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Streit um Störche: Wer hat Schuld am Rückgang?

Jetzt spricht der Bauernverband Streit um Störche: Wer hat Schuld am Rückgang?

Brandenburgs Störche sind zum Streitfall geworden. Die Naturschutzverbände machen das mangelnde Nahrungsangebot durch Monokulturen für den Rückgang der Population verantwortlich. Der Landesbauernverband sieht die Hauptursache in den schlechten Witterungsbedingungen des vorigen Jahres.

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Hungrige Jungstörche auf ihrem Nest in Protzen bei Neuruppin.

Quelle: Foto: Peter Geisler

Neuruppin. Nur noch wenige Wochen werden vergehen, bis die Störche wieder in Brandenburg ihre Nester beziehen. Doch es könnten immer weniger werden, befürchten Naturschützer, da die Vögel auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen immer weniger Nahrung finden.

Wie der Landeskoordinator für den Weißstorchschutz in Brandenburg bekannt gab, wurden 2015 in Brandenburg 1362 Brutpaare gezählt. Ein Jahr zuvor waren es noch 1424. Um die Population konstant zu halten, müsste ein Storchenpaar im Durchschnitt zwei Junge im Jahr aufziehen. Laut Naturschutzbund (Nabu) waren es im vergangenen Jahr nur 1,5.

Bauern wehren sich gegen Schulzuweisung

Dass sie zu den Hauptverursachern dieser Entwicklung gehören sollen, wollen die Bauern so nicht hinnehmen. Der Landesbauernverband führt die Populationsschwankungen auf die ungünstige Witterung zurück. So sind die Störche erst ungewöhnlich spät eingetroffen, so dass viele Paare gar nicht erst zu brüten begonnen hätten. „Zudem ist der Sommer 2015 extrem trocken gewesen, was das Nahrungsangebot ebenfalls beeinträchtigte.“

Die Leiterin der Linumer Storchenschmiede, Marion Szindlowski, bestätigt, dass die Trockenheit für Futterknappheit sorgte. „In langen Trockenperioden finden die Störche keine Regenwürmer für ihre Kleinen; flache Gewässer und feuchte Wiesen, die immer wieder überschwemmt werden, sind dringend notwendig.“ Im vergangenen Jahr haben in Linum 21 Störche das Licht der Welt erblickt, auf neun von 16 Horsten war die Brut erfolgreich. In kritischen, futterarmen Situationen helfen sich die Alttiere, indem sie Junge aus dem Nest werfen, um wenigstens ein oder zwei kleine Störche groß zu bekommen.

Extensiv genutzte Flächen sind Mangelware

Soll Adebar weiterhin so zahlreich nach Brandenburg kommen, müssen auch die Landwirte ihren Beitrag leisten. „Sind die Jungtiere größer geworden, wird die Nahrungssuche anstrengend für die Eltern, denn die Kleinen fressen täglich bis zu 1400 g Frösche, Mäuse und andere Tiere. Extensiv genutzte Flächen, wie die Störche sie brauchen, sind Mangelware“, sagt die Chefin des Naturschutzzentrums. „Wenn die Brandenburger Störche in ihren Dörfern begrüßen wollen, dann muss dringend die Landnutzung geändert werden.“

Storch im Anflug

Storch im Anflug.

Quelle: Peter Geisler

Laut Landesbauernverband werden den Störchen ausreichend Flächen für die Nahrungssuche geliefert: „Schwankungen in der Storchenpopulation den Landwirten anzulasten, ist zu kurz gegriffen und schlicht nicht richtig. Zumal gerade Brandenburger Landwirte viele Flächen als Nahrungsquelle zur Verfügung stellen.“ Sie hätten im vergangenen Jahr 10 000 Hektar mehr Grünlandflächen ausgewiesen als 2014 und weitere 34 000 Hektar Brachflächen bereit gestellt.

Die jüngste Agrarreform der Europäischen Union fordert mit der Einführung von Greening-Maßnahmen von den Landwirten zusätzliche Umweltleistungen. Die Teilnahme am Greening ist Pflicht für alle Bauern, die die Basisprämie beantragen. Grasuntersaaten und Zwischenfruchtanbau sollen für Artenvielfalt auf dem Acker sorgen und die Bodenfruchtbarkeit steigern. Auch Unkräuter und Krankheiten lassen sich so beeinflussen.

In der Prignitz gab es mehr Grünland und Brachen

In der Prignitz gab es bei den Grünland- und Bracheflächen im vergangenen Jahr eine Zunahme von 3000 Hektar. Während der Maisanbau weitgehend konstant blieb, war beim Anbau von Raps ein Flächenrückgang von etwa 2000 Hektar zu verzeichnen. Im Land Brandenburg wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Landesbauernverbandes 10 000 Hektar mehr Grünlandflächen ausgewiesen als 2014.

Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin gab dazu keine Zahlen heraus. „Ein Vergleich der statistischen Zahlen 2015 und 2014 scheitert schon an den neuen Begriffsdefinitionen seit 2015. Der Begriff „Dauergrünland“ ist deutlich umfassender geworden. Die ganzbetriebliche „ökologische Bewirtschaftung“ ist inhaltlich nicht identisch mit den seit 2015 eingeführten „ökologischen Vorrangflächen“ (Greening). Aus einem Zahlenvergleich lässt sich deshalb auch keine Tendenz ableiten“, heißt es in einer Mitteilung.

Störche brauchen kurzen Bewuchs, um Nahrung zu finden

Kritisch sieht Ulrich Böhm, Referent für Agrarpolitik beim Verband die oft sehr späten Mahdtermine für Grünland. Durch die späte Nutzung werde zwar der Bestand an Wiesenbrütern gefördert, doch das stehe im Konflikt zur Nahrungsaufnahme der Störche. „Wenn sie Nahrung finden wollen, brauchen sie einen kurzen Bewuchs und keine hüfthohen Gras- und Unkrautbestände.“ Nach Ansicht des Referenten müsse auch berücksichtigt werden, dass die Vögel nur sechs Monate in Deutschland sind.

Die Linumer konnten sich 2015 über mehr Storchen-Jungvögel freuen als im Jahr zuvor. Die Altvögel hatten zu tun, um die Brut satt zu bekommen. Marion Szindlowski vermutet, dass die Mäuseplage, über die die Landwirte klagten, den Störchen das Leben retteten. „Wenn es nicht so viele Nager gegeben hätte, wäre die Bilanz sicher schlechter ausgefallen.“

Von Cornelia Felsch

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