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Ostprignitz-Ruppin Stiftung lädt Künstler zu Arbeitsaufenthalten ein
Lokales Ostprignitz-Ruppin Stiftung lädt Künstler zu Arbeitsaufenthalten ein
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00:17 03.10.2016
Der Berliner Kunsthändler Wolfgang Wittrock ist „leider viel zu wenig“ in Zermützel. Er ist heute Herr des Scharounschen Hauses. Quelle: Peter Geisler
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Zermützel

Essen, Münster, Positano, .... Zermützel. Orte, die im Leben Ferdinand Möllers und seiner Frau wichtig waren. Malerin Maria Möller-Garny hat Ansichten dieser Orte auf den Kacheln eines großen, hellen Tisches verewigt. Von Positano, wo die Möllers sich einst kennenlernten. Von Zermützel, wo das Paar mit seinen Kindern später während des Zweiten Weltkrieges Zuflucht sucht.

Mehr als 70 Jahre später ist der Tisch eines der ganz wenigen Stücke, die von der ursprünglich Möblierung übrig geblieben ist. Wolfgang Wittrock, ein Berliner Kunsthändler und der heutige Herr des Hauses Möller, hat den Tisch so gestellt, dass die Kachel mit der Ansicht Zermützels auf den grün schimmernden See zeigt. „Ein Zufall möglicherweise.“

Etwa 100 Bilder überdauern in Zermützel den Krieg

Hans Scharoun, der Architekt der Berliner Philharmonie, hatte das Haus 1937/38 gebaut. Sein Auftraggeber Ferdinand Möller war nach dem Ersten Weltkrieg einer der erfolgreichsten deutschen Kunsthändler gewesen. Er vertrat die bedeutendsten Künstler seiner Zeit – Paul Klee, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky. Als der Bombenhagel über Berlin unerträglich wurde, flüchtete er mit dem Lagerbestand seiner Galerie nach Zermützel. Gut versteckt überdauerten etwa 100 Bilder dort den Krieg. Darunter auch Meisterwerke des Expressionismus, die nach dem Krieg hoch gehandelt werden.

Die Nazis hatten Möller in das Quartett jener Kunsthändler berufen, die die als „entartet“ deklarierten Kunstwerke ins Ausland verkaufen und so Devisen beschaffen sollten. Möller entzog sich dem weitgehend. Entgegen der Anweisung der Nazis, die Bilder zu verkaufen, verwahrte er einen großen Teil der beschlagnahmten Werke in Zermützel.

Mitten im Grünen: Haus Möller schmiegt sich in die Landschaft. 1943 wurde es für Ferdinand Möller und seine Familie zur Zufluchtsstätte. Quelle: Peter Geisler

Wittrock selbst war mit der Familie Möller befreundet. 1995 gründete er gemeinsam mit der jüngsten Tochter Angelika Fessler-Möller die Ferdinand-Möller-Stiftung, die das Erbe des Vaters bewahren soll. Zwei Jahres zuvor hatte der 1947 geborene Wittrock das erste Mal vor dem Scharoun-Haus in Zermützel gestanden. „Ich war blind vor Glück.“

Mit viel Liebe zum Detail hat er das Haus restaurieren lassen. Heutige Besucher bittet er auf die Terrasse mit dem großartigen Blick über den Zermützelsee. Als sich Möllers dort erholten, stand das Haus auf einer fast freien Anhöhe. Heute ist der Hang von hohen, dichten Bäumen eingefasst. Die gegenüberliegende Uferseite ist von Datschen gesäumt.

„Sofa im Grünen“ – ein Element im Scharounschen Bauen

Eher unscheinbar schmiegt sich das Haus in die Landschaft. Sein Inneres aber ist aufregend. Durch die bis zum Boden gehenden Fenster fällt viel Licht. Von einem geschwungenen, langen Sofa kann der Bewohner bis auf den See blicken. „Draußen und drinnen sollen eine Einheit bilden“, sagt Wittrock. Das „Sofa im Grünen“ – es gilt als sich wiederholendes Element im Scharounschen Bauen.

Wer auf dem Sofa sitzt, fühlt sich unweigerlich geborgen. Auch Wittrock schätzt die organischen Linien des Hauses, die vielen kleinen Nischen, in die sich die Bewohner zurückziehen und die Natur genießen können. „Dieses Haus ist nirgends symmetrisch“, sagt Wolfgang Wittrock. Einiges wurde extra so konzipiert, dass es nicht senkrecht im Lot steht.

Unter dem Dach des Hauses hatte Malerin Maria Möller-Garny einst ihr Atelier. Quelle: Peter Geisler

Inzwischen hat Wittrock schon viele Besucher durch das Haus geführt. Über die Raffinesse des Scharounschen Bauens freut er sich immer noch. „Alles ist bis ins letzte Detail durchdacht.“

In einer Nacht- und Nebelaktion hatte Möller die Gemälde 1949 aus Zermützel holen lassen. Das Haus geriet in Vergessenheit. Die Neuruppiner Feuerlöschgerätewerke errichteten für ihre Mitarbeiter Bungalows auf dem Gelände. Wittrock hat einen Teil der Bungalows inzwischen abreißen lassen, drei von ihnen ließ er sanieren. Wie auch im Haupthaus suchte er die Möbel mit viel Liebe aus. Ein Teil der alten Stücke stammt von Möbelrestaurator Manni Neumann aus Neumühle. „Bloß kein Ikea“, sagt Wittrock. Der sehr zuvorkommende Hausherr möchte den Gästen der Möller-Stiftung ein schönes Zuhause auf Zeit bieten.

So wohnlich: In den früheren Bungalows der Neuruppiner Feuerlöschgerätewerke können Künstler heute wohnen und arbeiten. Eine Empfehlung ebnet den Weg nach Zermützel. Quelle: Peter Geisler

Mehr als 100 Besucher sind inzwischen zu Arbeitsaufenthalten nach Zermützel gekommen. Schriftsteller Thomas Brussig schrieb dort vor der Frankfurter Buchmesse ein Buch zu Ende. Filmemacherin Valeska Griesebach arbeitete an einem Projekt, die Kulturstiftungen der Länder kamen mehrfach zu Klausurtagungen. Mit seiner Stiftung und dem Haus in Zermützel will Wittstock ihnen eine Auszeit anbieten. „Es ist ein Ort des Abnabelns von der Stadt“, sagt er. Wer nach Zermützel kommt, soll sich sammeln und neue Projekte konzipieren können.

Auch das Außengelände ließ Wolfgang Witt­rock gestalten. Gäste können sich inzwischen auf einer Boule-Bahn entspannen oder in einem Rosengarten kontemplative Ruhe suchen. Gleich hinter dem Gartenzaun liegt ein üppiger Bauerngarten. „Wir geben Ihnen gerne ein wenig Mangold mit“, sagt der Hausherr.

Von Frauke Herweg

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