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Steiniger Weg für Rollstuhlfahrer

Schwieriges Pflaster in Wittstock Steiniger Weg für Rollstuhlfahrer

Andreas Ellfeldt kommt manchmal nur schwer durch die Wittstocker Innenstadt. Der Rollstuhlfahrer hat Probleme mit unebenem Altstadtpflaster. Er bewertet Straßen nach den Ampelfarben grün, gelb und rot.

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Bei seiner Fahrt durch Wittstock trifft Andreas Ellfeldt immer wieder Bekannte.

Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. Bei fünf Zentimetern wird es für Andreas Ellfeldt kritisch. Fünf Zentimeter tiefe Rillen zwischen der Gehwegpflasterung stellen für den Rollstuhlfahrer aus Wittstock eine Hürde dar - das entspricht der Höhe einer Streichholzschachtel.

Ellfeldt bleibt stecken und jongliert dann die Hinterräder seines Selbstfahrrollstuhls aus dieser Unebenheit heraus. Die MAZ begleitete nun den 55-Jährigen auf einer von ihm gewählten Route durch die Altstadt. Ziel dieser Tour: Schwachstellen aufdecken, an das Bauamt der Stadt weiterleiten und dort nach Lösungen suchen.

Um es vorweg zu nehmen. Andreas Ellfeldt bescheinigt der Altstadtsanierung in Wittstock gute Noten. Aus Sicht eines Rollstuhlfahrers ist der Bereich innerhalb der Stadtmauer „topp saniert und andere Städte können sich davon eine Scheibe abschneiden.“ Die parallel verlaufenen Platten auf vielen Fußwegen sind so verlegt, dass Rollstuhlfahrer, egal ob mit Selbstfahrrollstühlen oder Elek-troantrieb unterwegs, Personen mit Rollatoren oder auch mit Kinderwagen bequem vorwärts kommen.

Höchste Konzentration ist bei der Fahrt durch die Stadt gefragt

Höchste Konzentration ist bei der Fahrt durch die Stadt gefragt.

Quelle: Christamaria Ruch

Dennoch weisen bestimmte Straßenzüge und Bereiche Schwachstellen auf, die einem Fußgänger gar nicht als Hindernis auffallen. Grundsätzliches Problem sind die Hofeinfahrten entlang der Gehwege. Zu steil, zu große Abstände zwischen der Pflasterung, unebene Oberflächen der Steine und teilweise tiefe, ausgewaschene Zwischenräume. Die Faustregel: Je regelmäßiger und glatter die Form und Oberfläche eines Steines ist, umso besser kann ein Rollstuhl darüber fahren.

Andreas Ellfeldt sitzt seit einem Jahr im Rollstuhl. Seine Arbeit als Anlagenfahrer bei Kronoply in Heiligengrabe musste er von heute auf morgen aufgeben. Bei einer Operation im Herbst vergangenen Jahres traten Komplikationen auf. In Folge dessen wurden seine Beine gelähmt. Das linke Bein ist wieder bewegungsfähig, doch das rechte bereitet nach wie vor Sorgen. Seit Mai wohnt er in einer ASB-Seniorenwohngemeinschaft am Markt in Wittstock.

„Mein Ziel ist, wieder laufen zu können, egal, ob mit einer Gehhilfe oder Rollator“, sagt Andreas Ellfeldt. Er strahlt Offenheit aus – dies fällt auch bei der Tour durch seine Heimatstadt auf: Eine junge Frau sagt zu ihm: „Das ist gut, aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers die Stadt unter die Lupe zu nehmen. Früher bin ich mit dem Kinderwagen oft stecken geblieben und kann gut nachvollziehen, wie schwierig eine Fahrt im Rollstuhl sein kann.“

Hier geht’s nur mit viel Mühe weiter

Hier geht’s nur mit viel Mühe weiter.

