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Stadt als Beispiel für gelingende Stadtsanierung

Rheinsberg Stadt als Beispiel für gelingende Stadtsanierung

Mehr als 100 Denkmalschutz- und Städtebauexperten aus ganz Deutschland schauten sich gestern in Rheinsberg um. Beim „problemorientierten Stadtrundgang“ besuchten die Gäste des Bundes viele Vorzeige-, aber auch Schwachstellen der Stadt, in der in vergangenen Jahrzehnten 24 Millionen Euro für die beispielhafte Sanierung ausgegeben wurden.

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Jörg Möller vom Verein Stadtgeschichte Rheinsberg führt Städtebauexperten aus dem gesamten Bundesgebiet durch die Prinzenstadt.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Berlin? Potsdam? Pah. Die Provinz ist in und Rheinsberg stiehlt den Hauptstädten die Show – als Beispiel par excellence für eine kleine Kommune mit guten Entwicklungstendenzen und großem Potenzial. Anstatt in die Metropolenregion zu fahren, entschieden sich die hochkarätigen Gäste des Kongresses Städtebaulicher Denkmalschutz, zu dem das Bundesbauministerium Experten aus ganz Deutschland geladen hatte, für ein Werkstattgespräch in der Kleinstadt.

Die hatte damit zwar nicht gerechnet, wurde aber ihrer Rolle als Musterschüler gerecht: Statt eines problemorientierten Stadtrundgangs stampfte sie für diesen Mittwochvormittag zwei aus dem Boden und bot auch noch eine Schiffsfahrt an, damit alle die Stadt erkunden können, schleppte stapelweise Stühle in die Remise, zauberte zusätzliche Tickets für die Touren. „Wir haben gedacht, dass 30, 35 Teilnemer zu uns kommen“, sagt der Rheinsberger Stadtentwicklungsreferent Thomas Lilienthal, der wegen der Hitze noch nebenher eine Tauschstation für Mineralwasserflaschen organisiert. „Jetzt sind es 108.“

Förmlich überrannt wurde Rheinsberg bei der Veranstaltung

Förmlich überrannt wurde Rheinsberg bei der Veranstaltung: Statt wie gedacht einiger weniger Teilnehmer bei der Themenwerkstatt in der Prinzenstadt, kamen am Ende über 100 Gäste. Stadtentwicklungsreferent Thomas Lilienthal sorgte für mehr Führungen – und wegen der Wärme für Wassernachschub beim Stadtrundgang.

Quelle: Celina Aniol

Was zieht aber die Vertreter der Bundes- und Landesministerien, die Denkmalschützer- und -pfleger aus Dresden, München, Regensburg und dem Norden der Republik sowie die über 40 Stadtplaner aus dem gesamten Bundesgebiet ausgerechnet nach Rheinsberg? „Von den drei Standorten für die Werkstattgespräche schien mir der hier der interessanteste zu sein“, sagt eine Ministeriumsvertreterin aus Bayern auf dem Schlossparkgelände. Ihre Begleiterin nickt zustimmend. Sie vertritt zwar ein anderes Bundesland, aber die beiden Frauen sind sich einig: Städte wie Berlin oder Potsdam bilden absolute Ausnahmen, die bei ihrer Arbeit solitär betrachtet werden müssen. Das Gros des Tages haben sie stattdessen mit mittleren oder kleinen Städten zu tun, die völlig andere Voraussetzungen haben und deren Entwicklung anderen Regeln folgt als die Hauptstadtregion. „Da ist es spannend, einfach mal mitzubekommen, wie eine positive Entwicklung vonstatten geht.“

Selbstredend war das Schlossgelände ein Pflichtpunkt für den Tross der Experten

Selbstredend war das Schlossgelände ein Pflichtpunkt für den Tross der Experten.

Quelle: Celina Aniol

Primus Rheinsberg? Wer die bröckelnden Bürgersteige in den Nebenstraßen der Prinzenstadt vor Augen hat, vergisst zuweilen, wie Rheinsberg vor 25 Jahren ausgesehen hat. Insgesamt 24 Millionen Euro Städtebaumittel wurden seitdem in der Kernstadt verbaut, berichtet Monika Platz von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft, die die Sanierung Rheinsbergs seit 1993 begleitet, in dem Werkstattgespräch mit dem Titel „Rheinsberg: Menschen in Bewegung“. 10,7 Millionen sind in die Erneuerung von mehr als 100 Gebäuden und 8,7 Millionen in die Straßeninfrastruktur geflossen. Als einziger Stadt in Brandenburg sei es Rheinsberg dabei gelungen, eine Seepromenade zu errichten, die es früher nicht gab. „Wir hatten hier den Glücksfall, dass die Bürger mitgemacht haben und ihre wertvollen Grundstücke am See an die Stadt verkauft haben“, so Monika Platz. Ein absoluter Einzelfall, der für einen Tourismusaufschwung sorgte, anderswo aber nicht funktioniert. „In Fürstenberg haben sie uns den B-Plan aus dem Bauamt geklaut, um das zu verhindern.“

Am Ausgangspunkt der Uferpromenade machte Detlef Fuchs, Kustos am Schloss Rheinsberg, auf die Vorteile und Nachteile des neuen Durchgangs zum Sch

Am Ausgangspunkt der Uferpromenade machte Detlef Fuchs, Kustos am Schloss Rheinsberg, auf die Vorteile und Nachteile des neuen Durchgangs zum Schlossgarten aufmerksam.

