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Streunende Stubentiger werden zum Problem

Neuruppin Streunende Stubentiger werden zum Problem

Die Zahl der verwilderten Hauskatzen steigt ständig. Kein Wunder: ein einziges Paar Katzen kann in zehn Jahren theoretisch für 80 Millionen Nachkommen sorgen. Viele Tiere leiden an Krankheiten und Parasiten und bedrohen die Vogelwelt. Tierschutzverbände fordern die Kastration streunender Katzen. Die wenigsten Kommunen kümmert das.

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Der Straßenkater Rudi ist inzwischen wieder vorzeigbar und gesund.

Quelle: FOTOS (4): Peter Lenz

Neuruppin. Etwa zwei Millionen streunende Katzen gibt es in Deutschland. Auf so viele Exemplare dieser herrenlosen und oft verwahrlosten Tiere schätzen Fachleute des deutschen Tierschutzbundes die herrenlosen Stubentiger. Sie leben auf Hinterhöfen, in Parkanlagen und zwischen den Wohnsiedlungen der Menschen – Nachkommen einst so geliebter Haustiere.

Auch im Landkreis Ostprignitz – Ruppin gewinnt diese Problem. Wie kann es ein, dass so viele Katzen auf der Straße leben? Eine die es wissen muss ist die Fehrbelliner Tierschützerin Renate Hütter. Ihre Antwort ist so einfach wie erschreckend: Katzen sind bereits im Alter zwischen sechs und zehn Monaten geschlechtsreif und können bis zu drei Mal im Jahr vier bis acht Junge pro Wurf zu Welt bringen. Rein rechnerisch ergäbe dass eine Zahl von 80 Millionen Nachkommen, die ein einziges Katzenpaar und seine Welpen in einem Zeitraum von zehn Jahren zeugen könnten.

Die meisten dieser Tiere landen in Tierheimen oder werden gleich nach der Geburt ertränkt, erschlagen und in Mülltonnen entsorgt. „Der überwiegende Teil diese Tiere schafft es wohl nicht einmal die ersten Wochen zu überleben. Man könnte fast meinen, dass diejenigen noch das bessere Los gezogen haben“, sagt Renate Hütter. Denn was die überlebenden Kätzchen in freier Wildbahn erwartet, ist grausam für die domestizierten Tiere: ein täglicher Kampf ums Futter, Revierkämpfe, Kälte, Hunger, Autoverkehr, vor allem aber Krankheiten und Parasiten bestimmen das Leben dieser Tiere.

Eingriff ins Ökosystem

Tierschützer haben das Problem längst erkannt und fordern seit Jahren eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle freilaufenden Tiere, so genante „Freigänger“. Die Frage, ob es noch etwas mit Tierschutz zu tun habe, wenn man versucht die Population der Tiere stark einzuschränken, beantworten Tierschutzverbände mit einem klaren Ja. Jede Art in der Natur, die sich unkontrolliert vermehrt und ausbreitet, greift in das bestehende Ökosystem ein und verdrängt andere Arten. Katzen zum Beispiel töten und fressen alles, was kleiner ist als sie selbst: Insekten, Frösche, Eidechsen, Vögel und kleinere Säugetiere.

Die Kastration ist für die meisten Tierärzte heute ein Routineeingriff von wenigen Minuten und für die Tiere in der Regel ohne Probleme zu verkraften. Viel mehr Probleme bereitet den Tierschützern die Unvernunft vieler Zeitgenossen, die sich weigern, ihre freilaufenden Lieblinge diesen Eingriff zu unterziehen.

Mauer aus Ignoranz und Unverständnis

Nicht nur Tierschützer haben das Problem inzwischen erkannt, sondern auch eine Vielzahl von Kommunen. Vorreiter mit einer Ordnungsrechtlichen Verfügung zu einer Kastrations – und Kennzeichnungspflicht war vor acht Jahren die Stadt Paderborn. Obwohl viele Kommunen diesem Beispiel folgten, sah die Politik bisher keine Notwendigkeit, eine Kastrationspflicht ins Tierschutzgesetz aufzunehmen. Tierschützer beklagen bei diesem Thema „eine Mauer aus Ignoranz und Unverständnis“. In Brandenburg haben bisher nur wenige Städte wie Frankfurt (Oder), Luckenwalde und Jüterbog eine solche Kastrationsverordnung erlassen.

Musterbeispiel Jüterbog

Im Land Brandenburg gibt es fast nirgends Verordnungen, die dazu verpflichten, streunende Katzen zu registrieren und zu kastrieren.

Ausnahmen sind die Städte Frankfurt/Oder, Luckenwalde und Jüterbog, die mit den Tierschützern zusammengearbeitet und entsprechende Verordnungen durchgesetzt haben.

Bereits 2016 hat das Ordnungsamt Jüterbog eine Kastrations- und Registrierungspflicht für alle Freigängerkatzen eingeführt, um der Überpopulation ein Ende zu setzen, wie die verantwortlichen Mitarbeiterin dort auf MAZ-Anfrage mitteilt.

In Jüterbog und Umgebung habe es zuvor ein halbes Dutzend „illegale Futterplätze gegeben, an denen streunende Tiere gefüttert wurden. Die Zahl der herrenlosen Katzen dort haben stetig zugenommen.

Nach der Kastrationsverordnung wurden in Jüterbog die illegalen in zwei legale städtische Futterplätze umgewandelt. Dort werden seitdem sämtliche Streuner gefangen, kastriert und behandelt. Seitdem müssen in Jüterbog viel weniger kleine Katzen und Kater und in Tierheim gebracht.

Trotzdem muss die Stadt ständig kontrollieren, ob Tierhalter nicht mehr gewollte gebährfähige Katzen einfach an den Futterstellen aussetzen.

Seit Einführung der Kastrationspflicht in Jüterbog und Umgebung hat die Stadt 215 Katzen aus Privathaushalten registriert und weitere 75 Freigänger auf Anweisung der Stadtverwaltung kastriert. Dafür hat Jüterbog bis Februar 2018 insgesamt 12 806 Euro ausgegeben und 315 Euro Bußgeld wegen Verstößen gegen die Verordnung eingenommen.

In Neuruppin blieben solche Vorschläge im Ausschuss für Soziales der Stadtverordnetenversammlung Neuruppin bisher ohne Reaktion. Dabei seien die Kommunen in der Verantwortung, mahnen Tierschützer. Zwar erhalte der Tierschutzverein Ostprignitz-Ruppin auch von der Stadt Neuruppin Zuschüsse um wild lebenden Katzen unfruchtbar zu machen. Aber bei 240 Kastrationen im vergangenen Jahr in Neuruppin und Umgebung sei diese Zuwendung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, sagen Renate Hütter und ihre Mitstreiterin Gabriele Haase. Hier seien nicht nur Neuruppin, sondern auch alle Nachbarkommunen gefordert, sich deutlich an den Kosten zu beteiligen. Die Zahl von 240 Kastrationen sei die höchste im gesamten Land Brandenburg im Jahre 2017 und nur durch den unermüdlichen Einsatz der Tierschützer vor Ort möglich gewesen. Auch die Betreiber der vielen Pflegestellen für ausgesetzte und verwahrloste Tiere müssten bedacht werden. Vielleicht helfe es, wenn die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung einmal die Tierschützer vor Ort bei Ihrer Arbeit begleiten. Gut funktioniere diese Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen des kreislichen Veterinäramtes Sarah Böhm und Jana Kulka, loben die Tierschützerinnen.

Von Peter Lenz

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