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„Solanum“ feiert in Rheinsberg Premiere

Kulinarisches Festival „Solanum“ feiert in Rheinsberg Premiere

Ist Genuss auch politisch? Selbstverständlich, finden Cornelia Lambriev-Soost und Katrin Wagner, die beiden Organisatorinnen des kulinarischen Festivals „Solanum“. Vom 26. bis 29. Mai feiert das Festival in Rheinsberg seine Premiere. Neben einem Markt mit regionalen Köstlichkeiten ist ein Programm aus Lesung, Diskussion und Film geplant.

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Wagen eine Premiere in Rheinsberg: „Solanum“-Organisatorinnen Cornelia Lambriev-Soost (l.) und Katrin Wagner.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Dass sie gut zusammen können, müssen Katrin Wagner und Cornelia Lambriev-Soost schnell gespürt haben. Im vergangenen Jahr lernten sich die Inhaberin der Rheinsberger Marmeladen-Manufaktur „Marmelo“ und die Kulturmanagerin in Finnland kennen. In der kommenden Woche feiert ihr erstes gemeinsames Projekt in Rheinsberg Premiere: das kulinarische Festival „Solanum“. Neben regionalem Essen wird es ein liebevoll ausgearbeitetes Programm aus Lesung, Film und Diskussionsforen geben. Denn Essen, so finden die beiden Veranstalterinnen, ist auch politisch.

Etwa 20 Anbieter aus der Region präsentieren sich am Sonnabend, 28. Mai, auf dem Kirchplatz. An Gemeinschaftstischen in der Mitte des Platzes können Besucher Wildkräuterspezialitäten, Köstlichkeiten vom Sattelschwein und viele andere Spezialitäten genießen.

Bei der Suche nach Anbietern, die ihre Waren in kleinen Manufakturen oder in Handarbeit produzieren, nutzte Wagner eigene Kontakte. „Inhaltlich konnte ich die Leute ganz schnell überzeugen“, sagt Wagner. Viele meldeten sich jedoch auch von selbst.

Keinen der Marktteilnehmer scheint gestört zu haben, dass „Solanum“ eine Festival-Premiere ist. „Ich habe mit Qualität und professionellem Auftreten geworben“, sagt Wagner. Auf der ästhetisch anspruchsvollen Internetpräsentation des Festivals ist jeder Anbieter mit Foto und Kurzporträt vorgestellt. Wagner war das wichtig. „Die Händler sollen präsent sein und sich als Teil des Festivals fühlen.“

Anders essen

Das kulinarische Festival „Solanum“ findet vom 26. bis 29. Mai in Rheinberg statt. Es ist ein Projekt des gleichnamigen Vereins. Der im Dezember 2015 gegründete Verein will Wissen über die Entstehung von Lebensmitteln vermitteln und mit dem Festival zugleich die Qualität von regionalen Produkten sichtbar machen und die Wertschätzung für die in der Region produzierten Lebensmittel erhöhen.

„Zu Tisch!“ heißt das Kita-Projekt, das der Solanum-Verein Kitakindern und Schulkindern aus Flecken Zechlin anbietet. Die Kinder erforschen die Herkunftsländer verschiedener Obst- und Gemüsesorten und gestalten gemeinsam mit der Künstlerin Elli Graetz Siebdruckmotive. Bilder und Motiv-Beutel sind auf dem Festival zu sehen.

Der Festival-Name leitet sich von dem lateinischen Wort für Kartoffel ab – „solanum tuberosum“. Der Name soll an die „Erdigkeit Brandenburgs“ erinnern, sagt Festival-Organisatorin Katrin Wagner.

Das gesamte Programm des Festivals ist unter www.solanum-verein.de zu finden.

Doch „Solanum“ will mehr sein als nur ein Markt des guten, regionalen Essens. Wer möchte, kann sich am Sonnabend ab 10.30 Uhr auch in der Remise am Schloss in einen der Dialoge und Vorträge setzen. „Ist Essen politisch?“ ist eine der Gesprächsrunden überschrieben, an der unter anderem Nabu-Vorstandsmitglied Werner Kratz oder Wilhelm Schäkel von der Bio Ranch Zempow teilnehmen. An einer anderen Gesprächsrunde nimmt ein Vertreter der Ökonauten teil, einer Genossenschaft, die gemeinsam Ackerflächen erwirbt. Denn auch darum soll es bei dem Festival gehen – um Möglichkeiten einer anderen Landwirtschaft.

Das Festival macht auch Familien besondere Angebote: Auf dem Marktplatz zeigen die Juniorranger, wie man mit einer Getreidemühle eigenes Müsli zubereitet. Am Stand der Künstlerin Laura Polke können große und kleine Besucher Papiertüten und Beutel bedrucken. Verschiedene Wissensgärten rund um den Kirchplatz laden zudem zu Entdeckungstouren ein: Ayumi Matsuzaka erklärt etwa, wie aus Wegwerfwindeln fruchtbare Erde entstehen kann. Die Rheinsberger Preußenquelle und der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land informieren über das Wasser als Lebensmittel und Lebensraum.

Tatort-Kommissar Andreas Hoppe liest

Schon am Donnerstag, 26. Mai, beginnt das Festival. Schauspieler und Tatort-Kommissar Andreas Hoppe liest aus „Allein unter Gurken. Mein abenteuerlicher Versuch, mich ­regional zu ernähren.“ Durch einen privaten Kontakt hatte ­Wagner den Umweltaktivisten für das Festival gewinnen können. „Das ist sehr unterhaltsame ­Literatur – ohne jedes Dogma“, sagt Wagner. Einen Tag später ist in der Remise Kurt Langbeins Dokumentarfilm „Landraub“ zu sehen, ein Film über den Aufkauf von landwirtschaftlichen Flächen durch Großinvestoren und die Folgen für die ansässige Bevölkerung.

Mit dem Festival feiert zugleich auch ein Schulprojekt seinen Auftakt: Als erste Klasse im Norden Brandenburgs wird die 2b der Rheinsberger Salvador-Allende-Grundschule gemeinsam mit der Potsdamer „Gemüseackerdemie“ ein Jahr lang ein Gemüsebeet pflegen. Wagner hatte den Initiator des Projektes angeschrieben und die Klassenlehrerin gewinnen können. „Ohne ihr großes Engagement würde das gar nicht gehen.“

Schüler pflanzen Gemüse an

Am 12. April hatten die Schüler die ersten von insgesamt 25 Gemüsesorten gepflanzt. Später werden sie das selbst gezogene Gemüse ernten und verkaufen. „Sie kriegen ein Gefühl für seinen Wert“, hofft Wagner.

Zwei Schulstunden sind jede Woche für das Projekt reserviert. Dabei sollen sich die Zweitklässler auch theoretisches Gartenwissen rund um Humus und Regenwurm erwerben. Beim Festival stellen sie das Projekt erstmals öffentlich vor – wer möchte, kann auf dem Markt Anteilsscheine erwerben und sichert sich damit einen kleinen Teil des im Rheinsberger Schulbeet gezogenen Gemüses.

Von Frauke Herweg

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