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Studium in Neuruppin wird Alltag

Immatrikulation an der Medizinischen Hochschule Studium in Neuruppin wird Alltag

Die Medizinische Hochschule Brandenburg feierte am Freitag in Neuruppin die Immatrikulation des zweiten Jahrgangs von Medizinstudenten. 2015 war die Hochschule gestartet – als kommunale Universität. Inzwischen wird das Besondere langsam ganz normal.

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Mit einem großen Fest in der Pfarrkirche feierte die Medizinische Hochschule die Immatrikulation der neuen Studenten.

Quelle: Reyk Grunow

Neuruppin. Ihre persönliche Botschaft musste Carla Kniestedt gleich zu Beginn der Feier loswerden. Eigentlich sollte sie am Freitag Nachmittag durch die feierliche Immatrikulation des zweiten Jahrgangs der Medizinstudenten an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) in Neuruppin leiten. Vorweg hatte sie aber eine Bitte. Der Ort, in dem Carla Knie­stedt in der Uckermark lebt, braucht dringend einen Hausarzt. Vielleicht sei ja einer der angehenden Mediziner der MHB bereit, nach seinem Studium Hausarzt in der Provinz zu werden?

Mit Applaus begrüßten Dekan Dieter Nürnberg (vorn) und die andere Gäste die 48 neuen Studenten in der Pfarrkirche von Neuruppin

Mit Applaus begrüßten Dekan Dieter Nürnberg (vorn) und die andere Gäste die 48 neuen Studenten in der Pfarrkirche von Neuruppin.

Quelle: Reyk Grunow

48 junge Leute wurden am Freitag in der Neuruppiner Pfarrkirche als Studenten im Fach Humanmedizin aufgenommen. Mit ihnen hat die MHB nun insgesamt 130 Studenten – immer noch eine überschaubare Zahl. Trotzdem oder gerade deswegen, sind die neuen Studierenden von den „alten Hasen“ aus dem jetzt dritten Semester freudig erwartet worden. „Hier werden Leute gebraucht, die Bock haben, sich zu engagieren“, sagt Medizinstudentin Marie-Luise Flohr (26). „Wir freuen uns tierisch, dass ein neuer Jahrgang hinzukommt.“ Der Hochschulsport sei gerade im Aufbau, eine Band und eine aktive Fachschaft gebe es bereits. Traditionen wie ein weihnachtlicher Filmabend oder das Angrillen im Frühjahr hingegen müssten erst noch geschaffen werden. Dazu sei jeder neue Student herzlich willkommen.

Um den Neulingen die Orientierung zu vereinfachen, hat sich die Fachschaft in der vorlesungsfreien Zeit ein Begrüßungsprogramm ausgedacht. Treffpunkt für die Planungen: das „LUK-Café“, eine ausladende Teeküche auf dem Campus an den Ruppiner Kliniken. Für ein besseres Kennenlernen geht es zudem im Mai auf Studienfahrt nach Tangersdorf bei Lychen (Landkreis Uckermark).

Neuruppin gewöhnt sich langsam an die Studenten

Während die Studentinnen und Studenten derzeit darum bemüht sind, ein studentisches Leben auf dem Campus und in Neuruppin zu etablieren, dürften sich auch die Neuruppiner langsam an die Tatsache gewöhnt haben, dass es ein Studentenwohnheim in der Junckerstraße und eine Reihe von Wohngemeinschaften in der Innenstadt gibt. „Bei der Wohnungssuche im vergangenen Jahr kam noch häufiger die Frage ‚Oh, ihr seid Studenten’?“, erzählt Johanna Seiffert (21). Die meisten ihrer Kommilitonen wohnten in Neuruppin, einige pendelten auch von Berlin aus.

