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Startschuss für Brecht-Stück

Netzeband Startschuss für Brecht-Stück

Das Hauptstück des diesjährigen Netzebander Theatersommers wird Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“. Es wird die erste eigenständige Regiearbeit des Jungregisseurs Sascha Mey. Vor einiger Zeit traf er zum ersten mal auf sein Ensemble und legte seine Pläne vor. Inzwischen hat sich viel getan

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Der junge Regisseur Sascha Mey sprüht vor Ideen für die Inszenierung.

Quelle: Regine Buddeke

Netzeband. Nun also Brecht. Nach Klassikern wie den Nibelungen, Faust, Shakespeare oder Peer Gynt wird es nun deutlich moderner: Mit „Der gute Mensch von Sezuan“ wagt sich der Theatersommer Netzeband an einen völlig neuen Stoff. Nicht, dass die Vorproduktionen nicht auch den Brückenschlag ins aktuelle Tagesgeschehen getan hätten. Aber Brecht ist noch ein ganz anderes Kaliber – das man sich in der weiten romantischen Naturkulisse des Gutsparkes erst einmal vorstellen muss.

Brechts Werk habe er schon in jungen Jahren kennengelernt, erklärt Frank Matthus, langjähriger künstlerischer Leiter des Theatersommers und nach wie vor bemüht um die Produktionen. Bereits in seiner Zeit in der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ habe er den „Baal“ gegeben und im Laufe der Jahre die klaren didaktischen Strukturen des berühmten Autors immer mehr schätzen gelernt. „Der gute Mensch von Sezuan“ sei gerade jetzt ganz aktuelles Theater – beschäftigt sich das Stück doch streng genommen mit Willkommenskultur. Und mit philosophischen Begriffspaaren wie gut und böse, ich oder die anderen, Idealist oder Kapitalist. „Am spannendsten finde ich, wie sich die Energie einer ganzen Stadt verwandelt, wenn Geld im Spiel ist“, schwärmt Frank Matthus.

Für die Regie hat Matthus einen jungen Regisseur gewonnen: Sascha Mey habe bereits als Regie­assistent am Krefelder Theater mehrere Produktionen mit ihm gestemmt. „Es wird sein erstes großes Stück sein, was er selber inszeniert“, sagt der Maskentheater-Erfinder und setzt Vertrauen in den 29-Jährigen. Ensemble und Regisseur haben sich bereits kennengelernt; Mey hat sogar schon erste Bühnenbildideen vorgestellt.

Die Kurzfassung des Stücks: Drei als Bettler verkleidete Götter wandern von Stadt zu Stadt, um die Menschen zu prüfen. Überall werden sie abgewiesen – auch in Se­zuan. Bis sie auf die Prostituierte Shen Te treffen. Sie – selbst arm wie eine Kirchenmaus – nimmt die drei auf. Gutmensch, der sie ist, nimmt sie sogar in Kauf, dass sie dann kein „Arbeitszimmer“ mehr hat. Die Götter danken es ihr mit einer großzügigen Geldspende, dank der sie ein Tabakgeschäft eröffnet. Schon stehen Bittsteller und Schnorrer vor ihrer Tür. Shen Te kann sie nicht abweisen. Bevor sie alles wieder verliert, erfindet sie in letzter Not ihr Alter Ego, den smarten Geschäftsmann Shui Ta. Der Ultra-Kapitalist sorgt dafür, dass die Bettler verschwinden, die Fabrik expandiert und floriert. Wo Shen Te das letzte Hemd verschenkt, geht Shui Ta über Leichen. Und mittendrin gibt es auch noch die Liebesgeschichte zwischen Shen Te und dem Piloten.

Erstes Treffen zwischen Team und Regisseur

Erstes Treffen zwischen Team und Regisseur.

Quelle: Regine Buddeke

„Ein guter Stoff, mit vielen spannenden Rollen“, verspricht Mat­thus. Die Doppelrolle Shen Te/Shui Ta – so viel ist bislang klar – spielt Daria Monciu, die im Vorjahr Peer Gynts Solveig mimte und auch im Familienstück die Hauptrolle der Elli übernimmt. Für die Masken und Kostüme konnte nach einer Pause Jana Fahrbach zurückgewonnen werden. Dirk Seesemann zeichnet für das Bühnenbild. Ebenfalls in bewährter Tradition dabei ist Tanzpädagogin Gritt Maruschke. Sie sorgt für die Gruppenchoreografien und die werden in diesem Jahr eine völlig neue Dynamik bekommen. „Ich möchte, dass die Umbauszenen ins Geschehen integriert werden“, erläutert Sascha Mey. Im Fall des Fabrikbaus etwa sei das sehr gut machbar: als konzertierte gestaltete Aktion. Auch fürs Bühnenbild hat er schon Ideen. Etwa den sogenannten Brecht-Vorhang – den der Autor in seinen Stücken oft benutzt habe, um die Symbolik des Theaters quasi als Spiegel im Spiegel auf die Bühne zu holen. Es werde viele solcher Zitate geben, sagt Sascha Mey. Auf der Vorhangebene könne man mit Schatten arbeiten. Bei einbrechender Dunkelheit will er mit chinesischen roten Laternen für schöne Effekte und Tiefe in der Landschaft sorgen. „Und ich will viel Leuchtreklame“, sagt er. Als Symbolik für den voranschreitenden kapitalistischen Aufschwung Sezuans. „Und weil’s echt geil aussieht“, sagt Mey und grient.

Ein Bühnenbildentwurf

Ein Bühnenbildentwurf

Quelle: Regine Buddeke

Dagegen werden die Masken eher grau – die Protagonisten seien schließlich arm, argumentiert Mat­thus. Nichtsdestotrotz sollen die Kostüme knallig bunt werden. „Ein riesiges Farbspiel“, schwärmen beide weiter. Auf einer riesigen Zigarettenschachtel soll der Tabak-Kiosk prunken. Die spätere Fabrik soll durch Schlote in Form gigantischer Zigarren dargestellt werden.

Sascha Mey sprüht nur so vor Ideen und Visionen, selbst wenn sie auf den ersten Blick eine Herausforderung sind. Seine drei Ziele: erstens Spielfreude. Da muss er sich bei den Netzebander Semi-Profis und auch den Laien keine Sorgen machen. Zweitens: starke Bilder. Und nicht zuletzt: ungekünstelte, echte Emotionen. „Ich freu mich extrem drauf“, sagt er mit leuchtenden Augen.

Von Regine Buddeke

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