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Streit um Windräder auf Gottes Acker

Debatte in Neuruppin Streit um Windräder auf Gottes Acker

Vertreter der Kirchengemeinden treffen sich am Donnerstagabend in Neuruppin, um über den Umgang mit Windkraftanlagen auf Kirchenland zu beraten. Immer wieder gibt es Anfragen von Energiefirmen, die ihre Windkraftwerke auf Kirchenland errichten wollen. Die Gemeinden könnten finanziell profitieren – und werden dafür von Windkraftgegnern kritisiert.

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Viele Kirchengemeinden hoffen durch die Verpachtung von Land für Windräder auf dringend benötigte Einnahmen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Weicht die regionale Kirchenleitung der Debatte mit Windkraftkritikern bewusst aus? Sieht sie nur den finanziellen Nutzen und nimmt Risiken für Mensch und Umwelt in Kauf, die durch den Bau von Windrädern entstehen können? Hätte sie genauso wenig Bedenken gegen Anlagen auf Kirchenland, wenn sie nicht Hunderttausende Euro Pacht im Jahr bekommen würde? Diese Fragen stellt das Aktionsbündnis Gegenwind Prignitz-Ostprignitz-Oberhavel in einem offenen Brief dem Präses der Synode des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin, Christian Gilde, und dem Superintendenten Matthias Puppe.

Das Schreiben haben die Kritiker eines groß angelegten Windkraftausbaus in der Region verfasst, weil sie sich aus der aktuellen Diskussion „ausgeladen“ fühlen. So formuliert es Silke Theuergarten aus Küdow bei Wildberg vom Aktionsbündnis, in dem Bürgerinitiativen und Interessengruppen aus den drei Landkreisen versammelt sind.

Das Bündnis sollte eigentlich an der Auseinandersetzung mit dem Thema Windkraft teilnehmen, die von der Kirchenleitung angestoßen wurde. Geplant war eine Veranstaltung, bei der die Kirchenältesten verschiedene Positionen dazu hören. Im Podium sollten nicht nur Fachleute sitzen, sondern auch Windkraftgegner. Einen Tag vor dem Treffen im Juli sagte die Kirche ab. Stattdessen bekamen die Kritiker nun eine Einladung zu einer Diskussion unter dem Motto „Bewahren oder zerstören Windräder die Schöpfung?“. Die öffentliche Debatte soll am Donnerstagabend, 15. Oktober, in Neuruppin stattfinden. Allerdings sollen die Gegenwind-Vertreter diesmal nicht im Podium sitzen, sondern nur Zaungäste sein. So jedenfalls verstehen sie selbst ihre Rolle. Sie sind sauer, dass auf der Bühne „ausschließlich professionelle Windkraftbefürworter“ eingeplant sind. Eine differenzierte Meinungsbildung sei so nicht zu erwarten.

Die Kirchenleitung lehnt einen Baustopp ab

Das Treffen ist zwar offen für jedermann. In erster Linie ist es aber für Vertreter der verschiedenen Kirchengemeinden gedacht. Den Kritikern drängt sich der Eindruck auf, dass die Kirchenältesten dabei auf eine Linie eingeschworen werden sollen. Schließlich bringt es viel Geld, wenn eine Gemeinde Land für Windräder verpachtet. „Wir haben das Gefühl, dass der Kirche das Geld für den Kirchturm allemal wichtiger ist als die Gesundheit der Menschen“, sagt Silke Theuergarten.

Längst ist klar, dass es allerorten Kritik am weiteren Ausbau der Windkraft gibt. Um die Spaltung der Gemeinden zu verhindern, fordert das Aktionsbündnis, die Kirchenleitung sollte ein Moratorium verhängen – einen vorläufigen Baustopp, bis alle Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen sind. Die Kritiker hoffen außerdem, dass sich die Kirche verpflichtet, sich an die sogenannte Zehn-H-Regel zu halten. Die besagt, dass neue Windräder nur gebaut werden dürfen, wenn sie zehnmal so weit von Wohngebieten entfernt stehen, wie sie hoch sind. Für Christian Gilde kommt ein genereller Baustopp nicht infrage. Der Kirchenkreis könne den gar nicht verhängen, weil Fragen zur Verpachtung von Grundstücken allein in den Gemeinden geklärt werden. „So was wird nicht vorgesetzt“, stellt der Präses klar. Auch die Zehn-H-Regel hält er für nicht machbar. „Das würde dazu führen, dass in unserem gesamten Gebiet nur noch ein oder drei neue Windräder aufgestellt werden können.“ Diese Forderung sei „nur eine verkappte Strategie, um das Thema totzumachen“. Christian Gilde lehnt die umweltschädliche Energiegewinnung durch fossile Brennstoffe rigoros ab: „Ich bin bei dem Thema ein Überzeugungstäter.“ Privat wie beruflich sei er für den Ausbau der Windkraft, sagt Gilde. Nach eigenen Angaben ist er sogar für eine Windenergiefirma tätig.

Der Superintendent weist die Vorwürfe zurück

Dass die Windkraftgegner für Donnerstag nicht als Redner eingeladen wurden, hält er für unproblematisch: „Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, einen Riesendialog mit allen zu führen, die dazu was sagen wollen.“ Gilde befürchtet nur weitere Polemik. „Es geht uns nur darum, dass die Kirchengemeinden nach dem Gespräch ein bisschen klüger sind als vorher.“

Dass die Kirche keine Kritik an der Windkraft zulasse, weist der Superintendent Matthias Puppe zurück: „Wir haben die Argumente aufgegriffen und auch dazu Fachleute im Podium“, sagt er. Und auch Gegenwind-Vertreter seien eingeladen worden. Sie können sich genauso einbringen wie alle anderen. „Aber es ist nicht unsere Verantwortung, für die Landes- oder Bundesregierung die Debatte über Windkraft zu führen.“ Ziel der Veranstaltung am Donnerstag sei es, die Kirchenältesten zu informieren.

Hinweis: Die Podiumsdiskussion zum Umgang mit Windkraftanlagen auf Kirchenland findet am Donnerstag, 15. Oktober, ab 19 Uhr im Hauptgebäude der Ruppiner Kliniken in Neuruppin statt.

Von Celina Aniol und Reyk Grunow

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