Von ihrem Studium sind die beiden jungen Frauen aus Brandenburg überzeugt. „Das Format ist aufs Selbststudium ausgelegt“, sagt Marie-Luise Flohr, „Uns wird der Rahmen geschaffen, damit wir uns das Wissen aneignen können.“ Ragna Iwers (21), ebenfalls aus der Mark, ergänzt: „Die Seminare und Vorlesungen auf freiwilliger Basis sind sehr gut besucht. Wir haben viel weniger Anwesenheitspflicht als andere Medizinstudenten.“

Die Tatsache, mit dem Campus direkt auf dem Klinikgelände zu sein, sei praktisch. Der hohe Praxisanteil sei „ziemlich genial“. Das Konzept kommt auch bei anderen Studenten an; Verbesserungsvorschläge würden schnell aufgegriffen – ein Vorteil kleiner Lerneinheiten.

Tag der offenen Tür am 14. Mai

Die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) hat 2015 ihren Studienbetrieb aufgenommen. Zurzeit hat sie 130 Studenten und 28 Professoren; zwölf weitere Professoren werden demnächst ernannt.

Die MHB ist ein Gemeinschaftsprojekt der Ruppiner Kliniken, des Städtischen Klinikums Brandenburg an der Havel und der Immanuel-Diakonie Bernau. Das Studium findet bisher vor allem in Neuruppin statt.

Zwei Studiengänge werden derzeit angeboten: Humanmedizin mit dem Abschluss Staatsexamen und Psychologie mit einem Bachelor-Abschluss. Ein Master für Psychologie soll folgen.

Am 14. Mai veranstaltet die Hochschule in Neuruppin einen Tag der offenen Tür.

Aber wie lassen sich die hohen Studiengebühren von 115 000 Euro für Humanmedizin stemmen? Die Studentinnen bleiben, darauf angesprochen, entspannt und sachlich. „Ich habe einen Studienvertrag mit den Ruppiner Kliniken“, erklärt Marie-Luise Flohr. Diese übernehmen einen Großteil der Kosten. Dafür verpflichtet sich die junge Frau dazu, auch ihre Facharztausbildung am Klinikum zu machen. Über einen Kredit und einen Job finanziere sie den restlichen Teil des Studiums selbst. „Es ist schon immer noch ’ne Stange Geld, aber als Arzt verdient man nicht so schlecht“, so Flohr.

„De facto hat keiner das Geld, hier einfach so zu studieren“, sagt Johanna Seiffert. Es gehöre Mut dazu, an der MHB zu studieren, denn zur Angst, das Studium nicht zu schaffen, komme die Furcht, sich zu verschulden.

Bei den Psychologie-Studenten der Neuruppiner Hochschule ist diese Angst vielleicht noch größer; sie bekommen kein Geld von einer Klinik. Wer sich das Studium nicht selbst oder mit Hilfe der Eltern leisten kann, darf auf ein Stipendium hoffen. Ein gewisses Risiko bedeutet das Studium trotzdem. Deshalb merke man aber auch, dass „viele es aus Überzeugung machen“, so Seiffert.

In den Hochschulbetrieb kehrt nach einem Jahr langsam Alltag ein

Die MHB unterscheidet sich in vielen Punkten von anderen Hochschulen, auch darin, dass sie kommunal getragen wird – vor allem vom Landkreis Ostprignitz-Ruppin und den Städten Neuruppin und Brandenburg. Moderatorin Kniestedt formulierte die Bitte um einen Hausarzt für die Kleinstadt Lychen als Scherz. Doch sie enthält einen der wesentlichen Gründe, aus dem die Hochschule vor einem Jahr aus der Taufe gehoben wurde: um Ärztenachwuchs für die märkische Provinz zu bekommen.

Noch immer begegnen viele Fachleute der Idee mit Skepsis. Kann eine solche Universität auf Dauer funktionieren? Dekan Dieter Nürnberg ist überzeugt, dass sie es kann. Noch sind die Immatrikulationsfeiern wie die gestrige etwas Besonderes. Das wird sich ändern, sagt Nürnberg voraus: „Sie gehören bald schon zur Normalität.“ Die Hochschule auch.

Von Reyk Grunow und Mischa Karth

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