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Städtebauliche Chance für Kyritz

Möglicher Abriss von DDR-Kaufhalle Städtebauliche Chance für Kyritz

Würde die DDR-Kaufhalle im Kyritzer Altstadtzentrum abgerissen werden, wäre der Platz frei für eine neue Bebauung, die wieder an die Straßenfront heranrücken könnte. Dort standen bis Ende der 1970er Jahre wertvolle Fachwerkhäuser. Ihre Wiedererrichtung scheint zwar unmöglich zu sein, aber es gibt ähnlich gute Überlegungen.

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An der Johann-Sebastian-Bach-Straße, einst Wilhelmstraße, standen bis zu ihrem Abriss 1977 diese vier Giebel- und Traufenhäuser.

Quelle: Archiv Herbert Brandt

Kyritz. Nachdem kürzlich bekannt wurde, dass der Betreiber des Kyritzer Innenstadt-Supermarktes „J. u. K. Kersten“ sein Geschäft bald aufgibt und dazu auch noch ein Verkauf der von Kersten gemieteten Immobilie bevorsteht, handelte die Stadtverwaltung zügig: Sie empfahl den Stadtverordneten, einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan zu fassen. Damit soll abgesichert werden, dass dieses Areal auch zukünftig als ein Standort für die Nahversorgung im Stadtzentrum genutzt wird. Weil in dem Zusammenhang nun aber auch ein Abriss des Flachbaus aus DDR-Zeiten und ein anschließender Neubau nicht unmöglich sind, erinnern sich einige Kyritzer an das frühere Straßenbild an dieser Stelle. Sie sehen die städtebauliche Chance, diese Flucht zurückzugewinnen.

Schon vor einem Jahr hatte sich etwa der Holzhausener Hartmut Hanke mit seiner Idee einer auf diese Fläche hin „erweiterten Klosterviertelplanung“ an den Förderverein Klosterviertel gewandt. Hanke, der seit Jahren mit seinem Verein „Lokale Agenda 21“ für mehr Bürgerbeteiligung in Kyritz stritt, stieß mit seinem Vorschlag jedoch auf wenig Gegenliebe.

Der Giebel fiel auf Gehweg und Straße herab

Nun erinnert sich auch Stadthistoriker Herbert Brandt an die für Kyritz seinerzeit bedeutenden Fachwerkhäuser an dieser Stelle. Brandt, damals noch aktiver Feuerwehrmann, musste mit ausrücken, als am Sonntag, dem 19. Mai des Jahres 1968, gegen 13 Uhr der Dachstuhl des linken Hauses einstürzte. Der Giebel fiel wenig später auf Gehweg und Straße herab. Zehn Jahre darauf folgte auch der Abriss der drei benachbarten, kaum weniger maroden Gebäude. An ihrer Stelle entstand eine Parkplatzreihe und dahinter die Kaufhalle.

Schaulustige verfolgten 1968 den Einsatz der Feuerwehrleute

Schaulustige verfolgten 1968 den Einsatz der Feuerwehrleute.

Quelle: Archiv Herbert Brandt
Der Giebel fiel herab, nachdem der Dachstuhl eingestürzt war

Der Giebel fiel herab, nachdem der Dachstuhl eingestürzt war.

Quelle: Archiv Herbert Brandt

„Der städtebauliche Schandfleck müsste unbedingt korrigiert werden. Für eine Stadt mit historischem Stadtkern ist dieser Anblick kein Aushängeschild“, sagt Brandt mit Blick auf eine mögliche neue Entwicklung auf dieser Fläche. Parkplätze für einen neuen Lebensmittelversorger könnten im dann entstehenden Hofbereich geschaffen werden.

Schon in der Erklärung zum jüngsten Stadtverordnetenbeschluss heißt es, dass der „Neubau eines den vorhandenen Gegebenheiten entsprechend größeren Lebensmittelmarktes“ möglich ist. In diesem Fall hält es selbst Inge Olbrecht von der Kyritzer Bauverwaltung nicht für unmöglich, wie sie sagt, „die Quartierskante wieder an der Straße entlangzuführen“. Einen originalgetreuen Wiederaufbau der Fachwerkhäuser sieht sie dabei allerdings nicht. Wohl aber gibt es Regelungen wie etwa Paragraf 34 des Baugesetzbuches, wonach es hinsichtlich von Bauvorhaben im Innenbereich heißt, dass sich der eventuelle Neubau in die Umgebung einfügen muss. „Verstärkend kommt an dieser Stelle die Denkmalbereichssatzung hinzu“, ergänzt Inge Olbrecht, die im Rathaus explizit für den Bereich Stadtentwicklung, aber auch „Freiraumgestaltung“ zuständig ist. Demnach wäre schon ein Viergeschosser beispielsweise tabu.

Wo einst die Häuser standen, befinden sich heute Supermarkt-Parkplätze

Wo einst die Häuser standen, befinden sich heute Supermarkt-Parkplätze.

Quelle: Matthias Anke

Überdies jedoch könne zum jetzigen Zeitpunkt keine weitere Aussage getroffen werden. Es würde „sicherlich vieles abzustimmen geben“, käme es tatsächlich zu Abriss und Neubau. Von allen Beteiligten müssten dann wohl auch Kompromisse eingegangen werden.

Von Matthias Anke

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