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Staunen über das Bildungssystem

Fehrbellin Staunen über das Bildungssystem

Drei Wochenlang nahm die 32-jährige Deutschlehrerin Alina Tadshibaewa aus Usbekistan im Rahmen eines Lehreraustauschs am Unterricht in der Fehrbelliner Oberschule teil. Dort werden 174 Schüler unterrichtet, an ihrer Schule in Usbekistan sind es 2000. Das ist nur einer von vielen Unterschieden im Schulalltag beider Ländern.

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Deutschlehrerin Alina Tadshibaewa zeigt an der Weltkarte, wo ihr Heimatland liegt – direkt unter Kasachstan, nicht weit von China.

Quelle: Peter Geisler

Fehrbellin. Es liegen Welten zwischen Deutschland und Usbekistan. Und das nicht nur, weil 6000 Kilometer beide Länder trennen. Auch die Kultur und das Schulwesen unterscheiden sich. Das hat Alina Tadshibaewa während ihres dreiwöchigen Aufenthaltes in Fehrbellin feststellen können.

Die 32-Jährige kommt aus der Industriestadt Margilan im Osten des Landes. Der Ort hat rund 150 000 Einwohner. Dort unterrichtet die Mutter eines 6-jährigen Jungen Deutsch an einer Schule mit 2000 Schülern. Die Fehrbelliner Oberschule hat gerade mal 174 Schüler, die von 15 Lehrern unterrichtet werden.

In Alina Tadshibaewas Schule in Usbekistan gibt es sie die Klassen eins bis neun, Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 16 Jahren, werden dort unterwiesen. Der Unterricht erfolgt in zwei Schichten, jeweils sechs Stunden. Beginn ist um 8 Uhr. Die Schule endet nach der zwölften Stunde um 17.15 Uhr – an sechs Tagen in der Woche. Nur am Sonntag ist schulfrei.

40 Schüler sind in jeder Klasse. Die haben zu gehorchen. Wie Alina Tadshibaewa erzählt, dürfen die Kinder während des Unterrichts nicht den Klassenraum verlassen und haben still zu sitzen, auch essen während des Unterrichts ist nicht erlaubt. „Dafür gibt es die Pause“, sagt die zierliche junge Frau. Sie ist seit zehn Jahren Lehrerin, ausschließlich für Deutsch.

Sie und zwei ihrer Kolleginnen sind über einen pädagogischen Austauschdienst nach Deutschland gekommen. Die 15 Deutschlehrer an ihrer Schule können sich abwechselnd für einen Austausch bewerben. Für Alina Tadshibaewa ist es nicht der erste Aufenthalt in der Bundesrepublik. Sie war schon im Nordrhein-westfälischen Rösrath und im Rheinland-pfälzischen Koblenz. Und nun in Fehrbellin.

„Es ist schön hier. Die Lehrer und die Schüler sind sehr nett“, sagt sie. Sie nimmt jeden Tag am Unterricht teil. Gewohnt hat sie in dieser Zeit bei einer Lehrerin. Durch den Familienanschluss hat sie auch die nähere und weitere Umgebung von Fehrbellin kennen gelernt, war in Berlin, Potsdam und an der Ostsee, wo es ihr besonders gut gefallen hat. Mit ihrer deutschen Kollegin Martina Strache hat sie Rheinsberg und Neuruppin besucht.

Auch Martina Strache ist von dem Austausch sehr angetan. „Man erfährt viel Interessantes.“ Und Alina Tadshibaewa viel Neues. Neben dem deutschen Bildungssystem ist auch das hiesige Essen, das sich von ihrer Heimat unterscheidet. „Wir essen viel Fleisch, besonders Lamm“, sagt sie. Sie habe sich mit der hiesigen Küche angefreundet.

Einmal über den eigenen Tellerrand zu gucken, bringt auch Alina Tadshibaewa beruflich Arbeit weiter. „Ich nehme einiges mit, was ich zu Hause anwenden kann.“ Allerdings müssen die Schüler in ihrer Heimat alle Fächer belegen; sie haben keine Wahlmöglichkeit. Sie selber hat zwei Jahre nach Schulschluss ihre Kenntnisse in russischer Literatur, Geschichte und Deutsch vertieft. Noch einen Vorteil habe der Austausch, sie könne ihre Sprachkenntnisse verbessern. Dazu hat sie in Usbekistan kaum Gelegenheit. Alle Fächer an ihrer Schule werden in russisch unterrichtet. Russisch ist, obwohl die Staatssprache usbekisch ist, besonders in den Bereichen Bildung und Wirtschaft weiterhin von großer Bedeutung. Dabei besteht die Bevölkerung nach offiziellen Angaben zu 71  Prozent aus Usbeken und nur zu fünf Prozent aus Russen. Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist muslimisch. Das Tragen von Kopftüchern ist laut Tadshibaewa in ihrer Schule untersagt.

Am Freitag ist sie wieder nach Hause geflogen, wo sie schon sehnsüchtig von ihrem kleinen Sohn erwartet wird. Und von ihren Schülern, die alles über ihren Aufenthalt in Fehrbellin wissen wollen.

Von Dagmar Simons

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