Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
„Stolpersteine“ in der Prinzenstraße

Kyritz „Stolpersteine“ in der Prinzenstraße

Der Weg zur Erinnerung war lang: Ab dem 24. März, über vier Jahre nach der ersten Idee, sollen nun „Stolpersteine“ in der Kyritzer Prinzenstraße an die Schicksale der letzten Kyritzer Juden in den 1930er und 1940er Jahren erinnern.

Voriger Artikel
Verzögerung beim Gaststättenabriss
Nächster Artikel
Polizei sucht Garagen-Einbrecher

An Theodor Calmons Laden in der Prinzenstraße erinnert heute nichts mehr. Das Haus wurde nach dem Verkauf in den 30er Jahren umgebaut.

Quelle: Privat

Kyritz. „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig sollen ab nächster Woche auch in Kyritz auf das Schicksal der einstigen jüdischen Mitbewohner in den 1930er und 1940er Jahren hinweisen. Die Bronzeplaketten im Pflaster vor dem Haus Prinzenstraße 1 werden an den Kaufmann Theodor Calmon und seine Tochter Henny Lucie erinnern.

Für Kyritz war der Weg zu dieser Form der öffentlichen Erinnerung besonders weit. Mitte der 90er Jahre hatte Eva Mosinski innerhalb einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme die Geschichte des jüdischen Lebens in Kyritz erforscht. Herbert Brandt setzte als Mitbegründer des Kyritzer Heimatvereins diese Recherchen fort Auch Dorte Schmeissner vom Heimatverein widmete sich dem Thema und erforschte das Leben des letzten jüdischen Einwohners von Kyritz Theodor Calmon. Die Ergebnisse dieser Arbeiten wurden unter anderem bei einem Vortrag „Jüdisches Leben in Kyritz“ im November 2012 öffentlich vorgestellt. Dabei entstand die Idee, „Stolpersteine“ zu verlegen. Mit der Aktion erinnerte der Kölner Gunter Demnig damals bereits seit 20 Jahren an ehemalige jüdische Mitbewohner überall in Deutschland. Auch im Landkreis Ostprignitz-Ruppin war er schon mehrfach aktiv geworden.

Lokalpolitik war sich einig

Im Dezember 2012 folgten die Stadtverordneten einstimmig dem Vorschlag der SPD-Fraktion, mit „Stolpersteinen“ an die Familie Calmon zu erinnern. Spenden zur Finanzierung sollten gesammelt werden. Im Sommer 2013 veranstaltete die Linke ein Benefizkonzert auf dem Marktplatz. Über 400 Euro kamen zusammen – mehr als genug für die Aktion.

Zum Holocaust-Gedenktag im Januar 2014 fand das Vorhaben noch einmal öffentlich Erwähnung. Man markierte sogar schon die Stelle für die Verlegung der „Stolpersteine“ in der Prinzenstraße.

Doch dann wurde es ruhig. Dorte Schmeissner, die als Vorsitzende des Heimatvereins die Organisation des Vorhabens übernommen hatte, erkrankte schwer. Nach ihrem Tod Ende 2015 nahm sich Anja Büchner vom Heimatverein der Sache an. Im Frühjahr des vergangenen Jahres kontaktierte sie Gunter Demnig. Im vergangenen Herbst erhielt sie die Zusage für einen Termin zur Verlegung der Steine. „Wir haben immer gesagt, wir wollen das jetzt abschließen – auch im Sinne von Dorte Schmeissner““, sagt Anja Büchner.

Künstler kommt nach Kyritz

Ende nächster Woche will der Künstler nun nach Kyritz kommen. Am Donnerstag, dem 23. März, um 19 Uhr wird es in der Aula der Carl-Diercke-Schule eine Veranstaltung zur Aktion geben: Schüler der 10. Klassen berichten aus dem Leben der Calmons. Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Thomas Settgast spricht und Schüler zeigen ein Theaterstück. Die Veranstaltung ist offen für jedermann. Der Eintritt ist frei.

Mit seinen „Stolpersteinen“ erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig seit über 20 Jahren an jüdisches Leben in Deutschland

Mit seinen „Stolpersteinen“ erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig seit über 20 Jahren an jüdisches Leben in Deutschland.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Am Freitag, dem 24. März, um 9 Uhr will man dann die „Stolpersteine“ vor dem Haus Prinzenstraße 1 verlegen. Das Gebäude gehörte ab 1884 dem 1857 in Kyritz geborenen Kaufmann Theodor Calmon. Es beherbergte den Haushaltswarenladen und die Wohnung der Familie. 1933 flogen mehrfach Steine durch die Schaufenster. SA-Leute postierten sich vorm Laden und hinderten Kunden am Einkauf. Ende 1935 sah sich Theodor Calmon zur Schließung des Geschäfts und zum Verkauf des Hauses gezwungen. Da er in Kyritz keine andere Bleibe fand, zog der 78-jährige letzte Jude der Stadt zu seiner Tochter nach Berlin, wo er wenige Wochen später starb. Tochter Henny Lucie – 1883 in Kyritz geboren – wurde Mitte 1942 nach Sobibor deportiert und dort umgebracht.

Von Alexander Beckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg