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Stärke mit deutlich weniger Gestank

Vertreter der Kyritzer Bürgerinitiative und der Emsland Stärke GmbH kamen zusammen Stärke mit deutlich weniger Gestank

Nein, völlig geruchsneutral ist die Stärkeproduktion in Kyritz noch immer nicht - und sie wird es vielleicht auch nie sein. Aber in den vergangenen Jahren hat sich die Belastung der Stadt und der umliegenden Orte deutlich vermindert. Diesen Erfolg hält sich zumindest zu einem gewissen Teil auch die Kyritzer Bürgerinitiative (BI) "Stärke ohne Gestank" zugute.

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Schon seit 1999 trifft man sich zweimal jährlich am Sammelbecken bei Blechern Hahn.

Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Die BI versteht sich als eine Art Anwalt der Bürger gegenüber der Emsland Stärke GmbH. Am Sonnabend kamen ihre Vertreter am Fruchtwassersammelbecken bei Blechern Hahn mit denen der Stärkefabrik zusammen - wie schon seit 1999 zweimal jährlich. Wie immer ging es darum, die Einhaltung von Abmachungen und Vorgaben zu überprüfen, und um den Austausch.

Ganz zufrieden ist die BI diesmal nicht. Im Sammelbecken finden sich Abwässer der Stärkeproduktion. Kaum mehr als ein Bodensatz, aber immerhin. "An sich darf das Becken erst ab 1. November befüllt werden", monierte Hans-Jürgen Päzolt von der BI. Werksleiter Stefan Hannemann sieht das anders: "Da gibt es keine gesetzlichen Auflagen. Es gibt nur eine Regelung, wann Fruchtwasser nicht auf die Äcker ausgebracht werden darf." Untersagt ist das beispielsweise in der Vegetationspause so ab Februar und bei Frost. Zwar sei das Speicherbecken sonst stets erst ab November gefüllt worden, so Hannemann, doch laufe es in diesem Jahr ein wenig anders. "Aufgrund der Witterungslage macht es ökologisch keinen Sinn, jetzt Fruchtwasser auszubringen." Es sei einfach zu feucht. Und auch der diesjährige Verlauf der Kartoffelernte spiele eine Rolle.

Richtig einig wurde man sich am Sonnabend nicht, ob das Vorgehen legitim ist. Beide Seiten wollen das überprüfen. Dessen ungeachtet sei die Belastung ja deutlich zurückgegangen, so Hannemann - auch wegen eines neuen Geräts, des "Terragators", der die stickstoffhaltigen Abwässer auf dem Acker verteilt und im gleichen Zuge den Boden umbricht. "Die Beschwerden, die in der Fabrik ankommen, sind gleich Null", berichtete Hannemann. "So gut ist es noch nie gelaufen."

Das bestätigt auch BI-Vertreter Peter Ackermann: "Gerade wir in Rüdow waren ja eigentlich immer sehr gebeutelt. Aber diesmal geht' s." Der Vertreter der Stärkefabrik sieht dafür noch einen weiteren Grund: Gerade erst habe das Unternehmen rund 450.000 Euro in neue Technologien zur effektiveren Abscheidung von Eiweiß aus dem Kartoffelwasser investiert. Vor allem das Eiweiß sorgt bei seiner Zersetzung für den unangenehmen Geruch. Zugleich ist es aber auch ein wertvoller Rohstoff. "So hat die neue Anlage auch betriebswirtschaftlich einen Sinn für uns", sagt Hannemann.

Probleme sieht er gegenwärtig vor allem bei der Rohstoffversorgung der Fabrik. Immer weniger Kartoffeln werden in der Region angebaut. "Das Problem sind die Energiepflanzen: Mais, Mais, Mais", klagt Hannemann. "Das geht allen Kartoffelstärkestandorten in Deutschland so." Zwar erziele auch die Kartoffel gute Preise, aber der Arbeitsaufwand für ihren Anbau sei deutlich höher. Derzeit arbeite man an neuen Modellen zur Kooperation mit den Landwirten. "Wir müssen sie überzeugen."

Ein weiteres Sorgenkind des Unternehmens und auch der Stadt Kyritz sind die Transporte zur und von der Fabrik. Sie laufen praktisch ausschließlich über die Pritzwalker Straße. Schwere Fahrzeuge, die holprige Fahrbahn und die dichte Bebauung passen schlecht zusammen. Als Vertreter der Bürgerinitiative und vor allem als Stadtverordneter bot Franz Conraths der Emsland Stärke GmbH politische Unterstützung bei der Suche nach einer Lösung an. Die Hoffnung liegt derzeit auf dem irgendwann fälligen Bau eines Kreisverkehrs an der Kreuzung von Pritzwalker Straße und B5: Vielleicht ließe sich in dem Zuge die Trasse des alten Betriebsgleises zum Zubringer umfunktionieren.

Sollten Fruchtwassertransporte in der Region zu ungerechtfertigten Belästigungen führen, so bittet die Emsland Stärke GmbH um direkte Benachrichtigung (033971/680) mit Uhrzeit und Kfz-Kennzeichen des betreffenden Transportes.

Von Alexander Beckmann

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