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Spende im Kyritzer MAZ-Briefkasten

Langer Weg zur Flüchtlingshilfe Spende im Kyritzer MAZ-Briefkasten

Ein anonymer Umschlag mit Geld im Briefkasten stellt die Kyritzer MAZ-Redaktion vor ungeahnte Herausforderungen. „Spende für Flüchtlinge“ stellt der Absender per Aufschrift klar. Doch diesen Wunsch zu erfüllen, erweist sich als gar nicht so einfach.

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Drei Worte, ein Umschlag und gut 40 Euro. Die MAZ gibt sich alle Mühe, den Willen des anonymen Absenders zu erfüllen.

Quelle: Foto: Alexander Beckmann

Kyritz. Normalerweise sind es die Rechnungen im Briefkasten, die einen vor Herausforderungen stellen. Nur ganz selten ist es das genaue Gegenteil. Wie vor wenigen Tagen. Da fand sich im Briefkasten der Kyritzer MAZ-Lokalredaktion ein ungewöhnlicher Umschlag. Drinnen ein paar Scheine und eine Hand voll Münzen. Alles in allem 40,58 Euro. Auf dem Umschlag standen lediglich drei Worte „Spende für Flüchtlinge“. Nichts weiter. Vor allem kein Absender.

Erster Gedanke: Da wusste offenbar jemand nicht wohin mit seinem guten Willen. Zweiter Gedanke: Und jetzt?

Mit Barspenden für die Flüchtlingshilfe hatte es die Lokalredaktion ja so oft noch nicht zu tun. Um ganz genau zu sein: Der Umschlag ist die Premiere. Wohin also mit dem Geld? Klar, Spendenkonten gibt es genug – bundesweit und auch international beispielsweise über die „Aktion Deutschland hilft“.

Aber da hätte unser anonymer Spender leicht selbst einzahlen können. Bestimmt war das Geld für den lokalen Einsatz gedacht. Sonst wäre es nicht ausgerechnet im Kyritzer MAZ-Briefkasten gelandet. Wie befördern wir es also an die richtige Adresse? Wir können es ja nicht einfach irgendeinem ausländisch aussehenden Menschen in die Hand drücken.

Idee: Die längsten Erfahrungen mit so etwas gibt es in Wusterhausen. Die Wusterhausener Willkommensinitiative für Flüchtlinge war die erste ihrer Art im Altkreis Kyritz.

Bürgermeister Roman Blank ist auf Nachfrage ziemlich sicher, dass es ein Spendenkonto bei den Ruppiner Kliniken gibt. Das kreiseigene Unternehmen hat im Auftrag des Landkreises die Betreuung von Flüchtlingen übernommen und stellt sozusagen die Logistik. Einzelheiten hat Blank zwar nicht parat, aber er zeigt sich überzeugt, dass die Spendenmöglichkeit besteht. „Bei uns gab’s auch schon Anfragen zu Barspenden.“

Gibt es so ein zentrales Spendenkonto wirklich? Ansprechpartnerin für Presseanfragen beim Landkreis ist Britta Avantario. Ihre Antwort ist recht eindeutig: „Wir haben beim Landkreis kein zentrales Spendenkonto speziell für Flüchtlinge.“

Wenn nicht zentral, dann vielleicht auf lokaler Ebene. Da bestehen doch auch Einrichtungen. Die Protzener Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (Gab) mit ihrer Niederlassung in der Straße Am Bahnhof in Kyritz sorgt mit ihrer Kleiderkammer und Lebensmittelausgabe für die Verteilung von Spenden. Sicherlich wäre dort auch Bargeld stets willkommen. Die Hilfe erfordert ja einigen Aufwand und oft genug herrscht gerade an den Dingen Mangel, die besonders dringend benötigt werden.

Gab-Geschäftsführerin Kerstin Schumacher in Protzen zeigt sich jedenfalls nicht abgeneigt. Ob das Geld ausschließlich für Flüchtlinge in und um Kyritz verwendet würde, kann sie aber nicht versprechen. „Wir könnten es bestimmt für die Lentzker Flüchtlingskinder einsetzen. Die wollen wir noch mal zu einem bunten Nachmittag einladen. Da hilft ein bisschen Geld immer.“ Grundsätzlich sicherlich keine schlechte Idee. Aber vielleicht hatte der anonyme Spender ja doch eher die Hilfe in der Kyritzer Umgebung im Sinn.

Zumindest die Leiterin des Wusterhausener Übergangswohnheims Ina Gohlke ist zu erreichen. Im Telefonbuch findet man ihre Nummer zwar nicht, aber die Internetseite der Gemeinde Wusterhausen hilft weiter. Eine Möglichkeit, Geldspenden einfach per Überweisung anzunehmen, sieht auch sie nicht. Aber es wird sich in den nächsten Tagen die Gelegenheit für eine persönliche Übergabe des anonymen Umschlags ergeben. „Wir setzen das Geld da ein, wo es am dringendsten gebraucht wird“, verspricht Ina Gohlke. Geschafft!

Am Ende hat es über eine Stunde Arbeit und mindestens ein halbes Dutzend Telefonate gefordert, die Spende hoffentlich im Sinne ihres Absenders unterzubringen. Der Weg zur Hilfe ist ganz schön lang.

Von Alexander Beckmann

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