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Ostprignitz-Ruppin Stammtisch diskutiert über Windenergie
Lokales Ostprignitz-Ruppin Stammtisch diskutiert über Windenergie
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17:08 27.06.2017
Alexander Dieck (Mitte) moderierte den Stammtisch, wo auch Aktivistin Charis Riemer (2. v. l.) zu Wort kam. Quelle: Fotos: Christian Bark
Wittstock

Weil die Vor- und Nachteile der Energiewende insbesondere im Nordwesten Brandenburgs immer wieder Thema heftiger Debatten sind, hat der Stammtisch des Radiosenders Antenne Brandenburg in diesem Monat in Wittstock stattgefunden.

Im Publikum saßen Vertreter aus Politik und Verbänden. Quelle: Christian Bark

Unter dem Motto „Geht der Windkraft im Nordwesten Brandenburgs die Puste aus?“ diskutierten am Montagabend Vertreter von Interessensverbänden, Politik und Anwohner in der Aula des Gymnasiums über die Auswirkungen der Energiewende auf die Planungsregion Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel. Antenne-Moderator Alexander Dieck hatte dazu Klaus Freytag vom Landeswirtschaftsministerium, den Leiter der Regionalen Planungsstelle Prignitz-Oberhavel, Ansgar Kuschel, Jan-Hinrich Glahr vom Bundesverband Windenergie sowie Charis Riemer vom Aktionsbündnis „Gegenwind PR-OPR-OHV“ zum Gespräch geladen. Aber auch Gäste aus dem Publikum, wie Heiligengrabes Bürgermeister Holger Kippenhahn, kamen zu Wort. Dieser monierte in diesem Zusammenhang, dass die Kommunen viel Geld in die Hand nehmen müssten, damit zunächst aktuelle Gutachten möglicher Bebauungsflächen über schützenswerte Tierarten erstellt würden.

2. Entwurf des Regionalplans

Der zweite Entwurf des Regionalplans sieht eine Bebauung von 9600 Hektar Fläche in der Planungsregion vor. Er diente als Bezug für den Stammtisch.

Ziel der Landesregierung ist es, bis 2030 zwei Prozent der Landesfläche als Windeignungsgebiet auszuweisen – regionale Unterschiede sind möglich. Gegner der Strategie befürworten eher leistungsstarke Anlagen auf weniger Fläche.

Videomitschnitt des Stammtisches auf Facebook hier.

Dass zunächst einmal die Gesundheit des Menschen im Mittelpunkt stehen müsse, forderte Charis Riemer . Sie verwies darauf, dass die Auswirkungen des Infraschalls auf den menschlichen Körper noch nicht erforscht seien. Wenig Gefahr maß Jan-Hinrich Glahr dem Infraschall zu, der ohnehin um die Menschen herum existieren würde.

Anwohner wie Jürgen Kontak aus Zootzen äußerten Sorgen über zu nahe an Siedlungen gebaute Windparks. Quelle: Christian Bark

Dass das Thema „Sprengstoff“ ist, zeigten auch die zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum. So bekräftigte Jürgen Kontak aus Zootzen seine Sorge um gesundheitliche, aber auch finanzielle Auswirkungen eines geplanten Windparks in seiner Nähe. „Das mindert den Wert meines Grundstücks“, sagte er. Mehr davon haben hingegen die Grundstücksbesitzer, auf deren Boden die Anlagen gebaut werden, informierte der Neuruppiner Windparkplaner Christian Wenger-Rosenau. Während einige von der Energiewende profitieren, zahlen die Verbraucher in der Region die höchsten Netzentgelte Europas – was den Unmut in der Bevölkerung wachsen lässt.

Das RBB-Abendfernsehen interviewte interessierte Zuhörer wie Peter Krause. Quelle: Christian Bark

„Die Akzeptanz für Windkraft ist im Keller", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke. Das sei aber nicht nur die Schuld anderer Bundesländer, die sich gegen eine bundesweit gerechte Verteilung der unter anderem bei Überproduktion und Abschaltung der Anlagen entstehenden Kosten wehrten, sondern auch des Ex-Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel (SPD). Zusagen an die ostdeutschen Ministerpräsidenten seien nicht eingehalten worden. Steineke kritisierte zudem das Festhalten an der Ausweisung von zwei Prozent der Landesfläche als Windeignungsgebiet. Man solle sich mehr an Leistungsfähigkeit von Anlagen und weniger auf Fläche fixieren. Dem widersprach Klaus Freytag. Hinter der Flächenzahl stünden Leistungsberechnungen. Die zwei Prozent seien kein Dogma.

Zu den Zuhörern am Montag gehörte auch Peter Krause aus Fretzdorf. Eine Lösung für das Problem der hohen Netzentgelte habe er aus der Diskussion zwar nicht mitnehmen können, dafür sei ihm, auch mit Blick auf die Schilderung von Charis Riemer, umso mehr deutlich geworden, dass sich jeder Bürger aktiv in das Thema einbringen kann und sollte. Das war auch die Quintessenz im Schlussplädoyer aller Podiumsgäste.

Von Christian Bark

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