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Ostprignitz-Ruppin Sperrung missachtet: Lkw-Fahrer brachten sich in Lebensgefahr
Lokales Ostprignitz-Ruppin Sperrung missachtet: Lkw-Fahrer brachten sich in Lebensgefahr
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00:19 18.08.2017
Nur in Spezialanzügen konnten sich die Feuerwehrleute dem Lkw nähern. Der Einsatz ist anstrengend: Mehr als 15 Minuten hält es in der Kunststoffhaut kaum jemand aus. Quelle: Foto: Grunow
Walsleben

Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald ist die Anstrengung nach fast 20 Stunden anzusehen. Eine Viertelstunde hat er sich ausgeruht, sonst war er seit Montagabend im Dauereinsatz. Den Blick für die anderen Feuerwehrleute hat er nicht verloren. Der Chemieeinsatz an der Raststätte Walsleben der A 24 ist einer der aufreibendsten, die er je erlebt hat. Fast 200 Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreis und halb Brandenburg sind seit Montagabend unterwegs, um die hochgefährliche Säure zu bändigen, die aus einem defekten Tanklaster läuft. Einige der Feuerwehrleute sind so lange auf den Beinen wie Wolfgang Hohenwald – manche hatten sich eine kurze Pause gegönnt. Als am Mittag mehrere Leute erschöpft zusammenbrechen, schreitet der Kreisbrandmeister ein. „Ruh dich aus“, ordnet er an, als ein Feuerwehrmann aus Neuruppin mit hochrotem Kopf vor ihm steht.

Feuerwehren aus Neuruppin, Fehrbellin, dem Amt Temnitz und Wittstock waren sofort am Montagabend ausgerückt, als die Leitstelle Alarm auslöste. Innerhalb einer halben Stunde waren fast hundert Leute mit 40 Fahrzeugen vor Ort.

Der Lastwagenfahrer, der zuvor das Säureleck gemeldet hatte, lächelte nur: Ein so riesiger Aufwand für ein bisschen Chemie? „Das kann man einfach mit Wasser wegwaschen“, fand er: „Habt ihr eben ’ne große Übung.“ Für ihn stand fest: So richtig wissen die Feuerwehrleute nicht, was sie da tun.

Auch verdünnt bleibt Salpetersäure sehr gefährlich

Salpetersäure ist extrem aggressiv und auch in hoher Verdünnung noch stark ätzend“, sagt Alexander Trenn. Er gilt als der führende Experte für Gefahrstoffe und berät Feuerwehren bei ähnlichen Unfällen in ganz Brandenburg. Als er von dem Unglück bei Walsleben hört, ist er sofort aus dem Osten des Landes aufgebrochen.

Als eine der ersten Maßnahmen hatte die Polizei am Abend die A 24 in beide Richtung gesperrt. Einigen Lkw-Fahrern war das gleich. Die Absperrung räumten sie einfach beiseite und stellten ihre Sattelzüge direkt hinter den Gefahrguttranport mit der auslaufenden Säure. Auch als schockierte Feuerwehrleute in schweren Chemieschutzanzügen an die Führerhäuser hämmerten, wollten die Fahrer von Lebensgefahr nichts wissen. Sie stiegen schließlich aus und liefen von der Unglücksstelle weg – nur um zurückzukommen, sobald sich die Feuerwehrleute selbst in Sicherheit gebracht hatten.

Walsleben, 14. August 2017: Auf dem Rastplatz Walsleben (Ostprignitz-Ruppin) entdeckt der Fahrer ein Leck in seinem Fahrzeug. Der Laster hatte Salpetersäure geladen, ein Tank wurde beschädigt. Die Feuerwehr rückte zu einem Großeinsatz aus.

Am defekten Sattelauflieger stieg indes eine immer dichtere Dampfwolke auf, die alles verätzte, was mit ihr in Berührung kam, selbst die Spezialanzüge der Feuerwehr. Immer wieder musste Einsatzleiter Sebastian Giesert, der Temnitzer Amtswehrführer, Nachschub aus anderen Landkreisen anfordern. Dienstagmittag konnte kein Kreis in Brandenburg mehr liefern. Mehr als 30 der Spezialschutzanzüge hatte die Feuerwehr da schon verbraucht. Stückpreis: gut 3000 Euro.

Mehrere Firmen stellten Soda zum Dekontaminieren bereit

Matthias Krüger, der Chef des Gefahrstoffverbandes Ostprignitz-Ruppin, telefonierte alle möglichen Betriebe auf der Suche nach Hilfe ab. Die Chemiefirma Atotech hatte noch in der Nacht eine Tonne Soda in Säcken bereitgestellt. Nur damit kann Salpetersäure unschädlich gemacht werden. Weitere fünf Tonnen bekam die Feuerwehr am Dienstag vom Spezialfutterwerk in Neuruppin.

In der Nacht hatte die Feuerwehr mehrere Familien aus den Betten geholt, die besonders dicht an der Autobahn wohnen. Sie glaubten an eine Übung; erst als Amtsdirektorin Susanne Dorn und ihre Mitarbeiter nicht locker ließen, gingen sie. Einige fanden noch in der Nacht bei Bekannten Unterschlupf. Zehn Erwachsene, drei Kinder, ein Hund und eine Katze fanden im Dorfgemeinschaftshaus Werder Notquartier. Die Wolke der Säure, befürchtete Fachmann Alexander Trenn zunächst, könnte sich auf Gebäuden und Gegenständen niedergeschlagen haben. Diese Bedenken bestätigten sich offenbar aber nicht; die Anwohner konnten am Abend wieder nach Hause.

Der Fahrer des Gefahrguttransports reagierte ernüchtert, als er am Dienstag sah, wie die Säure aus seinem Laster die Leitplanke der Autobahn angriff und eine Feuerwehrpumpe auflöste. Er fährt ständig solche Stoffe durch Deutschland. „Vieles kann ich gut einschätzen“, räumte er schließlich ein: „Aber das hab’ ich völlig unterschätzt.“

Von Reyk Grunow

Ostprignitz-Ruppin A 24 bei Walsleben stundenlang gesperrt - Einsatz mit Tücken nach Salpetersäure-Unfall

Am Montagabend entdeckte der Fahrer eines Gefahrgutransporters auf einem Rastplatz auf der A 24 bei Walsleben ein Leck in seinem Fahrzeug. Hochgefährliche Salpetersäure trat aus. Die Autobahn wurde gesperrt, zwei Häuser wurden vorsorglich evakuiert. Am Dienstagnachmittag dann Entwarnung.

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