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Sorgen um Trockenheit im Luch

Michaelisbruch Sorgen um Trockenheit im Luch

Rund um den Rhinkanal bei Michaelisbruch sind die Gräben weitgehend leer. Auch im Kanal selbst herrscht Niedrigwasser. Zum einen ist das durchaus gewollt: Die Kanalbrücke an der B 5 wird gerade erneuert. Zum anderen fehlt es der Gegend ganz allgemein an Wasser.

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Das Rinnsal gibt nicht mehr viel Lebensraum her.

Quelle: Alexander Beckmann

Michaelisbruch. Ortsnamen wie Michaelisbruch oder Sigrothsbruch kamen einst sicherlich nicht von ungefähr: Die vielen, oft künstlich angelegten Wasserläufe rundherum zeugen noch heute davon, welcher Aufwand betrieben wurde, um das Bruch, also das Sumpfland, zwischen Dosse und Rhin trockenzulegen. Inzwischen ist es da aber fast schon zu trocken.

Zu denen, die sich darum Sorgen machen, gehört Helmut König aus Michaelisbruch. Hier wird schon seit Jahren nicht mehr richtig angestaut“, beklagt er. „Alle zwei Jahre trocknen die Gräben aus.“ König befürchtet langfristige Folgen für die Natur und hält das Wassermanagement für verbesserungswürdig. „Wozu werden Fischtreppen gebaut, wenn dann die Gräben nicht mehr zum Laichen verfügbar sind? Es wird einfach nur Geld rausgeschmissen.“ Vor allem ärgert er sich darüber, wie schwierig es ist, einen offiziellen Ansprechpartner zu diesem Thema zu finden: „Eine Institution schiebt die Verantwortung an die nächste weiter.“

Viele Interessen, viele Institutionen

Allzu übersichtlich sind die Zuständigkeiten gerade beiderseits des Rhinkanals wirklich nicht. Dort treffen nämlich die Wirkungsbereiche von gleich drei Wasser- und Bodenverbänden (WBV) aufeinander. Für die Gräben, die Helmut König solche Sorgen bereiten, ist der WBV Untere Havel – Brandenburger Havel in Rathenow zuständig, für die andere Seite des Rhinkanals der WBV Dosse-Jäglitz in Neustadt und ein kurzes Stück weiter den Rhin aufwärts beginnt das Gebiet des WBV Rhin-/Havelluch in Fehrbellin. Beim Wasserstand im Rhin selbst hat natürlich der Gewässerunterhaltungsverband Oberer Rhin/Temnitz in Alt Ruppin ein Wörtchen mitzureden. Und all diese Verbände handeln wiederum im Auftrag des Landesumweltamtes, wenn es um die größeren Wasserläufe geht.

Den Bauleuten an der Rhinbrücke für die B 5 kommt der niedrige Wasserstand gerade recht

Den Bauleuten an der Rhinbrücke für die B 5 kommt der niedrige Wasserstand gerade recht.

Quelle: Alexander Beckmann

Also beispielsweise beim Rhin, wie der Geschäftsführer des Rathenower WBV Winfried Rall erklärt. Er erwähnt noch eine weitere Partei, nämlich die Landwirte: „Für die Einstauhaltung sind die Nutzer der Flächen verantwortlich.“ Sie entscheiden je nach aktueller Lage, wie sie den Wasserstand in den Gräben auf ihren Flächen regulieren. Das sei ganz gewiss nicht immer einfach, so Rall. Im Frühjahr braucht der Bauer einen befahrbaren Acker und senkt den Pegel ab. Schon wenig später kann es dazu kommen, dass mangels Niederschlag Wasser fehlt. Zwei Einlaufbauwerke gebe es am Rhin, erklärt Winfried Rall. „Wenn der Wasserstand da auch gering ist, dann können sich die Landwirte da aber kein Wasser holen. Die wären sicher mit höheren Wasserständen zufriedener.“

Landwirte hoffen auf mehr Feuchtigkeit

Das kann Landwirt Ulf Simon aus Michaelisbruch nur bestätigen. Zumindest einen Grund für den niedrigen Rhinpegel hat er ausgemacht: „Die bauen da an der Brücke an der Bundesstraße. Da spielt alles andere keine Rolle mehr.“ Simon sieht das durchaus kritisch, geht aber zugleich davon aus, dass es nicht der einzige Grund ist: „Das Wasser ist alle. Da kommt auch aus Neuruppin nichts mehr nach. Der Winter und das Frühjahr waren sehr trocken.“

Im Rhinkanal war schon mal deutlich mehr Wasser – das zeigt sich an den Uferböschungen

Im Rhinkanal war schon mal deutlich mehr Wasser – das zeigt sich an den Uferböschungen.

Quelle: Alexander Beckmann

Im Grunde stimmt Rainer Plätke vom WBV in Neustadt dem zu. Für die Realisierung der Pegelabsenkung an der Brückenbaustelle sei sein Verband mit verantwortlich: „Es wurde Rücksicht genommen, damit die da bauen können.“ Doch darüber hinaus leide die gesamte Region unter einem gewissen Wasserdefizit. „Kurzzeitig ist sowas kein Problem“, schätzt Plätke ein. „Aber über längere Zeit hat das natürlich Folgen.“ Den Befürchtungen von Helmut König in Michaelisbruch gibt er damit durchaus recht. Wenn der Sommer nicht sehr feucht wird, stehen die Chancen beispielsweise für die Frösche an den Gräben schlecht. Und Muscheln oder gar Flusskrebse, von den König noch berichtet, werden so bald nicht wieder auftauchen.

Von Alexander Beckmann

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