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Ostprignitz-Ruppin Staatsanwaltschaft ermittelt nach Biogas-Unfall
Lokales Ostprignitz-Ruppin Staatsanwaltschaft ermittelt nach Biogas-Unfall
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19:13 10.03.2017
Rund um die Uhr fahren Trecker das Wasser aus dem Graben auf die Felder. Quelle: Reyk Grunow
Wuthenow

Nach dem schweren Unfall an der Biogasanlage bei Wuthenow hat sich inzwischen auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Behörde leitet aller Voraussicht nach gegen den Betreiber der Anlage ein Ermittlungsverfahren wegen Boden- und Gewässerverunreinigung ein, bestätigte Oberstaatsanwalt Detlef Hommes am Donnerstag. Ob sich im Zusammenhang mit dem Unfall einer oder mehrere Mitarbeiter der Betreiberfirma strafbar gemacht haben, sei bisher aber noch nicht abzusehen, so Hommes.

Am Donnerstag vor einer Woche war aus einem Endlagertank der Biogasanlage eine riesige Menge sogenannter Gärreste ausgelaufen. Geschätzte zwei Millionen Liter des dünnflüssigen Schlamms haben sich über das gesamte Betriebsgelände ergossen und sind über ein benachbartes Feld zum größten Teil in den sogenannten Lankegraben geflossen. Der mündet nur etwa 500 Meter weiter an der Lanke direkt in den Ruppiner See.

Zwischen Anlage und Lankegraben haben die Betreiber inzwischen die oberste, besonders belastete Bodenschicht abtragen lassen. Das Gelände steht teilweise unter Wasser. Quelle: Reyk Grunow

Mit Sand haben Feuerwehr und Mitarbeiter der Biogasfirma den Graben am Bahndamm neben der Biogasanlage versperrt und versucht, so die giftigen Gärreste aufzuhalten. An der Wuthenower Landstraße hat eine Firma den Graben zusätzlich abgedichtet, so dass kein Wasser mehr aus Richtung Biogasanlage in den Ruppiner See fließen konnte.

Seit einer Woche sind Tankwagen rund um die Uhr dabei, das Wasser aus dem Graben abzupumpen. Doch die Fahrzeuge können allein kaum so riesige Wassermassen bewältigen. In dem Graben sammelt sich das Wasser aus den gesamten umliegenden Wiesen. Sobald es regnet, stehen die weit und breit knietief unter Wasser, weil der Abfluss versperrt ist.

Gewässerverbände baggern Reste des Schlamms aus dem Graben

Holger Lettow vom Gewässerunterhaltungsverband Oberer Rhin/Temnitz hofft, dass der Durchlass zum Ruppiner See möglicherweise schon am Freitag wieder geöffnet werden kann. Sein Verband ist für die Pflege des Grabens verantwortlich. Mit Baggern haben Lettows Kollegen in den vergangenen Tagen versucht, die Gärreste weitestgehend aus dem kleinen Gewässer zu entfernen. „Überall hat sich der Gärschlamm auf der Sohle abgesetzt“, sagt Lettow. Die muss abgebaggert werden. Die Umweltbehörde hat dazu zusätzlich Verstärkung vom Wasser- und Bodenverband Fehrbellin angefordert. Die Bagger sollen am Freitag fertig werden.

Unterdessen hat die Betriebs­firma augenscheinlich rund um die Biogasanlage den von Gärschlamm durchtränkten Boden abtragen lassen. Genau wie das abgepumpte Wasser soll der als Dünger auf den umliegenden Feldern verteilt werden. Denn die Gärreste aus der Biogasanlage sind dafür grundsätzlich zugelassen.

Seit mehr als einer Woche pumpen Tankwagen inzwischen fast ohne Pause Wasser aus dem sogenannten Lankegraben ab. Quelle: Reyk Grunow

So hoch konzentriert, wie der Schlamm ausgelaufen ist, gilt er trotzdem als hoch gefährlich. Das bestätigte auch der Umwelttoxikologe Werner Kratz. Der stellvertretende Landeschef des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) hat lange für das Landesumweltamt gearbeitet und ist Privatdozent an der Freien Universität Berlin. Er hat sich eingehend mit den flüssigen Resten der Biogasproduktion befasst. „Viele Betreiber unterschätzen die Gefahr“, sagt er.

Bei der Biogasproduktion werden Giftstoffe aus den Rohstoffpflanzen wie Mais oder Gras immer weiter angereichert. In den flüssigen Gärresten liegen solche Umweltgifte deshalb in sehr viel höherer Konzentration vor als in den Pflanze auf dem Feld, sagt Kratz. Wenn eine so riesige Menge Schlamm ausläuft wie in Wuthenow, ist das aus seiner Sicht eine große Gefahr für das Grundwasser. Noch größer aber ist das Risiko für den Ruppiner See. Der Schlamm aus Biogasanlagen ist sehr reich an Nährstoffen. Gelangen die in den See, kommt es zu einem massenhaften Algenwachstum und Fischsterben. Immer wieder kommt so etwas an deutschen Biogasanlagen vor.

Viele Unfälle mit Biogasanlagen

Im Land Brandenburg gab es Ende 2016 laut dem Landesamt für Umwelt 484 Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung von zusammen 256 Megawatt.

Unfälle mit Biogasanlagen kommen in Deutschland immer wieder vor. Fachleute gehen davon aus, dass es in den vergangenen fünf Jahren zu mehreren tausend Havarien kam.

Eine landesweite Statistik über die Zahl der Unfälle gibt es in Brandenburg nicht. Zuständig sind hier die unteren Wasserbehörden bei den Landkreisen. Ihre Daten werden nicht zentral erfasst.

Einer der schwersten Unfälle im Land ereignete sich 2014 in Hessenhöhe in der Uckermark. Dort waren 3000 Kubikmeter Gärreste ausgelaufen. Der Fall beschäftigte auch den Landtag.

Holger Lettow geht davon aus, dass zumindest ein kleiner Teil des Schlammes aus der Biogasanlage bis in den Ruppiner See gelangt ist. „Wie viel, wissen wir nicht“, sagt er. Die Mitarbeiter der Firma „haben alles richtig gemacht“, ist Lettow überzeugt. Der Schaden konnte so eingegrenzt werden. Was auch immer in den See gelaufen ist, wurde offenbar so stark verdünnt, dass Lettow nicht mit größeren Folgen rechnet. „Sonst hätten wir jetzt schon ein Fischsterben“, sagt er. Dafür gibt es aber keine Anzeichen.

Wenn es nach Lettow geht, müssten Anlagen wie die in Wuthenow einen Schutzwall oder ein Auffangbecken haben, die im Fall des Falles den auslaufenden Schlamm auffangen könnten. Doch so sinnvoll solche Einrichtungen wären: „Rechtlich erforderlich sind sie nicht“, sagt Britta Avantario von der Kreisverwaltung in Neuruppin. Nahezu nie werden beim Bau von Biogasanlagen solche Auflagen erteilt. Nach Informationen der Kreisverwaltung arbeitet der Betreiber der Wuthenower Anlage freiwillig an Plänen für solch einen Schutz. Abgeschlossen seien die Planungen aber noch nicht.

Vom Unternehmen selbst war bisher keine Stellungnahme zu dem Unfall zu bekommen.

Von Reyk Grunow

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