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So profitiert auch Neuruppin

Neues Pflegegesetz So profitiert auch Neuruppin

Seit Jahresanfang gilt das zweite Pflegestärkungsgesetz. Gerade Demenzkranke könnten davon profitieren. Denn die neuen Pflegegrade orientieren sich stärker als bisher an kognitiven Fähigkeiten und der Selbstständigkeit im Alltag.

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Für die Betreuung von Pflegebedürftigen soll künftig mehr Zeit da sein – auch zur Unterstützung beim Malen, Backen .oder Basteln

Quelle: Foto: dpa-Zentralbild

Neuruppin. Der Name – „Zweites Pflegestärkungsgesetz“ – klingt sperrig. Doch als der Bundestag das seit Jahresanfang gültige Gesetz im November vergangenen Jahres beschlossen hatten, sprachen Experten von einer „Revolution des Pflegesystems“. Denn das Gesetz definiert den Begriff der Pflegebedürftigkeit völlig neu. Orientierte sich das bisherige System weitgehend an den körperlichen Gebrechen, werden die Selbstständigkeit im Alltag und die kognitiven Fähigkeiten jetzt gleichwertig berücksichtigt. Gerade Demenzkranke können auf größere Hilfe hoffen.

Anstatt der bisherigen drei Pflegestufen soll es ab 2017 fünf Pflegegrade geben. Jutta König, die Leiterin des Senioren-Wohnparks Radensleben, wagt derzeit noch keine Prognose, ob das Gesetz tatsächlich wie erhofft zu mehr Pflegekräften in den Heimen führt. Bislang fehlt es an konkreten Bewertungskriterien für die einzelnen Pflegegrade, sagt Jutta König. Gleichwohl erhofft auch sie sich deutliche Verbesserungen durch das neue Gesetz.

Eine der größten: Die Pflegekräfte können die derzeit aufwändige wie hochbürokratische Dokumentation ihrer Arbeit ab 2017 auf das Notwendigste beschränken. „Das ist wirklich ein Quantensprung“, sagt König. „Wir sparen Zeit und haben mehr Zeit für die Bewohner.“

Schon das erste, seit 2015 gültige Pflegeunterstützungsgesetz sei eine enorme Erleichterung gewesen. Erstmals haben alle Heimbewohner einen Anspruch auf so genannte zusätzliche Betreuungsangebote – Zusatzkräfte können Bewohner beim Malen, Backen oder Basteln unterstützen. „Das entlastet die Pflegekräfte“, sagt die Heimleiterin.

Jeder gesetzlich Versicherte kann sich kostenlos beraten lassen

Die Berater des Pflegestützpunktes beraten zu Fragen der Pflegeleistungen und ihrer Finanzierung. Interessierte können sich über die Anbieter betreuter Wohnformen, über geeignete Betreuungseinrichtungen oder Pflegehilfsmittel informieren. Die Beratung ist kostenlos, jeder gesetzlich Versicherte kann sie in Anspruch nehmen.

Der Pflegestützpunkt wird vom Landkreis und Krankenkassen getragen. Die Pflegeberater sind unter 03391/6 88 50 87 zu erreichen. Bei Bedarf beraten sie auch Zuhause.

Nach Einschätzung Königs auch eine Verbesserung: Ab 2017 gilt in jedem Pflegeheim ein einheitlicher Eigenanteil für die Pflegegrade zwei bis fünf. Niemand muss mehr fürchten, bei der Einstufung in den nächsten Pflegegrad einen höheren Eigenanteil leisten zu müssen. „Familien können besser planen“, sagt König.

Wie erhält man einen neuen Pflegegrad? Wer bereits Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommt, erhält ab 2017 ganz automatisch eine neue Einstufung. „Niemand muss neu überprüft werden“, sagt Uwe Krüger vom Neuruppiner Pflegestützpunkt. Als Faustformel gilt: Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen erhalten automatisch den nächsthöheren Pflegegrad. Wer aufgrund seiner geistigen Fähigkeiten seinen Alltag nur noch eingeschränkt bewältigen kann, kommt in den übernächsten Pflegegrad. „Für Demenzkranke wird es deutlich höhere Pflegeleistungen geben“, hofft Krüger.

Schon jetzt erleichtert das Gesetz die Betreuung von Demenzkranken – anders als noch vor einigen Jahren können Betroffene Pflegeleistungen flexibel kombinieren. Wer die Mittel aus der so genannten Kurzzeitpflege (befristete Unterbringung im Heim) ausgeschöpft hat, kann sie durch Mittel auf der Verhinderungspflege (Pflege zu Hause, falls der pflegende Angehörige verhindert ist) aufstocken und umgekehrt. „Das ist wirklich etwas Positives“, sagt Krüger. „Gerade für Demenzkranke, die gerne in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, ist das eine Erleichterung.“

Positiv auch: Seit Jahresanfang können Menschen, die etwa nach einer OP nach Hause entlassen werden und noch Hilfe im Alltag brauchen, häusliche Krankenpflege oder eine Haushaltshilfe beantragen. „Das ist eine ganz gravierende Veränderung“, sagt Krüger.

Der 62-jährige Pflegeberater und seine Kolleginnen führen in Ostprignitz-Ruppin jährlich etwa 2000 Beratungsgespräche zu Fragen der Pflege und ihrer Finanzierung. Bei Bedarf kommen die Berater auch nach Hause. „Pflege ist noch immer ein Tabuthema“, sagt Krüger. „Dabei kann es wirklich jeden treffen.“ Er würde jedem, der Pflegeleistungen in Anspruch nehmen muss, ein Beratungsgespräch empfehlen. Gerade bei der Einstufung in den richtigen Pflegegrad ist es wichtig, gut informiert zu sein. „Wir raten immer, wirklich alles auszusprechen“, sagt er. Mitunter würden Probleme aus Scham verschwiegen. Die Folge: Menschen mit echten Pflegebedarf werden mitunter fitter eingeschätzt als sie wirklich sind.

Schon immer hatten Versicherte einen Anspruch auf einen kostenloses Pflegeberatungsgespräch. Künftig muss die Pflegekasse auch den jeweils zuständigen Pflegeberater benennen. Auch das eine Verbesserung, findet Krüger. Denn nicht alle Familien wissen, wo sie sich Hilfe holen können. In den kommenden Monaten, davon geht er fest aus, werden mehr Menschen um ein Beratungsgespräch bitten.

Von Frauke Herweg

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