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Ostprignitz-Ruppin Streik mit halber Kraft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Streik mit halber Kraft
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20:35 25.07.2013
Die kleinen Boote können über die Schleuse getragen werden. Die großen müssen ruhen. Quelle: Carsten Schäfer
Klein Zerlang

Susann Müller und ihre Familie nehmen es gelassen. „Wir machen Urlaub“, sagt die Bad Hersfelderin. Mit ihrem Boot hatten die drei es gestern gegen 14.30 Uhr bis vor die Schleuse Wolfsbruch in Kleinzerlang geschafft – dann war Schluss, die Schleuse dicht. Die Schleusenwärter an den Bundeswasserstraßen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hatten für einen Tag die Arbeit niedergelegt.

In Wolfsbruch begann der Streik mit Verspätung. Bis 14 Uhr etwa konnten noch Boote passieren. Susann Müller hatte gehofft, vorher auf die Rheinsberger Gewässer zu kommen. „Kann man nichts machen“, sagt sie. Denn: „Ich finde es okay, das gestreikt wird.“
Die Schleusenwärter protestierten mit ihrer Aktion gegen Pläne der Bundesregierung, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes umzustrukturieren. Dabei sollen im Osten Deutschlands rund 2500 Arbeitsplätze wegfallen, so die Gewerkschaft Verdi. Sie will Tarifverhandlungen zur Absicherung der Beschäftigten erzwingen. Der Bund verweigert sich solchen Verhandlungen bisher. Bis Mittwoch hatte es geheißen, die ausschließlich touristisch genutzten Schleusen in Nordbrandenburg und Mecklenburg seien nicht betroffen. Dann änderte die Streikleitung die Strategie. Wolfsbruch, Canow, Diemitz, Wesenberg, Strasen, alle Schleusen waren dicht, selbst die automatisierten. Vor allem in Diemitz und Canow stauten sich die Boote.

Ingo Kiouda und seine Familie aus Neu-Anspach in Hessen schafften eine der letzte Schleusung in Wolfsbruch. „Unser Vermieter hat uns angerufen, da haben wir Vollgas gegeben“, sagte er. Damit sei es aber vorbei – man stelle sich auf einen ruhigen Nachmittag auf dem See ein.
Nicole Hillert haben die Gewerkschafter einen Haufen Arbeit beschert. Sie leitet die Charterbootbasis von Le Boat in der Marina Wolfsbruch in Kleinzerlang. Seit Bekanntwerden der Sperrungen hat sie versucht, ihre Kunden anzurufen. „Es sind 50 bis 60Boote von uns unterwegs“, sagte sie. „Die alle zu erreichen, war ein Riesenkraftakt.“ Der Streik bringt ihre Planung durcheinander. Einige Boote werden nicht rechtzeitig zurück sein, um an die nächsten Urlauber übergeben zu werden. Eine Crew müsste morgen wieder in Kleinzerlang sein, saß aber hinter Templin fest. Kaum zu schaffen. Die Basisleiterin bemüht sich jetzt um Lösungen, eventuell müssen Gäste ihr Boot unterwegs anlegen und werden abgeholt, um ihren Zug oder ihr Flugzeug zu erreichen. Angestellte von Le Boat fahren das Boot dann zurück.

Trotz aller Probleme kann auch Nicole Hillert die Forderungen der Schleusenwärter verstehen. Schleusen mit Personal seien gerade für die Charterbootkapitäne ein Sicherheitsfaktor. Die Mitarbeiter sehen sofort, wenn die etwas falsch machen und können bei Problemen helfen. Eine Lösung des Konfliktes gäbe es für sie, genauso wie für Susann Müller: Schleusengeld. Einen Euro pro Schleusung würde jeder zahlen, meint Nicole Hillert. Das würde die Schleusenwärter locker finanzieren.

Rund 20 Boote hatten am Vormittag den Hafen der Marina angesteuert, um nicht in den Streik zu geraten. „Man kann an schlechteren Orten festsitzen“, meinte Heidrun Förster aus Sachsen. So profitierten vor allem die Kinder von dem unfreiwilligen Stopp: Sie nutzten die Chance und gingen ins Schwimmbad. Die einzige Sorge der Familie Förster: Rechtzeitig in den Heimathafen nach Eldenburg zu kommen, um die Boote wieder abzugeben.

Von Carsten Schäfer

An beiden Seiten der Schleuse bildete sich im Laufe des Nachmittags eine Schlange von Booten. Auch auf ihnen gab es durchaus Verständnis für die Forderungen der Schleusenwärter – aber Kritik an der mangelnden Kommunikation. An der Schleuse selbst war kein Hinweis auf den Streik zu sehen, nicht einmal die Ampel zeigte das Signal für „Schleuse gesperrt“ an. Die mangelnde Informationspolitik kritisierte auch Nicole Hillert. „Der Informationsfluss funktioniert überhaupt nicht.“

Ganz vorn in der Schlange auf der Marina-Seite lagen die Familien Kristen und Eder, unterwegs nach Plau am See. Sie richteten sich auf einen Abend am Kanalufer ein. „Wir grillen hier und schlafen hier“, sagt Ulf Kristen. Heute soll die Schleuse wieder in Betrieb sein.

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