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Ostprignitz-Ruppin So wird Integration gelebt: Gemeinsam!
Lokales Ostprignitz-Ruppin So wird Integration gelebt: Gemeinsam!
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14:43 26.10.2015
Wald zu erkunden, ist nur eine Lektion. Gegenseitiges Kennenlernen und für beide Seiten bereichernde Begegnungen, eine andere. Quelle: Regine Buddeke
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Zechlinerhütte

Samstagnachmittag: Auf dem Hof des ehemaligen Hotels „Haus am See“ tobt das Leben. Zwei Mädchen versuchen fröhlich quietschend, einen Drachen steigen zu lassen. Kaum vorstellbar, dass sie noch vor einiger Zeit im kriegsgebeutelten Syrien um ihr Leben bangen mussten.

Ein Auto kommt auf den Hof, Jürgen Neumann steigt aus und wird sofort umringt von den Flüchtlingen und Asylbewerbern, die derzeit im Übergangswohnheim untergebracht sind. „Gutten Morgen“, radebrecht ein kleiner Steppke und grinst Neumann dabei schelmisch an. Bereits zum dritten Mal hat dieser die Bewohner – und auch die Einheimischen – zum gemeinsamen Waldspaziergang eingeladen. Dasselbe macht er auch im Luhmer Ortsteil Heimland, wo der Berliner seine zweite Heimat hat. Neumann möchte helfen, Berührungsängste und Vorurteile abzubauen und den Flüchtlingen den Neuanfang zu erleichtern. „Für die Flüchtlinge ist hier das Ende der Welt. Und für mich der schönste Platz der Welt“, sagt er. Das möchte er gern weitergeben bei den gemeinsamen Waldspaziergängen. Den Menschen die Furcht nehmen. Auch die vor Luna, seinem Hund.

„Am Anfang waren alle stocksteif vor Angst“, erinnert er sich. Im Islam ist Hundehaltung nicht bekannt, da gelten Hunde als Wächter der Hölle. Das sei die erste Herausforderung, habe er damals gesagt. Schon eine halbe Stunde später rissen sich die Kinder darum, Luna an der Leine zu führen. Wie Motaz, der stolz wie Bolle den Bestien-Bezwinger gibt. „Er mag Hunde“, übersetzt Maher, ebenfalls Syrer und als Professor für Sprachen an der Uni Damaskus der wichtigste Mann vor Ort. Seinen Vorsprung in Deutsch nutzt er, um den Neuankömmlingen einen Crashkurs in deutscher Sprache zu geben. Das tun auch Jugendliche aus Heimland, die den Gleichaltrigen spielerisch die wichtigsten Worte nahebringen.

Um die 20 Freiwillige gibt es in Zechlinerhütte und Luhme, die sich für die Flüchtlinge engagieren. „Jeder mit dem, was ihm am meisten liegt“, so Neumann. Er müsse sowieso jeden Tag mit Luna in den Wald – warum dann nicht gemeinsam mit den Fremden. Die schon bald weniger fremd und mehr Freund sind – das merkt man. „Man bekommt sehr viel zurück auf das, was man rein gibt“, sagt Neumann.

Ähnlich geht es auch allen anderen Deutschen der Spaziergang-Truppe. „Wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt Kathleen Gäbel, deren Tochter auch zu den jugendlichen Deutsch-Lehrern gehört. Oder Annette Henschel: „Ich wollte nach dem Dienst in den Wald. Gerne mit anderen.“ Ihre Eltern leben in Hütte und sind um die Flüchtlinge bemüht, die Tochter zieht mit. Auch Cornelia Gäbelein, Teilzeit-Großzerlangerin, ist fest entschlossen, zu helfen. „Irgendwas. Nahrung fürs Hirn“, sagt sie. Gesprächsstoff gibt es viel – die Neugier ist auf beiden Seiten groß. Und so wird der zweistündige Waldspaziergang zum kurzweiligen Vergnügen für alle. Neumann freut das. „Ich habe einen der Syrer neulich gefragt, wie es für ihn war, so plötzlich in der Fremde.“ Fremd war er nur die ersten beiden Stunden, habe der geantwortet. „Dann kamt ihr.“

Die Spaziergänge finden jeden Samstag statt. Treffpunkt ist um 10 Uhr am „Birkenhain“ in Luhme-Heimland und um 15 Uhr im „Haus am See“ Zechlinerhütte.

Von Regine Buddeke

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