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Stephanus-Werkstätten arbeiten an Großauftrag

Neuruppin Stephanus-Werkstätten arbeiten an Großauftrag

600 Stromkästen für die Frankfurter Messe: Die Beschäftigten der Stephanus-Werkstätten in Neuruppin arbeiten einen Großauftrag für die Frankfurter Messe ab. In etwa drei Monaten soll der letzte Stromkasten fertig montiert sein. Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens am Lilienthal-Ring hatten die Werkstätten am Montag zu einem Tag der offenen Tür geladen.

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Großauftrag für die Frankfurter Messe: Marco Rütz (hier mit Betriebsstättenleiter Silvio Pohl) montiert Schaltkästen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Kein Kratzer, kein Fussel. Sorgfältig kontrolliert Katrin Suckrow die Anzeigentafel, die später einmal die Temperatur einer Waschmaschine anzeigen wird. „Was nicht in Ordnung ist, fliegt gleich raus“, sagt die zierliche kleine Frau. Die Anzeigentafel, die Suck­row gerade in der Hand hält, besteht die Prüfung. Mehr als 400 solcher Platten wird Suckrow bis zum Abend überprüft und an der Hydraulikpresse zusammengesetzt haben.

Suckrow ist eine von 192 Beschäftigen der Stephanus-Werkstätten in Neuruppin. Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen stellen dort Teile für Waschmaschinen her, bestücken Leiterplatten oder arbeiten in einer Gärtnerei. Mehr als 50 Firmen aus der Region, aber auch aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, haben Verträge mit der Neuruppiner Werkstatt abgeschlossen. Zu den größten Auftraggebern gehören der Neuruppiner Abfallbehälter-Hersteller Ese, das Neuruppiner Elektronikunternehmen PAS und die Premnitzer Firma Havelländische Zink-Druckguss.

Neue Zweigstelle am Lilienthal-Ring

„Wir sind sehr breit aufgestellt“, sagt Betriebsstättenleiter Silvio Pohl, der am Montag bei einem Tag der offenen Tür durch den Betrieb führte. „Die Auftragslage ist gut.“ In wenigen Wochen wird eine neue Zweigstelle der Neuruppiner Stephanus-Werkstatt ihren Betrieb aufnehmen – unweit der jetzigen Betriebsstätte am Lilienthal-Ring. 25 Beschäftigte, die bislang in einer Treskower Zweigstelle gearbeitet haben, werden dann dorthin ziehen. „Die Arbeitsbedingungen dort sind besser“, sagt Pohl. Anders als in Treskow werden alle Arbeitsplätze ebenerdig zu erreichen sein.

Die Beschäftigten der Elektrowerkstatt müssen derzeit einen der größten Aufträge abarbeiten. 28 Frauen und Männer setzen Stromkästen zusammen, die später einmal an den Ständen der neuen Frankfurter Messe verbaut werden sollen. 600 solcher Kästen sind in Neuruppin in Auftrag gegeben worden. In etwa drei Monaten sollen alle Kästen ausgeliefert sein.

Arbeit mit filigranen Kabeln

„Das ist sehr anspruchsvolle Arbeit“, sagt Gruppenleiter Lutz Schülke. Wer hier arbeitet, muss mit filigranen Kabeln umgehen können. In der Elektro-Werkstatt arbeiten die Beschäftigen mit den größten Fertigkeiten. Wie alle anderen auch haben jedoch auch sie eine zweijährige Berufsbildungszeit durchlaufen. In dieser Zeit wird getestet, was jemand leisten und wo er später eingesetzt werden kann.

Die Werkstätten versuchen, für jeden eine Beschäftigung zu finden, die seinen Interessen und seinem Vermögen entspricht. Betriebsstättenleiter Pohl würde sich noch mehr Aufträge wünschen, die allereinfachste Anforderungen stellen. Vor Kurzem hat er mit der Neuruppiner Kunststofftechnikfirma Cuba einen Auftrag abschließen können, für den Beschäftige nur einfache Kenntnisse brauchen. Pohl hofft, dass diese Zusammenarbeit ausbaufähig ist.


An der Hydraulikpresse entstehen Displays, die später in Waschmaschinen verbaut werden

An der Hydraulikpresse entstehen Displays, die später in Waschmaschinen verbaut werden.

Quelle: Peter Geisler

Eigentliches Ziel der Werkstätten ist, die Beschäftigten fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen. Doch ein Wechsel gelingt nur in Ausnahmefällen. In den vergangenen Jahren haben die Werkstätten immer mehr Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen aufgenommen. Auch Menschen, die durch Alkohol, Drogen oder Medikamente irreparable Schäden erlitten haben, fanden dort einen geschützten Arbeitsplatz.

Jeder wie er kann

Die Gruppenleiter kennen ihr Team ganz genau. Sie wissen, wer hochkonzentriert arbeiten kann und bei wem die Gedanken oft abschweifen. „Nicht jeder kann alles“, sagt der Leiter der Metallgruppe, Hartmut Brädikow. 26 Beschäftigten bohren, fräsen und entgraten in seiner Werkstatt Metallteile, die unter anderem im Fensterbau verwendet werden. „Manche brauchen täglich eine neue Arbeit“, sagt Brädikow. „Andere mögen Wiederholung.“

Den Auftraggebern ist weitgehend egal, wer Telefonstecker oder Waschmaschinendrehknöpfe zusammengesteckt hat. „Wir sind eine ganz normale Firma“, sagt Pohl. „Wir müssen am Markt funktionieren wie andere auch.“ Dass die Werkstätten mit regionalen Firmen wie PAS inzwischen schon seit Jahren zusammenarbeiten, führt Pohl auf gute Arbeit zurück. „Wir haben überzeugt mit Qualität, Stückzahlen und Termintreue“, sagt der 51-Jährige.

Stärker als die Konkurrenz aus China

Auch preislich könnten sich die Werkstätten gegen die Konkurrenz aus China oder Osteuropa durchsetzen. Entscheidend für einige regionale Firmen zudem: die räumliche Nähe. „Transportkosten entfallen“, sagt Pohl.

Die Stephanus-Werkstätten beschäftigen an ihren vier Standorten in Ostprignitz-Ruppin (Kyritz, Wittstock, Neuruppin und Heilbrunn) 590 Menschen. Seit einigen Jahren lassen sich die kreativen Arbeiten eines Teils der Neuruppiner Beschäftigen auch nach Hause tragen. Mitglieder einer Malgruppe bemalen die Kartons eines Neuruppiner Cupcake-Cafés. Die Inhaberin des Cafés hatte in New York gesehen, wie ein Café dort mit individuell bemalten Kartons seine Kunden begeisterte. „Daraufhin hat sie uns angesprochen“, sagt Pohl.

Von Frauke Herweg

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