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Streit über neue Form der Tourismusförderung

Neuruppin Streit über neue Form der Tourismusförderung

Der Kreis Ostprignitz-Ruppin will seine Tourismusförderung umstellen. Ab 2017 soll sich der Zuschuss nicht allein an der Einwohnerzahl orientieren, sondern auch an den Übernachtungszahlen. Je Übernachtung soll es 7 Cent geben, je Einwohner 40 Cent. Das sorgt für Streit. Denn bisher gibt es einen Euro je Einwohner.

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Rheinsberg zieht jedes Jahr mehrere 100 000 Touristen an, nicht nur Politiker.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Im Streit um die Neuausrichtung der Zuschüsse für die Tourismusförderung in Ostprignitz-Ruppin will Landrat Ralf Reinhardt (SPD) dem Kreistag am Donnerstag in Neuruppin einen überarbeiteten Vorschlag als Tischvorlage präsentieren. Wie dieser aussehen wird, ist noch weitgehend unklar. Selbst Peter Krause, der Chef des Tourismusverbandes Ruppiner Seenland, kann nur vermuten, wohin der Vorschlag zielen könnte – nämlich, dass der geplante Topf mit 10 000 Euro, die eigentlich ab dem nächsten Jahr für besondere Projekte ausgeschüttet werden sollten, an den Tourismusverband Prignitz fließen soll. Der Grund: Kyritz, Neustadt und Wusterhausen wollen in diesen Verband wechseln. „Wir sehen dort unsere Charakteristika einfach besser abgebildet“, sagt die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke.

Das Ruppiner Seenland besteht dann ab Januar lediglich noch aus dem Altkreis Neuruppin sowie dem gesamten Landkreis Oberhavel. Denn der Fremdenverkehrsverein Wittstock, in dem die Dossestadt und Heiligengrabe Mitglied sind, ist bereits seit 1999 nur noch Mitglied im Tourismusverband Prignitz. Bis dahin waren die Wittstocker in beiden Vereinen Mitglied.

90 Prozent der Übernachtungen im Altkreis Neuruppin

Im Altkreis Neuruppin werden allerdings seit jeher auch die meisten Übernachtungen in Ostprignitz-Ruppin gezählt: Die im Wittstocker Bereich machen laut Tourismusexperte Krause lediglich etwa vier Prozent aus, die im Kyritzer Bereich 6,5 Prozent. Hinter den Kulissen war deshalb seit Längerem nach einem anderen Zuschussmodell gesucht worden. Bisher zahlt Ostprignitz-Ruppin einen Euro je Einwohner. Wie viele Übernachtungen es in der jeweiligen Region gibt, bleibt unberücksichtigt. Das soll sich mit dem neuen Modell ändern. Der Kreis hatte vorgeschlagen, dass sich der Zuschuss künftig an der Einwohnerzahl und der Zahl der Übernachtungen orientiert. 40 Cent soll es je Einwohner geben, sieben Cent je Übernachtung. Das Ruppiner Seenland würde damit im nächsten Jahr gut 86 000 Euro erhalten. Das wären trotz des verkleinerten Zuständigkeitsgebietes rund 6000 Euro mehr als in diesem Jahr. Daran stören sich die Kyritzer – obwohl der Tourismusverband Prignitz mit diesem Modell ebenfalls gut 5000 Euro mehr aus Neuruppin überwiesen bekommen würde als bisher, nämlich knapp 24 500 Euro statt 19 000 Euro. Denn Ostprignitz-Ruppin will mit dem neuen Zuschussmodell zugleich die Tourismusförderung auf 120 000 Euro im nächsten Jahr erhöhen (die MAZ berichtete). Die Kyritzer wollen nicht, dass künftig auch die Übernachtungszahlen bei der Höhe des Zuschusses berücksichtigt werden sollen. „Man sollte in touristisch schwache Regionen investieren und sie nicht bestrafen“, sagt Bürgermeisterin Görke. Sie ist zugleich Chefin des Tourismusverbandes Dosse-Seen-Land, dem die Stadt Kyritz und das Amt Neustadt angehören.

Gefahr für das Ruppiner Seenland

Bei dem Zuschuss sollten schon auch wirtschaftliche Kriterien eine Rolle spielen, findet hingegen Manfred Richter (SPD). Der einstige Rheinsberger Bürgermeister verweist darauf, dass die über 500 000 Übernachtungen in dem Prinzenstädtchen nicht etwa durch zwei große Hotels geschafft werden, sondern auch dank der Arbeit ganz vieler kleiner Vermieter. „Das ist richtig kleinteilige Arbeit“, betont Richter. Auch der Lindower Bert Groche (FDP), selbst Hotelier, plädiert für das neue Zuschussmodell. „Es geht darum, dass der Tourismusverein Ruppiner Seenland mehr Geld bekommt.“ Immerhin sorge er mit dafür, dass die Region bei den Urlaubern zu den gefragtesten in Brandenburg gehören. Das sollte nicht durch kleinkarierte Diskussionen gefährdet werden. Diese Gefahr sieht ebenfalls Ralph Bormann, Chef der bunten Fraktion aus Freien Wählern, Bauern und FDP. Schließlich könnte sich auch noch Oberhavel aus dem Verband zurückziehen, wenn Ostprignitz-Ruppin deutlich weniger für die Tourismusförderung leistet.

Die Kyritzer Bürgermeisterin beteuert, dass das keinesfalls beabsichtigt sei. „Wir wollen keine Netzwerke zerschlagen. Wir wechseln ja auch nicht in Feindesland.“ Gleichwohl setzt Görke darauf, dass Landrat Reinhardt seinen Vorschlag zur Tourismusförderung nachbessert. Das könnte beispielsweise so aussehen, dass die 10 000 Euro, mit denen eigentlich ab 2017 besondere Tourismusprojekte belohnt werden sollten, dauerhaft zusätzlich an den Tourismusverband Prignitz fließen und nicht nur für ein Jahr. Ob der Vorschlag von Landrat Reinhardt so weit geht, wird sich am Donnerstag beim Kreistag in Neuruppin zeigen.

Hinweis: Der Kreistag beginnt um 16.30 Uhr in der Aula des Oberstufenzentrums an der Alt Ruppiner Allee.

Von Andreas Vogel

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