Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Streik mit halber Kraft

Die Schleuse in Wolfsbruch ist seit Donnerstag zu Streik mit halber Kraft

Viele Urlauber sind zwar von den Schleusenstreiks betroffen. In Ostprignitz-Ruppin nehmen die meisten Touristen die Zwangspause gelassen.

Voriger Artikel
Angst vor einem neuen Feuerteufel
Nächster Artikel
Böllerwerfer attackiert Jugendlichen

Die kleinen Boote können über die Schleuse getragen werden. Die großen müssen ruhen.

Quelle: Carsten Schäfer

Klein Zerlang. Susann Müller und ihre Familie nehmen es gelassen. „Wir machen Urlaub“, sagt die Bad Hersfelderin. Mit ihrem Boot hatten die drei es gestern gegen 14.30 Uhr bis vor die Schleuse Wolfsbruch in Kleinzerlang geschafft – dann war Schluss, die Schleuse dicht. Die Schleusenwärter an den Bundeswasserstraßen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hatten für einen Tag die Arbeit niedergelegt.

In Wolfsbruch begann der Streik mit Verspätung. Bis 14 Uhr etwa konnten noch Boote passieren. Susann Müller hatte gehofft, vorher auf die Rheinsberger Gewässer zu kommen. „Kann man nichts machen“, sagt sie. Denn: „Ich finde es okay, das gestreikt wird.“
Die Schleusenwärter protestierten mit ihrer Aktion gegen Pläne der Bundesregierung, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes umzustrukturieren. Dabei sollen im Osten Deutschlands rund 2500 Arbeitsplätze wegfallen, so die Gewerkschaft Verdi. Sie will Tarifverhandlungen zur Absicherung der Beschäftigten erzwingen. Der Bund verweigert sich solchen Verhandlungen bisher. Bis Mittwoch hatte es geheißen, die ausschließlich touristisch genutzten Schleusen in Nordbrandenburg und Mecklenburg seien nicht betroffen. Dann änderte die Streikleitung die Strategie. Wolfsbruch, Canow, Diemitz, Wesenberg, Strasen, alle Schleusen waren dicht, selbst die automatisierten. Vor allem in Diemitz und Canow stauten sich die Boote.

Ingo Kiouda und seine Familie aus Neu-Anspach in Hessen schafften eine der letzte Schleusung in Wolfsbruch. „Unser Vermieter hat uns angerufen, da haben wir Vollgas gegeben“, sagte er. Damit sei es aber vorbei – man stelle sich auf einen ruhigen Nachmittag auf dem See ein.
Nicole Hillert haben die Gewerkschafter einen Haufen Arbeit beschert. Sie leitet die Charterbootbasis von Le Boat in der Marina Wolfsbruch in Kleinzerlang. Seit Bekanntwerden der Sperrungen hat sie versucht, ihre Kunden anzurufen. „Es sind 50 bis 60Boote von uns unterwegs“, sagte sie. „Die alle zu erreichen, war ein Riesenkraftakt.“ Der Streik bringt ihre Planung durcheinander. Einige Boote werden nicht rechtzeitig zurück sein, um an die nächsten Urlauber übergeben zu werden. Eine Crew müsste morgen wieder in Kleinzerlang sein, saß aber hinter Templin fest. Kaum zu schaffen. Die Basisleiterin bemüht sich jetzt um Lösungen, eventuell müssen Gäste ihr Boot unterwegs anlegen und werden abgeholt, um ihren Zug oder ihr Flugzeug zu erreichen. Angestellte von Le Boat fahren das Boot dann zurück.

Trotz aller Probleme kann auch Nicole Hillert die Forderungen der Schleusenwärter verstehen. Schleusen mit Personal seien gerade für die Charterbootkapitäne ein Sicherheitsfaktor. Die Mitarbeiter sehen sofort, wenn die etwas falsch machen und können bei Problemen helfen. Eine Lösung des Konfliktes gäbe es für sie, genauso wie für Susann Müller: Schleusengeld. Einen Euro pro Schleusung würde jeder zahlen, meint Nicole Hillert. Das würde die Schleusenwärter locker finanzieren.

Rund 20 Boote hatten am Vormittag den Hafen der Marina angesteuert, um nicht in den Streik zu geraten. „Man kann an schlechteren Orten festsitzen“, meinte Heidrun Förster aus Sachsen. So profitierten vor allem die Kinder von dem unfreiwilligen Stopp: Sie nutzten die Chance und gingen ins Schwimmbad. Die einzige Sorge der Familie Förster: Rechtzeitig in den Heimathafen nach Eldenburg zu kommen, um die Boote wieder abzugeben.

Von Carsten Schäfer

An beiden Seiten der Schleuse bildete sich im Laufe des Nachmittags eine Schlange von Booten. Auch auf ihnen gab es durchaus Verständnis für die Forderungen der Schleusenwärter – aber Kritik an der mangelnden Kommunikation. An der Schleuse selbst war kein Hinweis auf den Streik zu sehen, nicht einmal die Ampel zeigte das Signal für „Schleuse gesperrt“ an. Die mangelnde Informationspolitik kritisierte auch Nicole Hillert. „Der Informationsfluss funktioniert überhaupt nicht.“

Ganz vorn in der Schlange auf der Marina-Seite lagen die Familien Kristen und Eder, unterwegs nach Plau am See. Sie richteten sich auf einen Abend am Kanalufer ein. „Wir grillen hier und schlafen hier“, sagt Ulf Kristen. Heute soll die Schleuse wieder in Betrieb sein.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Verdi will neuen Tarifvertrag

Kein Durchkommen an Berliner und Brandenburger Schleusen: Die Gewerkschaft Verdi hat ab Donnerstag zu einem dreitätigen Streik aufgerufen. An den Brandenburger Schleusen in Kleinmachnow, Woltersdorf, Wernsdorf, Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt kommen die Schiffe dann nicht weiter.

mehr
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
123c76c4-dff8-11e7-a15f-f363db308704
Fontanestadt Neuruppin „damals und heute“

Neuruppin ist die Kreisstadt des Landkreises Ostprignitz-Ruppn. Der Ort erhielt 1256 das Stadtrecht und ist bekannt als Geburtsstadt von Schriftsteller Theodor Fontane und Baumeister Karl Friedrich Schinkel.

c001ffb8-fc5e-11e7-90a2-a388f9eff187
Kyritz damals und heute

Über ihre mittelalterlichen Grenzen wuchs die Knatterstadt erst im 19. Jahrhundert hinaus. Aber dann richtig: Die Stadt ist im steten Wandel begriffen. Viele alte Bauten mussten bis in die jüngste Zeit hinein neuen Ideen und Bedürfnissen weichen.

7d84d8be-fb68-11e7-b11f-9a7b802e86ee
Lindow damals und heute

Die MAZ lädt ein zu einer Zeitreise. Wir haben historische Ansichten von Lindow zusammengestellt und vom gleichen Ort aus wie damals heute noch einmal eine Aufnahme gemacht. Die Ergebnisse zeigt diese Bildergalerie. Die historischen Karten stammen aus dem Privatarchiv des Lindowers Udo Rönnefahrt.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg