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18:11 05.12.2017
Martin Scholz vom Team Brandenburg kann sich gegen Andreas Neureuther aus Bayern nicht durchsetzen. Neureuther erringt später den zweiten Platz seiner Klasse. Quelle: Peter Geisler
Lindow

Adrenalin liegt in der Luft. Andreas Neureuther wirft sich auf seinen Gegner. Schon nach wenigen Sekunden setzt er sich auf Martin Scholz. Drückt ihn zu Boden. Scholz versucht, sich aus dem Würgegriff herauszuwinden. Dreht und windet sich. Vergeblich. „Auf geht’s, Scholle“, rufen die Umstehenden. „Weiter Scholle! Du schaffst es!“ Scholz gibt alles, schafft es aber nicht, sich zu befreien. Die zwei ineinander verknoteten Körper harren für lange Sekunden in der Position aus. Scholz sieht dabei fast aus, als ob es um sein Leben ginge. Tatsächlich aber befindet sich der Polizist aus Oranienburg mitnichten in einem Zweikampf gegen einen gefährlichen Gesetzesbrecher. Stattdessen wurde er von einem Kollegen der bayerischen Polizei in einem sportlichen Wettkampf auf die Matte gelegt: Scholz und Neureuther kämpfen beide um einem Platz auf dem Siegerttreppchen bei den Deutschen Ju-Jutsu-Polizeimeisterschaften.

Mehr als 100 Ordnungshüter aus 14 Bundesländern und von der Bundespolizei sind an den zwei Wettkampftagen in der Lindower Sportschule dabei, die an diesem Dienstag begonnen haben. Nur Mecklenburg-Vorpommern und Nordrheinwestfalen sind nicht vertreten. Die Meisterschaften finden alle zwei Jahre abwechselnd in den verschiedenen Regionen Deutschlands statt, je nachdem, welches Bundesland für die Organisation zuständig ist. Diesmal entschied sich die Bundespolizei als Ausrichter dieser zwölften Auflage für Brandenburg. Es ist eine Ju-Jutsu-Polizeimeisterschaften-Premiere für die Mark.

Insgesamt 92 Kämpfe sind alleine für diesen Dienstag angesetzt. Am Mittwoch werden es vermutlich noch einmal ähnlich viele sein, sagt Michael Höflich, Vize der sportlichen Leitung, der aus Niedersachsen stammt Die Athleten – Frauen und Männer, die zur Crème de la Crème der Ju-Jutsu-Landesverbände, einige sogar zum Bundeskader gehören – sind in verschiedene Gewichtskategorien eingeteilt. Sie alle versuchen innerhalb von drei Minuten so viele Punkte wie möglich in dieser waffenlosen Selbstverteidigungsportart zu bekommen, die auf klassischen Kampfsportarten basiert und in den 1960er Jahren auf Geheiß des Bundesinnenministeriums speziell für die Bedürfnisse von Polizei, Zoll und Justiz entwickelt wurde. Besonders belohnt wird „Supertechnik“, wie Höflich es nennt. Strafpunkte gibt es zum Beispiel für Unfairness oder Passivität.

Martin Scholz verliert seinen ersten Kampf gegen Neureuther. Dieser wird am Ende des Tages Zweitbester bundesweit unter den Männern in der Gewichtsklasse bis 85 Kilogramm. Doch Scholz hat noch eine Chance, auf den dritten Platz. Der Bereitschaftspolizist, der 2015 Drittbester bei der Polizeimeisterschaft war, bereitet sich auf seine nächste Runde vor. In diesem Jahr werde es aber für die Brandenburger schwer sein, Medaillen zu ergattern, sagt Mannschaftsleiter Jürgen Anke. Denn die sieben Märker, vier Frauen und drei Männer, konnten dieses Jahr nur einmal drei Tage lang extra für die Meisterschaft trainieren. Sonst sind zwei solche Einheiten vor der Meisterschaft Pflicht. Hinzu komme, dass viele seiner Starter älteren Semesters seien. Und wer jenseits der 30 ist, habe in dieser Sportart meistens klare Nachteile, egal wie erfolgreich er zuvor gewesen ist, so der Trainer für Angriffstechnik an der Oranienburger Polizeifachhochschule.

Scholz zupft seinen Gürtel zurecht und geht noch einmal auf die Matte. Martin Baumbach vom Team Niedersachsen steht ihm gegenüber. Der Kampf beginnt. „Scholle, nicht so hektisch“, schreit ihm Jürgen Anke vom Rand aus zu. Der Brandenburger verlangsamt kurz seine Bewegungen, dann greift er an. Diesmal kann er sich durchsetzen. „Toll, Scholle!“, rufen ihm seine Mannschaftskollegen zu. Weil der Oranienburger in allen Teilbereichen, also Schlagen und Treten, im Werfen oder Hebeln und im Bodenkampf, mit seiner Technik die Schiris überzeugt, erringt er einen vorzeitigen Sieg. „Ich habe das Ziel, mit einer Medaille nach Hause zu fahren“, sagt der 30-Jährige noch etwas außer Atem kurz nach dem Kampf. Aber auch er weiß, dass sein Alter ein Manko ist. „Es wird schwer.“ Was ihn, der sonst vor allem Judo trainiert, an Ju-Jutsu reizt, seien die Vielseitigkeit und die Fairness, die unter den Gegnern herrscht. „Das hat mit der Sport­disziplin zu tun.“ Aufs Treppchen schafft es Scholz am Ende des Tages allerdings nicht+-. „2019 bin ich sicher wieder dabei.“

Von Celina Aniol

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