Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Streit um Gedenkstein in Blankenberg

Ortschronist und Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank im Clinch Streit um Gedenkstein in Blankenberg

Im Januar 2012 wurde Bernd Jünemann aus Blankenberg (Ostprignitz-Ruppin) noch mit einer Urkunde für sein ehrenamtliches Engagement geehrt. Ein gutes Jahr später begann jedoch ein Streit mit Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank, der sogar die Staatsanwaltschaft Neuruppin beschäftigte.

Voriger Artikel
Vier Verletzte nach Unfall bei Starkregen
Nächster Artikel
Gnewikow: Pflaster wie aus Wackelpudding

Der umstrittene Stein wurde wieder flach gelegt.

Quelle: Privat

Blankenberg. Die gut gemeinte Aktion ging nach hinten los: Beim Dorfputz mähten engagierte Blankenberger um den Ortschronisten Bernd Jünemann nicht allein den Rasen und säuberten die öffentlichen Flächen in dem kleinen Dorf, das zu Wusterhausen (Dosse) gehört. Sie richteten ebenfalls einen alten Gedenkstein am Ortseingang auf, schufen dazu aus kleinen Feldsteinen einen Halbkreis, in dem sie Stiefmütterchen pflanzten. Doch statt eines Lobes informierte Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank die Staatsanwaltschaft Neuruppin wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Grund: Der Stein trägt die leicht verblichene Inschrift „Arbeitsdienst der NSDAP 1933 – 35“.

Seitdem tobt ein erbitterter Streit zwischen Ortschronist Jünemann und Wusterhausens Bürgermeister Blank. Der rüstige Rentner Jünemann, der aus Pinneberg bei Hamburg kommt und seit 2003 mit seiner Frau in Blankenberg wohnt, verweist darauf, dass selbst zu DDR-Zeiten sich niemand an dem Stein gestört habe. Zudem habe der Arbeitsdienst seinerzeit die Straße nach Blankenberg gebaut und auch den Strom in das Dorf gebracht. „Der Stein soll dort stehen bleiben, weil er zur Geschichte von Blankenberg gehört“, sagt der 73-Jährige.

Doch das kommt für Bürgermeister Blank überhaupt nicht infrage. „Der Reichsarbeitsdienst war eine Unterorganisation der NSDAP.“ Den Stein aufzurichten und dann auch noch mit Blumen zu schmücken sei „eine äußerst grobe Geschmacklosigkeit“ und könnte Neonazis aus Nah und Fern anlocken. Außerdem ist sich Blank sicher, dass der Schriftzug auf dem Stein zu DDR-Zeiten gar nicht zu sehen gewesen ist, weil der Stein mit der bearbeiteten Fläche seinerzeit auf dem Boden gelegen hat. Blank kann sich daran noch recht gut erinnern: Er war als Kind in den Ferien häufig bei seiner Oma, die in Blankenburg lebte.

Der Ortschronist vertraut seinen Recherchen

Ortschronist Jünemann vertraut indes mehr seinen Recherchen. „Für die Dorfchronik habe ich viele Altväter im Ort befragt.“ Diese hätten versichert, dass der Stein auch schon zu DDR-Zeiten gestanden hätte. Was stimmt, das lässt sich nicht so einfach klären. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin jedenfalls leitete ein Verfahren wegen des Verdachts ein, dass durch das Aufrichten des Steins samt des kleinen Ehrenhains der Reichsarbeitsdienst (RAD) verherrlicht und die Opfer verhöhnt werden. „Der Arbeitsdienst war eine Unterorganisation der NSDAP“, betont Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper. Ab Juni 1935 musste jeder junge Mann vor dem Wehrdienst oder dem Studium für sechs Monate beim RAD arbeiten. „Die Jugendlichen wurden im Geist der Nationalsozialisten erzogen“, so Lodenkämper. Das habe zum Reichsarbeitsdienst dazugehört und könne nicht ausgeblendet werden. Gleichwohl hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren inzwischen eingestellt – weil der umstrittene Stein mit dem Schriftzug wieder am Boden liegt und es kein öffentliches Interesse an einem Prozess gebe.

Ein jüdischer Anwalt aus den USA soll helfen

Ortschronist Jünemann sieht sich durch die Einstellung des Verfahrens ohne jegliche Auflagen von dem mehr oder weniger deutlich geäußerten Vorwurf entlastet, wegen des Aufrichtens des Steines die Verbrechen der Nationalsozialisten zu verharmlosen. Jünemann will deshalb jetzt sogar einen jüdischen Fachanwalt aus den USA bemühen und Schadensersatzforderungen gegen Bürgermeister Blank und drei Abgeordnete stellen. „Das ist mir meine Ehre wert“, betonte der 73-Jährige am Dienstagabend bei der Gemeindevertretersitzung in Wusterhausen. Von den Vorwürfen, auf dem rechten Auge blind zu sein, ist er mächtig gekränkt. „Familienangehörige waren im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert“, sagte Jünemann. Grund: Sie hatten jüdischen Kindern geholfen und mit Essen versorgt.

Die Gedenkstätte im einstigen KZ Ravensbrück soll auch davon profitieren, falls das Gericht die Schadensersatzforderungen für gerechtfertigt hält. Das Geld will Jünemann spenden.

Von Andreas Vogel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg