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Spaßpartei nominiert Kandidaten für Bundestag

Neuruppin Spaßpartei nominiert Kandidaten für Bundestag

Seit Dezember hat die Martin Sonneborn gegründete Spaßpartei Die Partei auch einen Ableger in Ostprignitz-Ruppin. Dessen Mitglieder bezeichnen sich selbstironisch als „Partei der extremen Mitte“. Am Sonntag kürten sie einen Bundestagskandidaten.

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Endlich Spaß an Politik: Paula Wagner, Ludwig Tautz, David, Kai Schober und Seraphina Rustemeyer (v. l.) von Die Partei.

Quelle: Frauke Herweg

Neuruppin. Das Werbematerial ist schon mal da. Luftballons, Flyer und ein großes „Die Partei“-Banner. Als sich die Mitglieder von Die Partei am Sonntagnachmittag treffen,um ihren Bundestagskandidaten zu küren, haben sie das Neuruppiner Café Hinterhof in eine Wahlkampfzentrale umdekoriert. Am Tag zuvor war David, der Vizevorsitzende des frisch gegründeten Ostprignitz-Ruppiner Kreisverbandes, beim Landesparteitag in Potsdam. Dem 13. und jüngsten brandenburgischen Kreisverband wurde das Werbematerial gleich kartonweise mitgegeben „Das gab es alles dazu“, sagt David, der als Netzaktivist seinen Nachnamen aus Sicherheitsgründen lieber nicht nennt, und grinst.

2004 hatten Redakteure des Satiremagazins „Titanic“ die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiativen (Die Partei) gegründet. Die Spaßpartei kämpft seitdem für die Abschaffung der Sommerzeit, gegen die Verblödung der Innenstädte oder für die Begrenzung von Managergehältern auf das 25 000-Fache eines Arbeiterlohns. Ein aktueller Flyer fordert „Inhalte überwinden!“ – alles in allem Forderungen, deren parodistische Frechheit David gefällt. „Ich habe schon sehr lange mit der Partei sympathisiert“, sagt der 17-Jährige. Als er im vergangenen Jahr bei Facebook Mitstreiter suchte, fand er schnell welche.

Überall gab es schon Kreisverbände, in Ostprignitz-Ruppin noch nicht

Fast überall in Brandenburg gab es damals Kreisverbände von Die Partei. Nur in Ostprignitz-Ruppin nicht. Auch Kai Schober, der heutige Vorsitzende des Kreisverbandes, macht über Facebook auf den möglichen neuen Ableger von Die Partei aufmerksam. „Wenn ich mich mit anderen Parteien hätte identifizieren können, wäre ich da dabei gewesen“, sagt der 27-Jährige. „Aber da war einfach nichts, wo ich hätten mitmachen wollen.“

Die Partei steht für intelligenten Witz und rabenschwarzen Humor. Was nach dem Spaß kommt, ist auch den meist jungen Parteimitgliedern in Ostprignitz-Ruppin nicht ganz klar. Sie wollen sich im Politikbetrieb ausprobieren, mit seinen Mitteln spielen. „Das ist doch der Reiz“, sagt Ludwig Tautz. „Was ganz eigenes aufzubauen.“

Die Partei versteht sich als „Partei der extremen Mitte“

Auf ihrer noch ganz jungen Internetseite fordern die Aktivisten mehr politische Inhalte für Pornos, die Umbenennung der Kreisstadt Neuruppin in Kreiselstadt Neuruppin und „irgendwas mit Systemveränderung“. Sich selbst würde Die Partei als „Partei der extremen Mitte“ beschreiben. Mehr Selbstironie geht nicht.

Die geplante Kreisgebietsreform würde von den Die-Partei-Mitgliedern befürwortet werden. Obwohl oder vielleicht gerade weil es so viel Kritik an der Reform gibt. „Das Wahlvieh wusste bereits in der Vergangenheit selten, was gut für es ist“, vermelden sie voller Sarkasmus auf ihrer Internetseite.

Evi-Schüler kandidiert für den Bundestag

Am Sonntagnachmittag kürte der Verband den Neuruppiner Evi-Schüler Corvin Drößler zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl im September. Auf der Onlineseite des Verbands kündigt Drößler einen „persönlichen, rücksichtslosen, schmierigen Sexualwahlkampf“ an. Auf dem dazugehörigen Foto schütteln sich Drößler und Schober vor dem Parteibanner in Mackerpose die Hand.

19 Mitglieder hat der Kreisverband zurzeit. Viele von ihnen besuchen die Evangelische Schule Neuruppin. „Eine Evi-Partei sind wir aber nicht“, sagt David. Lediglich die Entstehungsgeschichte sei eng mit dem Evi verknüpft. Die Partei kann sich Kooperationen mit den anderen Initiativen vorstellen. Mit dem Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“ zum Beispiel. In den kommenden Wochen und Monaten wollen sie zudem Mitglieder der anderen Kreisverbände kennenlernen. Der Besuch des Parteitages am Sonnabend in Potsdam war eine erste Kontaktaufnahme.

200 Unterschriften von Unterstützern sind notwendig

Vor dem eigentlichen Bundestagswahlkampf müssen sich die Partei-Mitglieder in die Mühen der Ebene begeben. Damit ihr frisch gekürter Bundestagskandidat überhaupt für die Wahl zugelassen werden kann, müssen er und seine Partei im Wahlkreis 56 (Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Havelland I) 200 Unterstützerunterschriften sammeln. „Wir sind optimistisch, dass wir das schaffen“, sagt Schober. Auf einen Termin, an dem sie mit dem Sammeln der Unterschriften beginnen wollen, haben sie sich auch schon geeinigt – am 1. April an einem Stand vor dem Neuruppiner Stadtgarten.

Von Frauke Herweg

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