Quelle: Celina Aniol

Bei den Sanierungsbestrebungen habe sich auch die Stadt ins Zeug gelegt – und tue es immer noch, auch wenn sie dabei mit ihrer Größe, die mit der von Bremen vergleichbar ist, an ihre Grenzen stößt. Denn zum Beispiel bei dem Umbau von einer ganzen alten Häuserzeile zum neuen Rathaus muss sie trotz Fördergeld hohe Eigenanteile aufbringen. Und bei einem 7,7-Millionen-Euro-Projekt ist das keine Kleinigkeit. Dass das für eine kleine Kommune anspruchsvoll ist, zeigen die „Boahs“ in den Gästereihen bei der Nennung der Summe. Substanz ist das eine. Sie allein macht aber keinen Ort lebendig und lebenswert. Deshalb hat die Stadt zu dem Gespräch auch Praktiker geladen. Hoteldirektor Peter Vogt vom barrierefreien „Haus Rheinsberg“ und Keramiker Karl Fulle erzählen, welche Rolle ihre Branchen bei der Stadtentwicklung spielen. Sie berichten aber auch von teils überwundenem, teils bestehendem Streit zwischen dem Denkmalschutz und den Bedürfnissen derjenigen, die versuchen, die Stadt weiter voranzubringen.

Hoteldirektor Peter Vogt vom barrierefreien „Haus Rheinsberg“ erzählte von dem Glück, einen Standort für das Hotel  mitten in Rheinsberg g

Hoteldirektor Peter Vogt vom barrierefreien „Haus Rheinsberg“ erzählte von dem Glück, einen Standort für das Hotel mitten in Rheinsberg gefunden zu haben, aber auch davon, wie sehr die Stadt von seinem Haus profitiert.

Quelle: Celina Aniol

Wie sieht aber eine Stadt aus, in der wohl vieles in den vergangenen Jahrzehnten richtig gemacht wurde, in der sich die Bewohner gemeinsam Gedanken über das Gedeihen ihrer Kommune machen, die das Schrumpfen ihrer Bevölkerung eindämmen konnte, die sich trotz der Investitionen aus dem Minus in der Kasse herausarbeitet und durch neue Betriebe einigen Bürgern wieder eine Perspektive auf gutes Auskommen bietet? Sonnig und schon allein dadurch einladend präsentiert sie sich den Kongressbesuchern bei dem Stadtrundgang. Allein: Die Zeit drängt.

In einer Stunde werden zwei Gruppen mit je etwa 50 Teilnehmern an die Vorzeigestellen geführt. Sie besuchen den Geigenbauer Jan Dayß und Katrin Wagner in ihrer Marmeladenmanufaktur. Die beiden sind noch nicht lange in der Stadt – und damit Paradebeispiele, dass Rheinsberg auch wieder für Jungunternehmer attraktiv ist. Das liege an der Position der Stadt als Touristenhochburg, sagt Thomas Lilienthal. „Aber auch daran, dass die Menschen merken, dass ihnen hier nicht absichtlich Hürden in den Weg gelegt werden.“

Katrin Wagner präsentierte ihre Marmeladenmanufaktur mitten in der Altstadt selbst

Katrin Wagner präsentierte ihre Marmeladenmanufaktur mitten in der Altstadt selbst.

Quelle: Peter Geisler

Auch im Keramikmuseum von Hendrik Schink und im „Haus Rheinsberg“ gibt es Lob. Für Fragen und Auseinandersetzungen mit Feinheiten bleibt bei dem problemorientierter Spaziergang wenig Zeit. Erst auf der Schiffstour gehen die Teilnehmer weiter ins Detail. Hauptthema: Wie und warum leistet sich Rheinsberg den neuen Rathaus-Komplex? Mit der bewussten Entscheidung gegen einen Neubau am Stadtrand und für die Altstadt nehme die Kommune ihre Verantwortung als Motor der Entwicklung wahr, sagt Thomas Lilienthal. „Ein solcher Schritt belebt weiter die Innenstadt.“ Da auch die Straßen in dem neuen Verwaltungskarre ausgebaut werden, profitieren von der Entscheidung außerdem diejenigen, die von Touristen mit Handicaps leben.

Berlin? Potsdam? Das Bilderbuch für Städteplaner liegt woanders.

Jörg Möller, Vorsitzender des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg, verdingte sich an diesem Mittwochvormittag neben Hans-Norbert Gast als Stadtf

Jörg Möller, Vorsitzender des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg, verdingte sich an diesem Mittwochvormittag neben Hans-Norbert Gast als Stadtführer. Er zeigte seinen Gästen unter anderem die alte Häuserzeile in der Seestraße, die derzeit saniert wird und sich ab 2017 in ein neues Rathaus der Prinzenstadt verwandeln soll.

Quelle: Celina Aniol

Von Celina Aniol

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