perleberg den Einwohnern vieles leichter. Neben hilfreichen Informationen wurden diverse Antrags- und Nachweisformulare digitalisiert, zum Beispiel für Gewerbeangelegenheiten, Kita-Plätze oder Sozialpass. „Diese sind teilweise am PC auszufüllen und per Mail an die Verwaltung zu senden“, sagt Nicole Drescher.

Wie in Neuruppin und Kyritz können zudem Urkunden auf digitalem Weg angefordert werden, rund um die Uhr. Das Perleberger Standesamt nutzt einen Online-Dienstleister, erklärt Drescher: „Diese Anforderungsmöglichkeit im Standesamt wird von den Bürgern überwiegend genutzt.“ Bisherige Online-Umstellungen betrachtet die Verwaltung von Perleberg als Erleichterung und möchte künftig weitere Dienste umsetzen.

Digital aufgerüstet hat auch Wittstock bereits . „Auf der Internetseite unserer Verwaltung stehen etliche Formulare zur Verfügung“, sagt Stadtsprecher Jean Dibbert. „Speziell für den Bereich Ordnungsamt wären das zum Beispiel: Anforderungen von Personenstandsurkunden, Briefwahlunterlagen, Eintragungsscheine zum Volksbegehren oder die Anfrage zur Melderegisterauskunft.“ Im Online-Gewerbeamt der Stadt können Bürger, wie bei anderen Verwaltungen in der Region auch, viele Formalitäten erledigen.

Aufgeschlossen für digitale Neuerungen

Ob die Online-Umstellungen eine Erleichterung für die Mitarbeiter sind, sei noch nicht spürbar, erklärt Jean Dibbert. In allen Bereichen der Behörde würde aber regelmäßig geprüft, welche digitalen Verbesserungen umsetzbar wären: „Generell sind wir aufgeschlossen, wenn Neuerungen eine Erleichterung für Bürger und Verwaltung darstellen. Sicher gibt es eine Generation, die gern Online-Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Allerdings schätzen viele andere den persönlichen Kontakt mit der Verwaltung.“ Für Menschen, die mobil eingeschränkt sind, hat Perleberg das „Rollende Büro“ ins Leben gerufen und fährt mit einem umgerüsteten Einsatzleitwagen der Feuerwehr zu ihnen in den Ort. Auch Doreen Wolf vom Rathaus Kyritz ist bei aller Begeisterung für den digitalen Fortschritt skeptisch: „Wenn eine größere Umstellung gelingen soll, ist die Komplexität zu bedenken.“ Keine einzelnen Insellösungen seien sinnvoll, sondern ein Dokumentenmanagementsystem (DMS) für die gesamte Verwaltung. Genau wie Dibbert hat sie bemerkt, dass ein Großteil der Bürger bei Anträgen im Vorfeld eher bei den Verwaltungsmitarbeitern nachfragt, als sich selbst zu belesen: „Vielen ist oftmals nicht klar, dass ein Antrag zu stellen ist. Das klärt sich erst im Telefongespräch.“ Es ist eben alles ein Prozess.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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