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Streit um alte Eiche in Wusterhausen

Sehnsucht nach der Kettensäge Streit um alte Eiche in Wusterhausen

Ärger um eine Eiche am Ufer des Klempowsees: Als der Baum gepflanzt wurde, gab es noch keine Autos. Anwohner würden den Baum jetzt gern fällen lassen, weil er die Zufahrt zum Grundstück einengt. Doch die Naturschutzbehörde hat Einwände. Der Bürgermeister will unterdessen gegen Hindernisse vorgehen, die die Anwohner selbst aufgestellt haben.

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„Einfahrt“: Michael Laue demonstriert, wie schmal die Einfahrt ist. Nachgemessen ergeben sich 2,43 Meter.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. Man kann es glauben oder nicht: Das Getöse, das eine Kettensäge verursacht, kann auch Begehrlichkeiten wecken – oder Erinnerungen. Bei Karin Laue aus dem Wusterhausener Uferweg 10 trifft beides zu. Einen Steinwurf von ihrem Haus entfernt war gerade Baufällen angesagt. Das wird immer noch heftig diskutiert, zumeist ablehnend. Bei Laues sehnt man sich hingegen ein paar scharfe Schnitte herbei. Ihr Domizil steht etwas abseits vom Uferweg, noch dichter dran am Klempowsee als die Häuser der Nachbarn. Die Wohnlage ist toll. Allerdings hat das auch seinen Preis. Nur ein schmaler Weg führt aufs Gehöft, an der engsten Stelle ist er 2,43 Meter breit. Dafür nimmt sich eine stolze Eiche etwa 65 Zentimeter vom Maß. Lieferfahrzeuge haben kaum Chancen, aufs Grundstück zu kommen. Das ist ärgerlich.

Bedrohlich finden Karin Laue und ihr Sohn Michael aber, dass bei einem möglichen Notfall auch Rettungsfahrzeuge wieder umkehren müssten. Die Feuerwehr hat mit einem Löschfahrzeug schon Maß genommen – kein Durchkommen. Karin Laue nahm hilfesuchend nicht nur einmal den Weg zum Wusterhausener Rathaus. „Der Fall ist dort zur Chefsache geworden“, verkündet die Bauamtsleiterin Melanie Füllgraf. Sie und der Bürgermeister, waren nicht untätig – doch die Fällverweigerung kommt nicht von der Wusterhausener Verwaltung.

Das Protokoll der Baumschau von 2015 weist aus, was die zuständige Naturschutzbehörde beim Landkreis festgelegt hat. Unter den Bäumen, die keinesfalls verschwinden durften, ist die Laue-Problemeiche, weil: Sie ist groß, kernig und gesund. Michael Laue, im Wusterhausener Rathaus einst zum Verwaltungsfachangestellten ausgebildet, sieht das auch so. Dennoch erinnert er sich an seinen früheren Lehrstoff: „Verwaltungshandeln muss immer verhältnismäßig sein. Drei Fragen sollten bei der Lösungsfindung Antworten bekommen. Ist die diskutierte Maßnahme erforderlich, geeignet und angemessen?“

Von ihm gäbe es dreimal ein klares Ja. Naturschutz hin oder her, nichts gehe über das Wohlbefinden der Menschen. So habe man das auch im Rathaus schon mal gesehen. Seine Mutter erinnert sich an eine mündliche Zusage zum Fällen, erteilt von einer Mitarbeiterin des Bauamtes, was man dort vehement dementiert. Außerdem sei nicht ganz klar, ob der stattliche Baum tatsächlich auf Gemeindeland steht oder auf privatem. „So oder so käme aus Neuruppin wieder ein Veto“, ist Bürgermeister Roman Blank überzeugt, „es sei denn, die Eiche würde sich vom Stamm her dermaßen ausdehnen, dass die Bewohner auch mit ihrem Privat-Pkw nicht mehr durchkämen.“

Roman Blank geht noch einmal auf besagtes Schaulaufen von 2015 zurück. In dessen Ergebnis wurden zwei Roteichen gefällt, um einen Rettungsweg „von hinten“ auch bis zum Haus Uferweg Nr. 10 zu schaffen – mit der notwendigen Breite.

Ob in einem Ernstfall, zum Beispiel in der Nacht, Fahrer von Krankenwagen ohne Ortskenntnis diesen Hintereingang finden, ohne wertvolle Zeit zu verlieren, daran hat Michael Laue seinen Zweifel.

Im Zusammenhang mit der „Chefsache“ ging Roman Blank am Rande auch auf ein anderes Problem ein. Die Straße Am Uferweg ist steinreich. Weiß angestrichene Feldsteine vor Grundstücken engen die eigentliche Fahrbahn ein. Dazu kommen hier und da eingeschlagene Begrenzungspfähle aus robustem Stahl, die Bewegungsfreiheiten von größeren Fahrzeugen beschneiden, was übrigens auch schon die Feuerwehr bemängelt hat. „So etwas ist ohne Genehmigung nicht gestattet.“ Der Bürgermeister stellt in Aussicht, Veränderungen einzuleiten. Es könnte sein, dass man am Seeufer bald einen neuen Aufreger hat.

Von Wolfgang Hörmann

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