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Ostprignitz-Ruppin Rheinsberger Stadtschreiber verabschiedet sich
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14:30 25.06.2015
Thomas Rosenlöcher bei der Lesung in Rheinsberg. Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Texte von Thomas Rosenlöcher zu lesen, sei wie ein Glas Sekt zu trinken, habe einmal in einer seiner Rezensionen gestanden. Peter Böthig, Leiter des Rheinsberger Tucholsky-Museums, warnt die Motorisierten unter den 25 Zuhörern vor, die am Mittwochabend zur Abschlusslesung des 41. Rheinsberger Stadtschreibers gekommen sind. Immerhin habe der Autor bereits zu DDR-Zeiten sächsische Heiterkeit in die Dichtung gebracht. Schnell zeigt sich, dass die Rezension nicht gelogen hat.

Er habe „ein bisschen Pech mit Rheinsberg gehabt“, bekennt der Mann mit der weißlockigen Künstlermähne und Intellektuellenbrille in sympathischem Sächsisch. Übermotiviert sei er gewesen, so voller Pläne, dass eine anfängliche Schreibblockade nicht zu verhindern war. Als die endlich vorbei war und Euphorie aufkeimte, warf es den 67-Jährigen aufs Krankenlager: Sommergrippe, mehrere Monate habe er das Bett gehütet. Immerhin reichte die verbliebene Zeit, um Rheinsberg so richtig ins Herz zu schließen. „Wieso bin ich denn früher nach Mecklenburg gefahren, um Seen zu sehen“, fragt er und bringt bereits in seiner Vorrede die Zuhörer zum Glucksen.

Die angekündigte Titelstory „Wie ich den Horch und Guck ins Haus holte“ liest er nicht. Zu lang, begründet er. Und zu unfertig. Er startet mit „Auch Sie müssen sterben, Herr Rosenlechner“ – eine kleine feine Prosa über die Spezies Lebensversicherer. „Blass und schmal, wie er war, hielt ich ihn für den Tod“, liest Rosenlöcher mit feinem Humor. Dass er viel Lyrik schreibt, wird nur allzu deutlich in Bildern wie „wo das Meer die Elbe austrank“ oder „der Scheidungsgrund streut die Blumen“. Das ist Poesie, das ist Wortwitz und Sprachlust – es ist feine Beobachtungsgabe und ein gerüttelt Maß Lebensweisheit. Überdies ist Rosenlöcher ein wunderbarer Vorleser, der wie ein Mime in seine Figuren schlüpft. „Der Tod belebte sich“, liest Rosenlöcher und lässt die Geldgier in den Augen des Vertreters fühlbar werden.

Es folgt ein Gedicht, „zu dem ich mich selbst immer ermuntern muss.“ Er habe Probleme, es richtig zu verstehen – nicht nur infolge der komplizierten Grammatik, lässt er die Zuhörer schmunzelnd wissen und versichert, dass das bei Lyrik ganz normal sei, das müsse man durchhalten.

Gekicher im Saal. Das ebbt auch nicht ab, als der Autor über „das genitale Freiheitsgefühl endloser Sommertage“ schwadroniert – eine Ode auf das FKK zu DDR-Zeiten, mit dem leisen Bedauern, dass die „textile Falle“ immer mehr zunimmt. Noch nicht einmal 20 Euro würden als Bestechungsgeld für die Enkel genügen, um „nackisch“ in die Ostsee zu hüpfen, klagt er.

Eine Elegie auf die immer mehr zunehmenden Freizeitsportler im einstmals idyllischen Refugium Wald erheitert, dann vermittelt Rosenlöcher ein Bild seiner Heimatstadt Dresden. „Das Zentrum von Dresden? Immer da, wo ein echter Dresdener ist“, erklärt er einem genervten Phaeton-Fahrer. „Ich habe mir von einem Griechenkenner die richtige Aussprache bestätigen lassen“, sagt der Sachse augenzwinkernd. Ferdinand Piech hingegen spräche immer von „Phättong“. Lachsalven branden auf, als er den Kampf schildert, den er im DDR-Dresden um einen Kasten Radeberger führte. „Ich riss den gefundenen Kasten hoch und er wurde immer leichter, bis er mir gegens Kinn knallte“ – so schnell hätten die Umstehenden die begehrten Exportflaschen aus der Kiste gerissen. Zum Trost bestellt er Jahre später dann gleich drei davon in einem Lokal. „Wo denn seine zwei Begleiter seien?“, fragte die Bedienung. „Mangelsyndrom aus Ostblockzeiten“, erwidert er. Und „Vorratshaltung, falls der Westen zusammenbricht.“

Von Regine Buddeke

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