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Ostprignitz-Ruppin Stille Andacht in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Stille Andacht in Neuruppin
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02:16 19.11.2015
Die Fontanestadt gedenkt mit Rosen und Plakaten der Toten und Verletzten der Terroranschläge von Paris. Quelle: Reyk Grunow
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Neuruppin

Der Himmel über dem Neuruppiner Schulplatz legte die Stadt am Montag um 12 Uhr in ein tiefes Grau. Dann wurde es für eine Minute ganz still. Rund 30 Neuruppiner beteiligten sich dort spontan an der europaweiten Trauerminute für die vielen Opfer der Terroranschläge in Paris. Nicht nur Mitglieder der Stadtverwaltung und des Aktionsbündnisses „Neuruppin bleibt bunt“ waren vor Ort. Auch Passanten, die eben noch im Einkaufsstress waren, blieben stehen und hielten für einen Moment inne.

Golde: „Brachiale Gewalt macht einen sprachlos“

Martin Osinski vom Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“ hatte die Versammlung spontan von ursprünglich 16 Uhr auf die Mittagszeit vorverlegt. „Damit wollen wir Solidarität zeigen und uns Europa anschließen“, sagte Osinski. Bürgermeister Jens-Peter Golde hielt kurz vor Beginn eine Ansprache, in der er passend zur Uhrzeit darauf hinwies, dass es für Europa auch symbolisch kurz vor zwölf sei. „Die brachiale Gewalt der Anschläge macht einen sprachlos. Kaum vorzustellen, wenn das bei einem Spiel im Berliner Olympiastadion passiert wäre“, so Golde.

Etwa 30 Menschen hielten auf dem Schulplatz inne. Quelle: Reyk Grunow

Als die Kirchenglocken dreimal läuteten, verstummten die Gespräche. Für einen Moment war Neuruppin Paris ganz nahe. „Nous sommes unis“ – übersetzt: Wir sind vereint – prangt auf dem schwarz-weißen Plakat, das der Bürgermeister in den Händen hält. Er selbst hatte die Anschläge am Freitagabend live vor dem Fernseher verfolgt. „Als ich die beiden Detonationen während des Fußballspiels gehört habe, war mir klar, dass das keine Böller sind“, sagte Golde. Dass die Attentäter gewaltsam ins Pariser Stadion eindringen wollten, ist für ihn die schlimmste Vorstellung. „Auf einmal ist die Gefahr ganz dicht dran“, so der Bürgermeister weiter.

Willkommenskultur soll weiter gelebt werden

Natürlich könne so etwas auch in Deutschland passieren. Angst haben die Neuruppiner aus seiner Sicht aber nicht. Etwas anderes sei jedoch deutlich spürbar: „Die Lebensqualität und das menschliche Miteinander leiden unter diesen terroristischen Aktionen“, sagte Golde. Das sei aber kein Grund, die Willkommenskultur, die Neuruppin in den vergangenen Monaten gelebt hat, in Frage zu stellen. „Neuruppin war schon immer fremdenfreundlich und soll es auch bleiben.“ Martin Osinski will von „Wirtschaftsflüchtlingen“ oder „Scheinasylanten“ nichts mehr hören. Aus Gesprächen mit Flüchtlingen weiß er, dass das, was am Freitag in Paris passiert ist, für Syrer in ihrer Heimat zur Normalität geworden ist und solche Attentäter genau die Menschen sind, vor denen sie geflüchtet sind.

Nach der kurzen Versammlung in der Stadt gingen die Menschen schnell wieder ihrer Wege, die meisten zurück an die Arbeit. Aber für einen Moment waren sie alle vereint, in Trauer und Mitgefühl.

Von Luise Fröhlich

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