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Ostprignitz-Ruppin Suche nach rollstuhlgerechter Wohnung
Lokales Ostprignitz-Ruppin Suche nach rollstuhlgerechter Wohnung
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00:18 13.07.2017
Vanessa und Nathan Schirge wohnen in der ersten Etage eines Mehrfamilienhauses. Doch das Treppensteigen wird für die 28-Jährige zur Hürde. Quelle: Christamaria Ruch
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Wittstock

Vanessa Schirge aus Wittstock kämpft gegen die Zeit. Denn mit jedem Tag nimmt die Erkrankung einen größeren Raum in ihrem Körper ein. Die 28-Jährige leidet an der zentronukleären Myopathie, die im weiten Sinn eine Form von Muskelschwund ist. Sie gehört zu den äußerst seltenen Erkrankungen – nur gut zehn Menschen in Deutschland leiden darunter. Die Krankheit ist nicht heil- und nicht therapierbar.

Rollstuhl für Fahrten außerhalb der Wohnung

Gemeinsam mit ihrem Mann Nathan wohnt Vanessa Schirge seit drei Jahren in der Rote-Mühle-Siedlung in Wittstock. Dort haben sie eine Dreizimmerwohnung in der ersten Etage eines Mehrfamilienhauses bezogen. Und genau das wird nun zum Problem. Fünf Treppenstufen müssen bis zum Hauseingang überwunden werden, dann folgen 14 weitere Stufen bis zur Wohnung. Die Krankheit schreitet voran, und damit lassen die Kräfte bei der 28-Jährigen nach. Das Gehen fällt zunehmend schwerer. Schon seit einem Jahr ist das Paar auf der Suche nach einer behindertengerechten Wohnung. „In einigen Jahren werde ich wegen der Krankheit dauerhaft im Rollstuhl sitzen“, sagt die junge Frau. Demnächst wird sie einen ersten Rollstuhl für Fahrten außerhalb der Wohnung bekommen.

Jede Unebenheit, wie auch die Türschwelle zum Balkon, ist zu viel. Quelle: Christamaria Ruch

„Wir haben uns schon längere Zeit Gedanken gemacht, und gehen nun bewusst den Schritt an die Öffentlichkeit“, sagt der 26-jährige Nathan Schirge. Denn: „Wir möchten auch das Bewusstsein bei den Leuten wachrufen, dass wir dringend Hilfe benötigen.“ Bei sämtlichen Wohnungsverwaltungen in Wittstock stehen sie mittlerweile auf den Wartelisten für eine rollstuhlgerechte Wohnung. Doch ein passendes Angebot blieb bisher aus. Daher sind sie gezwungen, zunächst weiterhin dort wohnen zu bleiben.

„Jeden Tag die Treppen zu steigen, wird für mich zur Qual“, räumt Vanessa Schirge ein. Sie ist schnell erschöpft, ihre Kräfte lassen in Händen und Beinen nach, Herz und Lunge werden in Mitleidenschaft gezogen und bei Entfernungen von mehr als 800 Meter muss sie passen. Auch wenn die Krankheit sie bedrückt und je nach Tagesverfassung mehr oder weniger in ihren Planungen einschränkt, strahlt die junge Frau Lebensfreude aus. „Ich versuche, jetzt das Leben zu genießen und gucke auch mit anderen Augen auf das Leben.“

Patientin in der Charité in Berlin

Die zentronukleäre Myopathie begleitet Vanessa Schirge schon Zeit ihres Lebens. Doch erst mit 21 Jahren konnte die Diagnose gestellt werden. „Es gab schon in meiner Kindheit körperliche Auffälligkeiten“, erinnert sie sich. Erst als sie immer häufiger Rücken- und Knieschmerzen bekam, wurde schließlich eine MRT-Untersuchung verordnet. „Da wurden Veränderungen im Muskelgewebe festgestellt und eineinhalb Jahre später wusste ich, wie meine Krankheit heißt.“ Dieser Gendefekt zeigte sich bei Vanessa Schirge als Spontanmutation. Das bedeutet, niemand aus ihrer Familie litt zuvor an dieser Krankheit. Sie besucht regelmäßig ihre Hausärztin in Wittstock und ist Patientin in der Charité in Berlin.

Vanessa Schirge stammt aus Lauenburg (Schleswig-Holstein) und absolvierte eine Ausbildung zur Diätassistentin. Nach Hochzeit und Umzug 2014 nach Wittstock arbeitete sie in einem Gesundheitshotel in Waren. „Die Krankheit schreitet seit gut zwei Jahren schneller voran und ich musste Ende 2015 meine Arbeit aufgeben“, erinnert sie sich. Derzeit bezieht sie eine Teilerwerbsrente.

Freundes- und Bekanntenkreis in Wittstock

Das Paar kann sich in Wittstock auf einen Freundes- und Bekanntenkreis verlassen. Beide engagieren sich in der Baptistengemeinde. Vanessa Schirge spricht fließend Englisch und freut sich, die Sprache im Gespräch mit Bekannten anwenden zu können. „Durch unseren festen Freundeskreis und weil wir hier gut eingebunden sind, würden wir nur ungern Wittstock verlassen“, sagen beide.

Von Christamaria Ruch

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