Quelle: Christamaria Ruch

Wenn Andreas Ellfeldt nach dem Ampelsystem Straßenzüge und Einrichtungen bewertet, schneidet die Kirchgasse besonders gut ab und erhält einen grünen Punkt. Dort sind die Platten seiner Ansicht nach „ideal breit und vorbildlich verlegt.“ Ein Rollstuhl kann ungehindert darüber fahren. Links und rechts von den Platten ist auch das Pflaster gut verlegt. Wenn er die Tür seiner Wohngemeinschaft an der Kirchgasse verlässt, bleibt sein Rollstuhl aber zunächst stecken. Eine steil verlaufene Rinne zieht sich dort zur Regenentwässerung entlang. „Das ist keine gute Lösung“, urteilt er. Die Poststraße ist bis auf einzelne Hofeinfahrten gut passierbar. Das Kino Astoria ist seit September mit einem Außenlift ausgestattet und ermöglicht barrierefreien Besuch. „Das ist wirklich sehr gut“, so Ellfeldt. Einmal nutzte er schon dieses Angebot. Auch die beiden Kreditinstitute Sparkasse und Volks- und Raiffeisenbank sind barrierefrei. Die Deutsche Bank erreicht er über einen Klingelknopf. Dann kommt ein Mitarbeiter heraus und hebt seinen Rollstuhl über die Stufen. Diese Lösungen verdienen seiner Ansicht nach den grünen Punkt.

Gelber Punkt: Am neuen Marktplatz weist Andreas Ellfeldt auf die langen Entwässerungsrinnen hin. Er achtet an solchen Abschnitten immer darauf, schräg das Hindernis zu passieren, sonst bleibt er mit den Fußstützen stecken. In der Sankt-Marien-Straße müssten seiner Auffassung nach die Hofeinfahrten teilweise angehoben werden. Die Königstraße mit getrenntem Fuß- und Radweg bietet ausreichend Platz für Rollstuhlfahrer. Die Borde vom Fußweg sind dort entlang der Straße jedoch zu hoch, um auf die andere Straßenseite zu gelangen. Da tauchen die für Rollstuhlfahrer kritischen fünf Zentimeter Höhenunterschied auf. Im Rosenwinkel entlang der Bibliothek bis zur Stadtverwaltung wechselt der Gehwegbelag mehrmals. Die Wallanlagen jenseits der Stadtmauer sind bei trockener Witterung gut passierbar. Bei feuchter Witterung weicht der Untergrund auf und es besteht die Gefahr, dass der Rollstuhl dort einsackt.

Roter Punkt: Die Kettenstraße steuert Andreas Ellfeldt etwa an, wenn er zum Zahnarzt unterwegs ist. Zehn Hofeinfahrten muss er auf diesem Weg von der Kreuzung Kettenstraße/Gröperstraße aus überqueren. „Zu große Löcher und Abstände bei den Hofeinfahrten“, sagt Ellfeld. Dabei ruckelt sein Rollstuhl durch die vielen Erschütterungen hin und her, er wird durchgeschüttelt. Dabei besteht die Gefahr, dass er mit dem Gefährt wegrutscht. Ellfeldts rechtes, gelähmtes Bein, rutscht bei diesen Erschütterungen von der Fußstütze. Auch die Heiligegeiststraße mit Sitz der Stadtverwaltung erhält schlechte Noten. Der Fußweg ist zu schmal, der Übergang von der Gröperstraße zu steil und uneben. „Dort ist die Gefahr, mit dem Rollstuhl umzukippen.“ Nur in Höhe der Stadtverwaltung befindet sich ein abgesenkter Bord. „Allein ist diese Straße nicht passierbar, aber dort befindet sich mit der Stadtverwaltung eine öffentliche Einrichtung.“ Die Burgstraße wird wegen des Gefälles auf den Gehwegen zur Hürde. „Hier wurde das älteste Kopfsteinpflaster verarbeitet“, schätzt er ein. Dadurch bleibt er mit dem Rollstuhl oft hängen und muss mit dem Oberkörper die Erschütterungen ausgleichen. Erstmals unternimmt er auch eine Fahrt zum Museum. Doch das Kopfsteinpflaster gestaltet sich entlang der Straße Auf der Freiheit bis hin zum Torbogen als Hürde. Allein ist dieser Weg unpassierbar. Auch in der Schulgasse bleibt Andreas Ellfeldt trotz der Gehwegplatten stecken. Sie weisen einen zu großen Abstand auf, so dass nur ein Rad vom Rollstuhl dort entlang fahren kann.

„Ich bin erst Mitte 50 und habe ausreichend Kraft in den Armen, um allein unterwegs zu sein und dabei auch Unebenheiten auf den Wegen ausgleichen zu können. Wie ergeht es aber den Älteren, die auf fremde Hilfe angewiesen sind?“, fragt Andreas Ellfeldt.

Von Christamaria Ruch

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