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Ostprignitz-Ruppin Stoffe aus Biogasanlage in die Umwelt gelangt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Stoffe aus Biogasanlage in die Umwelt gelangt
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21:08 12.07.2017
Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde des Landkreises sowie vom Ordnungsamt Wusterhausen besehen sich Reste des ausgelaufenen Wassers. Quelle: Matthias Anke
Barsikow

Die heftigen Regenfälle der vergangenen fast zwei Wochen haben die Rückhaltekapazitäten der Biogasanlage in Barsikow offenbar derart strapaziert, dass große Mengen des Regenwassers von der Anlage aus in die Umwelt flossen. Mit dabei: toxischer Silo-Sickersaft. So sieht das jedenfalls Ackerbauer Thomas Kiesel. Der Landwirt bewirtschaftet ein angrenzendes Feld. An diesem ist das Wasser augenscheinlich entlang und vorbei gelaufen. Es hat sich dann seinen Weg bis in einen Graben gebahnt.

„Das ist der Vorfluter L 108, der führt direkt zum Bückwitzer See“, erklärt Kiesel: „Wenn irgendwo Nährstoffe ins Wasser gelangen, stehen immer wir kleinen Bauern am Pranger. Dann heißt es, wir hätten alles überdüngt. Dabei ist es so oft die Industrie und der passiert nichts“, behauptet er auch als Vorstandsmitglied des Bauernbundes Brandenburg als Interessenvertretung maßgeblich der kleineren Unternehmen und Familienbetriebe. Und tatsächlich habe sich tagelang nichts getan, obwohl ihm vom Anlagenbetreiber schon nach dem ersten heftigen Regenfall vom 30. Juni zugesichert worden sei, das Problem zu beheben.

Betreiber der Biogasanlage spricht von „reinem Regenwasser“

Kiesel habe Verständnis, „wenn bei einer solchen extremen Wetterlage wie vor eineinhalb Wochen es mal nicht zu schaffen ist, das Regenwasser auf dem Gelände zu halten“. Doch weil sich nichts getan habe und auch eine Woche später schon ein kleinerer Regenschauer erneut zum Auslaufen von Wasser führte mit dem offensichtlich erneut hoch stickstoffhaltigen Sickersaft, alarmierte er nicht mehr nur das Wusterhausener Ordnungsamt, sondern auch die Ostprignitz-Ruppiner Umweltbehörde in Neuruppin.

Die dem Umweltamt unterstellte Untere Wasserbehörde schickte am Dienstag dieser Woche zwei Mitarbeiter, die sich in Barsikow die Reste des ausgetretenen Wassers ansahen. Auch Kai Looks aus Hohen Neuendorf als Betreiber der Anlage, die zur Firma Nordmethan mit Sitz in Vechta gehört, war dabei.

Laut Looks handelte es sich lediglich um „reines Regenwasser“. Doch der Schmierfilm und erst recht der Gestank ließen alle Anwesenden daran zweifeln. „Eigentlich brauchen wir das Wasser ja“, sagte Looks. Mittels Pumpen werde es sogar in die Anlage hineingezogen. „Doch wenn zu viel in den Behältern angekommen ist, dann schalten die Pumpen ab.“ Diese Aussage war für Landwirt Kiesel klar genug, um sich im Recht zu sehen: „Dann wäret ihr dazu angehalten gewesen, das Wasser abfahren zu lassen.“ Doch das geschah offenbar nicht, weil kaum ein Landwirt derzeit Wasser abnehme. Fotos und Videos von dem Wasser, das aus Gullys neben der Anlage quillt und nicht einfach in dieser Senke steht wie bei ansonsten üblichen Regenfällen, konnte Barsikows Ortsvorsteher Willem Schoeber präsentieren.

Die Anlage zwischen Bückwitz-Ausbau und Barsikow versiegelt weit mehr als 20 000 Quadratmeter Fläche. Quelle: Matthias Anke

Informiert wurde nun auch der Wasser- und Bodenverband über den Vorfall. Kiesels Hoffnung: Die Kosten für erforderliche Arbeiten am Graben dürften nicht umgelegt, sondern sollten vom Verursacher getragen werden. Unterdessen wird von behördlicher Seite nun auch die Baugenehmigung der Anlage mit Blick auf die Berechnungen und Auffangmöglichkeiten extremer Niederschlagsmengen überprüft. Ein wichtiger Aspekt auch für Ralf Hohmann vom Ordnungsamt in Wusterhausen: „Wir reden immer von einem Jahrhundertregen, wenn sowas passiert. Doch wir sollten uns daran gewöhnen, dass das immer mehr Normalität wird.“

Dass ein solcher Fall nun öffentlich wird, davon ist Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung wie elektrisiert: „Es kann doch nicht wahr sein, dass wir Landwirte ständig dahingehend verleumdet werden, mit Dünger Gewässer zu verschmutzen, wenn Industrielle so etwas vorsätzlich machen und die Verwaltungen tagelang nur zugucken.“ Ob der Vorwurf haltbar ist, gilt es seitens der Behörden jetzt aber erst noch genauer zu prüfen.

Von Matthias Anke

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