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Streit ums Essen: Jetzt geht’s an die Fertigsauce

Eltern empört über Schul- und Kita-Essen Streit ums Essen: Jetzt geht’s an die Fertigsauce

Bio bezahlt, Industrie-Essen bekommen? Wustrauer Eltern fühlen sich beim Essen für die Schul- und Kita-Kinder betrogen. Die Speisen entsprächen nicht dem, was die Firma vertraglich zugesichert habe. Die Firma wehrt sich: Es gibt Dinge, die kann man zum vereinbarten Preis nur als Fertigprodukte kaufen.

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Über die Qualität des Schulessens wird vielerorts diskutiert.

Quelle: Peter Geisler

Fehrbellin. Wustrauer Eltern sind sauer: Sie glauben, dass ihre Kinder in Kita und Grundschule nicht das Essen bekommen, das die Eltern bestellt haben. Statt frisch zubereitetem, gesundheitsförderlichem Essen würden den Kindern auch Fertigprodukte vorgesetzt: Saucen, Salate, Kartoffelpuffer oder Hefeklöße zum Beispiel, die nur noch aufgewärmt werden. Das sei nicht das, wofür sie bezahlt habe, sagt Nadine Sommerkorn.

Die Eltern berufen sich auf Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: „Convenience-Produkte“ der Stufen 4 und 5 sind in den Fehrbelliner Schulen und Kitas nicht zulässig – so steht es in einem Vertrag, den die Gemeinde im August mit der Neuruppiner Firma Zuerbel und Lingk geschlossen hat. Zuerbel und Lingk kochen das Mittagessen für Kitas und Schulen.

15 Mütter und Väter sind am Donnerstagabend in den Fehrbelliner Gemeinderat gekommen, um sich zu beschweren. Sie übergeben den Gemeindevertretern ein Gesprächsprotokoll vom 23. November, unterschrieben von den Elternsprechern und von Thomas Lingk. „War ihnen bei Vertragsabschluss bewusst, dass sie die Vertragsbedingungen nicht einhalten können?“ fragten die Eltern da, und Thomas Lingk antwortete laut Protokoll: „Das kann kein Caterer zu diesem Preis erfüllen. (...) Sie haben Recht, der Vertrag ist so nicht einhaltbar.“

Wut richtet sich auch gegen die Gemeinde

Warum, so fragen die Eltern, habe der Essensversorger darauf nicht vorher hingewiesen? Dann hätte vielleicht ein anderes Unternehmen die Ausschreibung gewonnen. Die Wut der Eltern richtet sich auch gegen die Gemeinde Fehrbellin. Der werfen sie vor, untätig zu sein, obwohl die Probleme seit Oktober bekannt sind. „Ich höre heute zum ersten Mal davon“, entgegnet der Gemeinderatsvorsitzende Hans-Peter Erdmann. „Wir kümmern uns darum.“

Die Eltern haben weitere Kritikpunkte: Die Küche, die von Neuruppin bis nach Königshorst liefert, könne die Warmhaltezeit von 75 Minuten für das Essen nicht einhalten, und auch beim Ab­bestellen einer Mahlzeit habe es Probleme gegeben.

Dass das Essen kalt in der Kita ankomme, sei völliger Blödsinn, sagt Rüdiger Zuerbel von Zuerbel und Lingk. Bis Wustrau brauche die Mahlzeit keine halbe Stunde. Neuruppiner Schulen würden sogar von einer Firma aus Potsdam Mittelmark mit warmem Essen beliefert. Zuerbel und Lingk werden spätestens im Juni in Wustrau kochen – dann seien sogar frisch hergestellte Eierkuchen möglich. Weil der Vertrag für die Küche im Stadtgarten endet, baut die Firma in Wustrau nun etwas Eigenes auf. Rüdiger Zuerbel vermutet, dass es den Eltern in Wustrau nur ums Geld gehe. Die ersten hätten bereits einseitig den Preis für das Essens gemindert.

Preis fürs Essen ist gestiegen

Mit dem neuen Vertrag waren die Preise fürs Essen gestiegen, von 2 auf 2,55 Euro pro Kita-Mahlzeit – damit mehr regionale und Bio-Produkte verarbeitet werden können. Beschwerden habe es einzig aus Wustrau gegeben, sagt Rüdiger Zuerbel. „Wir sind nie befragt worden“, entgegnet ein Vater aus Königshorst. Auch das lässt Zuerbel so nicht stehen: Jeden Tag liege ein Qualitätszettel neben der Lieferung, auf dem Erzieher und Eltern einen Kommentar zum Essen hinterlassen können. In Wus­trau stellt die Kita-Leitung den Speiseplan nun gemeinsam mit den Eltern so zusammen, dass keine Fertigprodukte mehr zum Einsatz kommen.

Am 11. Februar soll es ein Gespräch mit Kommune und Eltern geben. Kritik übt die Mutter Nadine Sommerkorn an der Fehrbelliner Bürgermeisterin. Ute Behnicke habe dem Versorger bis Ende Juli eine befristete Vertragsänderung zugestanden, ohne vorher Eltern und Gemeindevertreter zu fragen. Ute Behnicke versteht den Ärger der Eltern: Dass ein Versorger die Bedingungen nicht einhalten kann, hätte er vorher sagen müssen. Zugleich gibt sie zu bedenken, dass auch Joghurt und das Vollkornbrot zur Suppe vorgefertigte Produkte sind. Das Brot könne Zuerbel und Lingk doch nicht erst in der Kita backen.

Von Christian Schmettow

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