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Sportlich auf eigene Art

Kötzlin Sportlich auf eigene Art

Die Kötzliner Kegelbahn ist der Treffpunkt im Dorf schlechthin und sowohl von den Maßen als auch von der Bauzeit her etwas ganz besonderes. Zum einen ist sie mit nur gut 20 Metern eine der kürzesten weit und breit. Zum anderen vergingen vom Baustart bis zur Fertigstellung fast 20 Jahre.

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Nach mehrmonatiger Verzögerung wegen Reparaturen an der Bahn holte der Verein zur Förderung der dörflichen Gemeinschaft Kötzlin sein jährliches Kegelturnier nach.

Quelle: Alexander Beckmann

Kötzlin. Eine schicke Sportanlage besitzen die Kötzliner da. Der Flachbau der Kegelbahn dominiert den Hof des alten Gasthauses an der Dorfstraße. Äußerlich eher unspektakulär, überzeugt er mit seinen inneren Werten: freundliche Farben, frisch gemalerte Wände, penible Ordnung und vor allem die ausgesprochen modern wirkende Bahn selbst.

Doch der etwas erfahrenere Kegler stutzt bald: Täuscht die Perspektive? Nein, tut sie nicht. Die Bahn ist wirklich kürzer als andere ihrer Art. Drei Meter fehlen, verrät Hans-Peter Truckenbrodt vom Verein zur Förderung der dörflichen Gemeinschaft Kötzlin. Statt der üblichen 23,5 Meter ist die Bohle nur gut 20 Meter lang. Für den Wettkampfsport eignet sich die Bahn damit nicht.

Natürlich wussten die Kötzliner vor dem Bau der Anlage, wie lang so eine Bahn eigentlich sein sollte. „Der Plan sah vor, die Bahn auf voller Länge zu bauen“, erinnert sich Hans-Joachim Müller. Er war damals Bürgermeister im Ort.

Pokale zieren die Halle

Pokale zieren die Halle.

Quelle: Alexander Beckmann

Aber der Hof der Dorfgaststätte gab nur einen bestimmten Platz her. Seine Breite konnte nicht einmal komplett genutzt werden. Dann wären die Gastwirte nämlich nicht mehr nach hinten auf ihren Acker gekommen. Mit Durchgang, Heizungsanlage, Vorraum, Anlauf und Kegelstellfläche blieben eben nur 20 Meter für die Bohle.

Während die Kötzliner Bahn damit eine der kürzesten weit und breit ist, steht sie, was die Bauzeit angeht, zugleich ganz weit oben auf der Liste vergleichbarer Anlagen. Immerhin vergingen vom Baustart bis zur Eröffnung beinahe 20 Jahre.

1987 fasste die Dorfgemeinschaft den Entschluss zum Bahnbau. Die Bedingungen waren schwierig. Die Kötzliner nutzten, was da war. Das langgestreckte Gebäude erinnert nicht von ungefähr an einen LPG-Schweinestall. Doch der Innenausbau kam nicht voran. Mit der politischen Wende von 1989 wurde das Vorhaben dann erst einmal ganz auf Eis gelegt. Die Gemeinde hatte für so etwas schlicht kein Geld. 15 Jahre vergingen.

Ein Turnier hat auch einen gemütlichen Teil

Ein Turnier hat auch einen gemütlichen Teil.

Quelle: Alexander Beckmann

Erst mit dem Windkraftboom Anfang der 2000er Jahre kam wieder langsam Bewegung in die Sache. Der Verein zur Förderung der dörflichen Gemeinschaft Kötzlin entstand – auch um Zahlungen der Windradbetreiber für das Dorf einzusetzen. 2004 wurde der Bau der Kegelbahn wieder aufgenommen. 2005 folgte die Fertigstellung.

Es blieb ein Projekt mit Kompromissen – nicht nur hinsichtlich der Länge. Erst in diesem Jahr stellte sich heraus, dass das alte Dach aus Wellasbest wohl schon über längere zeit undicht war. Der Schaden erwies sich als beträchtlich. Das Dach und auch die Innendecke mussten erneuert werden. 43 000 Euro stellte die Stadt Kyritz, deren Ortsteil Kötzlin ist, dafür bereit. Die Mitglieder des Dorfvereins übernahmen das Malern. Auch eine neue Beleuchtung wurde installiert. Zugleich erneuerte man bei der Gelegenheit die Anlage zur elektronischen Ergebniserfassung. „Wir haben zum Glück eine ganze Reihe Sponsoren“, sagt der Vereinsvorsitzende Hans-Peter Truckenbrodt. „Sonst könnten wir das gar nicht machen.“

Hans-Joachim Müller, der die Bahn von Anfang an kennt, ist hoch zufrieden: „Sie sah vorher auch schon schön aus. Aber jetzt macht sie richtig was her. Die Stadt hat viel Geld in Kötzlin investiert. Das muss man hoch anrechnen.“

Von außen kann man genau beobachten, was drinnen los ist

Von außen kann man genau beobachten, was drinnen los ist.

Quelle: Alexander Beckmann

Der 83-Jährige schiebt zusammen mit seiner Frau selbst regelmäßig Kugeln auf der Bahn. „Wir machen das, um mal rauszukommen.“ Öfter als alle zwei Wochen ist das allerdings nicht drin. Mehr gibt die Kapazität der Anlage nicht her.

Denn die Bahn hat sich zusammen mit der Gaststätte längst zum Zentrum des Dorflebens entwickelt. 50 bis 60 regelmäßige Kegler schätzt Hans-Peter Truckenbrodt: je vier Damen- und Herrenteams, drei Seniorenmannschaften und ein Jugendteam. Der jüngste Spieler ist acht, der älteste 84 Jahre alt. Auch aus den Nachbarorten kommen Sportler. Und weil die Bahn für den regulären Punktspielbetrieb nicht taugt, machen die Kötzliner das Meiste eben unter sich aus.

Erst am vergangenen Wochenende holten sie ihr jährliches vereinsinternes Turnier nach. Das findet normalerweise im Spätsommer statt, musste aber wegen der Bauarbeiten am Dach verschoben werden. Einen ganzen Nachmittag lang traten die Starter paarweise an, um ihre je 20 Würfe zu absolvieren. Es ging um Pokale. Hans-Peter Truckenbrodt war sogar ein bisschen froh, dass nicht alle teilnehmen konnten: „Wenn alle mitmachen würden, hätten wir Probleme, das bis abends durchzuziehen.“

So ganz unter sich bleibt das Dorf beim Sport übrigens dann doch nicht. „Einmal im Jahr tauschen wir uns mit den Stüdenitzern aus“, berichtet Truckenbrodt. Dort gibt es eine Bahn mit Wettkampfmaß. „Nach den ersten paar Würfen hat man sich drauf eingestellt“, findet der Kötzliner. „Die Stüdenitzer kommen bei uns auch ganz gut zurecht. Das hätten wir gar nicht so gedacht.“ Für echte Sportler ist die Norm eben zweitrangig.

Von Alexander Beckmann

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