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Statt Duo erstmals als Trio gespielt

Lindow Statt Duo erstmals als Trio gespielt

Susanne Ehrhardt und Matthias Eisenberg sind ein eingespieltes Team und in Lindow schon gute alte Bekannte. Am Sonnabend hatte die Flötistin und Klarinettistin ihre Tochter Thomia samt Fagott mitgebracht, die bereits mehrfache Preisträgerin beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ war. Gemeinsam spielten die drei das „verrückt-furiose“ Konzert „La Follia“.

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Susanne (l.) und Thomia Ehrhardt und Matthias Eisenberg.

Quelle: Buddeke

Lindow. Der Programm-Titel ist Methode. „La Follia“ ist portugiesisch und heißt übersetzt „übermütige Ausgelassenheit“ – aber auch Narrheit, Tollheit oder einfach nur verrückt. Wo ein Allegro „rasch, munter und heiter“ ist, ein Adagio „langsam und getragen“, ist die Follia närrisch und toll – gerade in der Barockmusik ist dieser Satztyp beliebt. Susanne Ehrhardt, ihre Tochter Thomia und Matthias Eisenberg haben sich „La Follia“ verschrieben – am Sonnabend gaben sie ein Konzert bei den Lindower Sommermusiken.

Gut 180 Menschen sitzen in der Kirche – weder die Flötenprofessorin Susanne Ehrhardt noch der ehemalige Gewandhausorganist Matthias Eisenberg sind in Lindow Unbekannte – sie bestritten schon etliche Konzerte gemeinsam und haben in ihrer langjährigen Zusammenarbeit bereits etliche CDs gemeinsam eingespielt. Das Publikum weiß also, was es mit den beiden bekommt: Ehrhardt ist für ihr beseelt-virtuoses Spiel genauso berühmt wie Eisenberg für sein Bach-Spiel begnadet ist – ganz zu schweigen von den legendären Improvisationen. Am Sonnabend warten so einige Überraschungen aufs geneigte Publikum.

Thomia Ehrhardt zwischen drei Fagotten

Thomia Ehrhardt zwischen drei Fagotten.

Quelle: Regine Buddeke

Schon, dass mit Thomia Ehrhardt erstmals eine Fagottistin mit im musikalischen Traumschiff sitzt, ist neu. Die junge Frau, die am Sonnabend eigentlich Abi-Ball gehabt hätte, ist mehrfache Bundes-Preisträgerin bei „Jugend musiziert“ und erhielt darüber hinaus Sonderpreise für eigene Kompositionen. Eine davon stellt sie vor, bespielt dabei drei Fagotte und oftmals zwei gleichzeitig. „Sie ist die eigentliche Überraschung des Abends“, sagt Kantorin Karin Baum, die die Musikreihe organisiert und die sich schon drei Jahre wünscht, das junge Talent in Lindow zu haben. Eine weitere Überraschung ist, dass Matthias Eisenberg nach einer knappen Stunde los muss – zum Kremmener Orgelsommer. Entsprechend fällt die normalerweise übliche Improvisationszugabe aus. Eisenberg überrascht auch bei seinem Orgel-Solo, einem Präludium und Fuge des Altmeisters Bach, seiner Leib- und Magenspeise. Üppig schwelgerisch das Ganze – wie immer ist es ein Genuss zu sehen, wie Füße und Hände des schweren Mannes ein nahezu schwereloses Eigenleben auf Tasten und Pedalen entwickeln und förmlich ins Fliegen geraten – jedoch beim letzen Akkord gibt Eisenberg den Schalk. Man kennt den Bach im Abgang, da wird lange und opulent jeder Ton vielfach und majestätisch zelebriert – so ausschweifend, dass man denkt, die Schlusssequenz geht nie vorbei. Eisenberg tupft lapidar einen Finger auf die Taste und Schluss. Keine Lust mehr? Oder der Schuss „La Follia“ – närrische Ausgelassenheit? Er lächelt dazu wie ein Lausbub. Und Susanne Ehrhardt demonstriert, dass eine Blockflöte nicht etwa nur ein Einstiegsinstrument für Grundschüler, sondern etwas für wahre Virtuosen ist. Besonders bei Sarasates furiosen Zigeunerweisen – filigranes Zwitschern, närrisch-ausgelassen.

Von Regine Buddeke

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