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Sorgen wegen neuer Kriterien für Windräder

Ostprignitz-Ruppin Sorgen wegen neuer Kriterien für Windräder

Die Regionale Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel entscheidet am Mittwoch in Neuruppin über neue Abstandskriterien für bestehende Windkraftanlagen. Windräder, die mindestens 750 Meter von Häusern entfernt stehen, dürfen demnach maximal 150 Meter hoch sein. Die geplante Regelung sorgt für Irritationen und Kritik. Chefplaner Kuschel spricht von einem Missverständnis.

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Mehr als 650 Windräder, die sich in Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel drehen, sind weniger als 1000 Meter von Häusern entfernt.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Das geplante Ändern von Abstandskriterien für Windräder in der Region stößt bei Bürgern auf Skepsis und Kritik. „Wie kann die Regionale Planungsgemeinschaft schon jetzt Vorschläge dazu machen, wenn noch nicht einmal klar ist, wie die mehr als 2100 Hinweise und Kritiken zum neuen Regionalplan gewichtet wurden?“, fragt etwa Charis Riemer vom Aktionsbündnis „Gegenwind Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel“. Die Netzebanderin sieht den Ablauf des Verfahrens „aus den Fugen geraten“ und befürchtet zudem, dass mit dem neuen Vorstoß der Abstand von Windrädern zu Häusern weiter verkürzt werden soll.

Wenig Akzeptanz für neue Windräder

Genau das Gegenteil sei der Fall, betonte am Montag Ansgar Kuschel, Chef der Planungsstelle der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel in Neuruppin. Demnach soll der Mindestabstand, der laut dem bisher geltenden Plan aus dem Jahr 2003 noch bei 500 Metern liegt, nicht nur auf 1000 Meter verdoppelt, sondern jetzt sogar auf 1500 Meter festgelegt werden. Weil jedoch von den mehr als 950 Windrädern, die schon in den drei Kreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel aufgestellt wurden, 650 weniger als 1000 Meter entfernt von Häusern stehen, soll es für diese eine Sonderregelung geben. Die teilweise schon seit mehr als zehn Jahren produzierenden Anlagen sollen demnach durch effektivere ersetzt werden (Repowering) dürfen, wenn deren Gesamthöhe 150 Meter nicht überschreitet und der Mindestabstand zu den nächstgelegenen Häusern wenigstens 750 Meter beträgt. Der Planungsausschuss und der Vorstand der Planungsgemeinschaft haben sich bereits für diesen Vorstoß ausgesprochen. Die Gremien hoffen, dass damit der Druck verringert werden kann, weitere Flächen für neue Windräder in der Region ausweisen zu müssen. Denn dafür gibt es wenig Akzeptanz. Vielmehr machen sich Tausende für einen Stopp des Windkraft-Ausbaus stark – auch weil der produzierte Strom gar nicht in die Regionen geleitet werden kann, in denen er gebraucht wird. Dafür reichen die Stromnetze nicht aus. Hinzu kommt, dass die Anwohner vor Ort auch noch die Kosten für den Netzausbau tragen müssen. Die Initiative von Brandenburg und anderen Bundesländern, diese Kosten bundesweit gerecht zu verteilen, scheiterte am Veto von Nordrhein-Westfalen.

Windkraft-Büros werben mit hohen Pachteinnahmen

Lediglich Grundstückseigentümer reagieren aufgeschlossen auf die Offerten von Windkraft-Büros. Kein Wunder. Werden ihnen doch Pachten von bis zu 50 000 Euro pro Anlage und Jahr versprochen. Entsprechend aufmerksam verfolgen Windrad-Kritiker jede Änderung der Vorgaben durch die Planungsgesellschaft. In den Unterlagen vom Planungsausschuss war von harten und weichen Tabuzonen sowie deren Mindestabständen die Rede, die zwischen null und 1500 Metern liegen. Das hat für Verwirrung gesorgt. „Die Abgeordneten beschließen doch das, was schriftlich formuliert ist und nicht das, was jemand sagt“, so Windkraft-Skeptikerin Riemer.

Chefplaner: Eine Tabuzone bleibt eine Tabuzone

Laut Chefplaner Kuschel handelt es sich dabei um ein Missverständnis. „Eine Tabuzone bleibt eine Tabuzone.“ In diesen dürften keine neuen Windräder errichtet werden, egal, ob es sich um eine harte oder weiche Tabuzone handele.

Über den Vorstoß, die Höhe von Windrädern, die mindestens 750 Meter von Häusern entfernt stehen, mit der Maximalhöhe von 150 Metern zu begrenzen, will am Mittwoch die Regionalversammlung befinden. Sie tagt ab 16 Uhr in der Aula des Oberstufenzentrums in Neuruppin.

Knapp 1000 Windräder drehen sich schon im Nordwesten der Mark

In der Planungsregion Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel drehen sich bereits mehr als 950 Windräder. Das hat eine Zählung der Planungsgemeinschaft im Frühjahr ergeben.

Der Mindestabstand der Windkraftanlagen zu Gebäuden beträgt bislang 500 Meter. Dass dies viel zu wenig ist, darüber sind sich Planer und Windkraft-Skeptiker einig. Immerhin sind die neuen Windräder bis zu 200 Metern hoch.

Umstritten ist, wie groß künftig der Mindestabstand zu Gebäuden sein soll: Die Kritiker fordern das Zehnfache der Höhe des jeweiligen Windrades. Die Planer eine feste Größe. Diese sollte ursprünglich 1000 Meter betragen. Nun soll es doch eine differenzierte Vorschrift geben: In Kur- und Klinikgebieten soll der Mindestabstand 1500 Meter betragen. Altanlagen, die mindestens 750 Meter von Gebäuden entfernt sind, sollen auf eine Gesamthöhe von maximal 150 Metern aufgestockt werden dürfen.

Von Andreas Vogel

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