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Sorge um die Vogelwelt wegen Windanlagen

Rheinsberg Sorge um die Vogelwelt wegen Windanlagen

Die Schlafplätze von Gänsen und Singschwänen bei Dorf Zechlin im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sind bedroht. Ein Unternehmen will dort sechs über 200 Meter hohe Windkraftanlagen errichten – in einem Gebiet, das nicht als Eignungsgebiet vorgesehen ist. Naturschützer fürchten um die Schlaf- und Rastplätze von Gänsen und Singschwänen.

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Zwischen 10 000 und 100 000 Vögel werden jährlich durch Windkraftanlagen getötet. Gefunden werden längst nicht alle.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Die melancholischen Rufe der Singschwäne kann man im Herbst auch in der Region um Rheinsberg wieder über Hunderte Meter weit hören. Die tiefen posaunenartigen Töne und ihr umfangreiches Stimmenrepertoire haben ihnen ihren Namen eingebracht. Bis auf wenige Brutpaare kommen die Singschwäne als Wintergäste zu uns, um hier zu überwintern oder Energie für den Weiterflug zu tanken. Seen wie der Große Zechliner See im Landkreis Ostprignitz-Ruppin werden als Schlafgewässer genutzt; auf umliegenden Äckern suchen sie sich ihre Nahrung.

Naturschützer des Landkreises befürchten allerdings, dass es mit dem schönen Anblick und dem Gesang der Tiere in der winterlichen Landschaft bald vorbei sein könnte, da eine Tochter des Energieriesen EnBW aus Stuttgart bei Dorf Zechlin sechs Windkraftanlagen errichten und betreiben will. „Und das in einem Areal, das ursprünglich Bestandteil des Zechliner Windeignungsgebietes war, aber aus Artenschutzaspekten wieder heraus genommen wurde“, sagt Bernd Ewert, Vorsitzender des Nabu-Regionalverbandes Neuruppin und stellvertretender Regionalrat der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel.

Der Große Zechliner See ist im Winter ein Eldorado für Schwäne, Enten und Gänse

Der Große Zechliner See ist im Winter ein Eldorado für Schwäne, Enten und Gänse.

Quelle: Marie-France Barbier

Das Areal bei Dorf Zechlin ist knapp 250 Hektar groß. „Dorthin kamen in den vergangenen Jahren immer mehr Singschwäne und Gänse, die das Gebiet um den Großen Zechliner See und die Ackerflächen als Rast- und Schlafplatz nutzen. Oft sind es deutlich über 100 Individuen und die Tendenz ist steigend“, sagt der Naturschützer, der die Tiere dort selbst oft beobachtet. „Dass es immer mehr Vögel werden, hängt sicher auch mit dem reichlichen Maisangebot auf unseren Feldern zusammen.“ Bernd Ewert und andere Naturschützer fürchten aber nicht nur um die Schwäne und Gänse, auch die FFH-Gebiete – spezielle europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie ausgewiesen wurden – wären von den Windrädern betroffen. „Die Windkraftanlagen würden auch die FFH-Gebiete Buchheide und Wittstock-Ruppiner-Heide negativ beeinträchtigen. Die Anlagen wirken dann wie Sperriegel und schaden der Vogelwelt dieser Region.“

Viele Opfer in der Vogelwelt

Die Energiewende in Deutschland geht einher mit erschreckend großen Opferzahlen in der heimischen Vogelwelt. Experten der Staatlichen Vogelschutzwarte in Brandenburg, bei der Meldungen über an Windanlagen verendete Vögel zusammenlaufen, halten Hochrechnungen von 100 000 Vögeln im Jahr für realistisch. Weniger gut untersucht sind die Verdrängungsmechanismen, die von neu gebauten Windkraftanlagen ausgehen. Wissenschaftler fanden allerdings heraus, dass viele Vögel instinktiv vertikale Strukturen in ihrer Nähe meiden und sich zur Rast oder zur Brut andere Gebiete suchen. Angesichts all dieser Tatsachen treibt Bernd Ewert die Sorge um, dass zu schnell falsche Entscheidungen getroffen werden könnten. „Ich befürchte, dass fachliche Argumente, wie so oft, politisch motivierten Entscheidungen zum Opfer fallen.“ Für das Vorhaben, das die Errichtung von sechs 213 Meter hohen Windrädern umfasst, wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt.

Mindestabstände zu Rast-Stätten gefordert

Das Ergebnis befriedigt den Umweltschützer keineswegs. Die Gutachter räumten ein, dass der Große Zechliner See den Singschwänen in den Wintermonaten 2017 als Schlafgewässer diente, eine Regelmäßigkeit aber nicht abgeleitet werden könne, da für vergangene Winterhalbjahre keine Zahlen vorlägen. Für den Naturschützer eine wenig akzeptable Begründung. Er fordert, dass derartige Daten systematisch von Fachleuten erfasst werden müssten und nicht oberflächlich durch Planungsbüros, die im Auftrag von Windfirmen agieren. Um Fehlinvestitionen und Rechtsstreitigkeiten bei der Realisierung von Windkraftanlagen zu vermeiden, sollten laut Ewert die Tierökologischen Abstandskriterien des „Neuen Helgoländer Papiers“ aus dem Jahr 2015 angewendet werden. Darin sind die empfohlenen Mindestabstände zwischen Anlagen und seltenen Vogelarten in aktualisierter Version enthalten.

Laut Bericht zur Umweltverträglichkeitsprüfung können störungssensible Großvogelarten durch Windräder in ihrem Brutgeschehen beeinträchtigt werden. „Für die hier relevanten Arten Seeadler und Fischadler ist dies jedoch auf Grund der Entfernung zu den Horsten nicht zu erwarten“, heißt es in dem Schriftstück. Da der Seeadler auch außerhalb der Brutzeit in der Region unterwegs sei, könne der Windpark zu einem erhöhten, aber nicht signifikant erhöhten Kollisionsrisiko führen. Ein schwacher Trost für Naturfreunde, die sich des Eindrucks nicht erwehren können, das hier schnell vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen, um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen.

Der Klageweg würde Zeit und Geld kosten

„Für Rheinsberg und Zechlin als Tourismusregion wäre dies verheerend“, so Ewert. Noch ist der Regionalplan nicht beschlossen, die Genehmigungsbehörde für das Projekt ist das Landesamt für Umwelt. Die Inbetriebnahme ist für November 2018 vorgesehen. „Es bleibt uns immer noch der Klageweg, um Fehlentscheidungen zu korrigieren“, sagt Ewert. „Doch der kostet viel Zeit und Geld.“

Einsicht in die Windradpläne

Der Genehmigungsantrag sowie die dazugehörigen Unterlagen liegen bis zum 22. September in der Stadtverwaltung Rheinsberg aus.

Eingesehen werden können die Unterlagen im Bau- und Bürgeramt, Referat Stadtentwicklung, vor Zimmer 10, im Dienstgebäude Dr.-Martin-Hennig-Straße 13.

Der Bericht zur Umweltverträglichkeit ist im Internet unter: www.lfu.brandenburg.de/info/genehmigungen-west veröffentlicht.

Einwendungen gegen das Vorhaben können während der Einwendungsfrist bis einschließlich 6. Oktober 2017 postalisch oder elektronisch an das Landesamt für Umwelt, Genehmigungsverfahrensstelle West, Postfach 60 10 61 in 14410 Potsdam oder an die Stadtverwaltung Rheinsberg, Bau- und Bürgeramt, Referat für Stadtentwicklung, Seestraße 21, in 16837 Rheinsberg erhoben werden.

Von Cornelia Felsch

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