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Streit um Schulen: billig und trotzdem sauber

Neuruppin Streit um Schulen: billig und trotzdem sauber

Nach heftigen Protesten von Eltern verspricht Neuruppins Bürgermeister Besserung: Die städtischen Schulen sollen bis Januar deutlich sauberer werden. Die neue Reinigungsfirma arbeitet intensiv daran, alle Probleme abzustellen, sagt er. Die Stadt bleibt aber dabei: Sie will beim Putzen viel Geld sparen.

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Harald Quast von der Firma Stölting (l.) und Fred Müller vom Bauamt der Stadt in einem ungeputzten Klassenraum.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Bürgermeister Jens-Peter Golde ist optimistisch, dass die Reinigung der Schulen bis Januar so klappt, wie die Stadtverwaltung es sich vorstellt. Er hofft auch, dass sich die große Aufregung unter Eltern dann legt. Ob die Schulen wieder so sauber sein werden, wie sie es vor den Sommerferien noch waren, ist offen. Aber sie sollen sauberer sein, als sie es in den vergangenen Wochen waren. Die Stadt will einiges an der Reinigung nachbessern: So werden Papierkörbe künftig wieder täglich geleert. Grundsätzlich hält Neuruppin aber am Ziel fest, bei der Reinigung zu sparen. Das wurde bei einem Pressetermin am Dienstag klar.

Die Stadt hatte den Putzauftrag Anfang 2016 nach europaweiter Ausschreibung an die Firma Stölting mit Hauptsitz in Gelsenkirchen vergeben. Baudezernent Arne Krohn spricht dabei von einem „Paradigmenwechsel“. Neuruppin hat nicht nur eine neue Firma gesucht – um die Kosten zu drücken, hat die Stadt auch den Rhythmus fürs Fegen und Wischen in den Schulen verringert.

Klassenräume werden nicht mehr jeden Tag sauber gemacht

Seit September werden Klassenzimmer nur noch zwei- bis dreimal pro Woche gereinigt, sagt Fred Müller vom Bauamt: in einer Woche montags, mittwochs und freitags, in der zweiten dienstags und donnerstags. Toiletten, Wasch- und Speiseräume sowie die Flure und Treppen im Erdgeschoss und Keller werden täglich geputzt. Müller verweist auf die Din 77400, die einen Mindeststandard für die Schulreinigung festlegt.

Schon kurz nach den Ferien hagelte es Beschwerden im Rathaus. Viele waren berechtigt, räumt Dezernent Krohn ein – manche kaum nachzuvollziehen. So hatte sich in der Stadtverordnetenversammlung eine Mutter über einen Papierkorb mit Erbrochenem beklagt, der angeblich zwei Tage nicht aus einem Klassenraum entfernt wurde. Bürgermeister Golde hatte entsetzt in der Schule nachgefragt. Sein Fazit: „Einen solchen Fall gab es nicht.“

Probleme hatte die Stadt erwartet, aber nicht solch einen Aufschrei

Dass das neue Reinigungssystem erst einmal einige Probleme mit sich bringen würde, hatte die Stadtverwaltung erwartet – nicht aber, dass Eltern so reagieren. „Ich bin überrascht, welche Wogen solch ein relativ einfaches Thema schlägt“, sagt Krohn und meint vor allem soziale Netzwerke im Internet.

Die meisten Probleme seien längst ausgeräumt, an anderen werde weiter gearbeitet, sagt Fred Müller. 28 Mitarbeiter beschäftigt Stölting inzwischen in Neuruppin, sagt Harald Quast, der die Firmenniederlassung in Berlin leitet und für Aufträge in der gesamten Gegend zuständig ist. Quast: „Seit drei Wochen bin ich täglich in Neuruppin.“

Neuer Auftrag, weniger Arbeit, geringerer Verdienst

Viel Ärger rührt offenbar daher, dass die Mitarbeiter erst eingearbeitet werden mussten. Die Stadtverwaltung war davon ausgegangen, dass die bisherigen Reinigungskräfte weiter die Schulen putzen – nur eben für die neue Firma. Doch viele Leute wollten das nicht, sagt Michael Kloss, der in Leipzig als Geschäftsführer bei Stölting für Ostdeutschland arbeitet. Mit dem zusammengestrichenen Reinigungsauftrag gibt es für die Leute weniger zu tun als früher– und weniger Geld. Für manche zu wenig. „Wir sind deshalb mit vielen neuen Arbeitskräften gestartet, die kannten die Objekte nicht“, sagt Kloss: „Das ist inzwischen abgestellt.“ Ein zusätzlicher Vorarbeiter in Neuruppin soll dafür sorgen, dass es künftig besser läuft.

Elternsprecher Guido Neumann von der Puschkinschule bleibt skeptisch. Er will sich am Mittwoch mit Stadtvertretern treffen. Am Montag, 7. November, wollen Eltern beraten, ob sie eine Initiative für gesunde Schulen gründen.

Von Reyk Grunow

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